Die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale gilt als das bedeutendste vorrevolutionäre Gebäude der Stadt. Es blickt zurück auf eine bewegte Geschichte.

Am vergangenen Sonntag feierten die orthodoxen Ostkirchen das Osterfest. Die Feierlichkeiten liefen aber dieses Jahr ganz anders ab als sonst üblich. Im Zentrum stand die Frage, ob in Zeiten des Coronavirus die verschiedenen orthodoxen Kirchengemeinden von Griechenland bis in den äußersten Osten Russlands zu den Ostermessen in ihren Gotteshäusern zusammenkommen könnten.

Die Orthodoxe Kirche der Ukraine beispielsweise, die sich 2018 in einem aufsehenerregenden Schritt vom Moskauer Patriarchat losgesagt hatte, weigerte sich bis zuletzt vehement, die strengen Quarantäneregeln einzuhalten. Bis zum Osterfest war jeder zweite der Priester des weltberühmten Kiewer Höhlenklosters mit dem Virus infiziert. Der Moskauer Patriarch Kirill allerdings rief die Gläubigen dazu auf, den Kirchen in diesem Jahr fernzubleiben und das Osterfest daheim im Kreise der Familie zu verbringen. So blieb auch die russisch-orthodoxe Christi-Himmelfahrt-Kathedrale in Almaty, welche der Eparchie Astana und Almaty und damit dem Moskauer Patriarchat unterstellt ist, zum diesjährigen Osterfest verwaist.

Bau ohne einen einzigen Nagel

Das farbenfrohe Kirchengebäude der Christi-Himmelfahrt-Kathedrale, welches sich inmitten des zentralen Parks der 28 Panfilow-Gardisten befindet, gilt heute als das bedeutendste vorrevolutionäre Gebäude der Stadt. Andrej Pawlowitsch Senkow, Sohn des Architekten und Schoepfers des ersten Generalplans der Festung Wernoje Pawel Matweewitsch Senkow, begann am 26. September 1904 mit dem Bau der Kathedrale – genau 50 Jahre nach der Gründung der Festung. Rund vier Jahre später wurde das Gebäude im altrussischen Stil fertiggestellt und am 30. Juli 1907 geweiht.

Der Legende nach verwendete man für den ursprünglichen Bau nicht einen einzigen Nagel. Allerdings ist das heute, nach einigen Umbaumaßnahmen und durch die Wirren der Zeit, nicht mehr genau zu belegen. Der jahrhundertealten traditionellen russischen Holzarchitektur ist der Bau gerade von sakralen Gebäuden ohne Nägel und Metallklammern jedoch nicht fremd. Das gilt insbesondere im hohen Norden Russlands. Ob mit oder ohne Nägel, die besondere Holzbauweise rettete die Kathedrale bei einem schweren Erdbeben im Jahr 1911 vor der Zerstörung. Lediglich der Glockenturm verschob sich leicht, wodurch mehrere Glasscheiben zu Bruch gingen. Architekt Senkow der Jüngere ließ sein Wissen über das Bauen in seismisch aktivem Gelände in das Gebäude mit einfließen.

In den Jahren der Sowjetherrschaft hatte es das religiöse Leben in Alma-Ata, so wie überall in der Sowjetunion, jedoch schwer. Die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale wurde am 29. Oktober 1929 geschlossen, kurz darauf wurde die Kirche geplündert, die Ikonostase zerstört und die Glocken aus dem Turm entfernt. Für kurze Zeit befand sich eine kleine Rundfunkstation in dem Gebäude, bis 1931 die Ausstellung des Heimatmuseums aus Orenburg, von 1920 bis 1925 die Hauptstadt der Kirgisischen ASSR (etwa heutiges Kasachstan), dort einzog.

Kirchliches Leben erst wieder Mitte der 1990er Jahr

Diese Ausstellung bildete den Grundstock für das heutige Zentrale Staatliche Museum der Republik Kasachstan, welches sich seit 1985 in einem repräsentativen Neubau in Almaty befindet. Seit den 1970er Jahren genießt das Gebäude der Kathedrale staatlichen Denkmalschutz. Ab 1973 wurde es restauriert und teilweise wiederhergestellt. Bis zum Ende der Sowjetunion führte es der Staat jedoch seinem ursprünglichen, sakralen Zweck nicht wieder zu.

Kirchliches Leben zog in die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale erst Mitte der 1990er Jahre wieder ein. Am 2. Mai 1994 fand zum ersten Mal seit 65 Jahren wieder ein Gottesdienst in der Kirche statt. Der Staat gab das Gebäude am 18. April 1995 offiziell wieder an die Eparchie Astana und Almaty zurück. Seitdem ist es das religiöse Zentrum der russisch-orthodoxen Kirche der Stadt und des Gebietes Almaty. Zwischen 2017 und 2019 wurde das gesamte Gebäude abermals grundlegend restauriert. So erstrahlt diese historische Kathedrale, die manche schwere Epoche überdauert hat, auch heute wieder in frischem Glanz.

Philipp Dippl

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