Analyse Deutscher und Eurasischer Wirtschaftsgemeinschaften (Teil 15)

Ulf Schneider (li.) u. a. für die Öffnung der Grenzen.
Ulf Schneider (li.) u. a. für die Öffnung der Grenzen. | Bild: Autoren

Der Deutsche Zollverein (1834-1871) diente als Instrument der damaligen politischen und wirtschaftlichen Einheit Deutschlands, analog zur Europäischen Union. In einem direkten Vergleich von EU und EAWU werden Möglichkeiten und Grenzen eines einheitlichen Wirtschaftsraumes von Lissabon bis Wladiwostok skizziert. Sollte man ihn besser bis Schanghai denken?

[…] „Ich hoffe, dass in nicht zu ferner Zukunft die Vereinigten Staaten von Europa, zu denen Deutschland gehören würde, geschaffen werden, und dass dann Europa, dieser so oft von Kriegen durchtobte Erdteil, die Segnungen eines dauernden Friedens genießen wird“, verkündet Konrad Adenauer im Nordwestdeutschen Rundfunk über das Programm der CDU 1946.

Auch Winston Churchill setzte sich in seiner Rede an der ETH Zürich 1946 für vereinigtes Europa ein. „Nur auf diese Weise werden Hunderte von Millionen sich abmühender Menschen in die Lage versetzt, jene einfachen Freuden und Hoffnungen wiederzuerhalten, die das Leben lebenswert machen.“

Die Europäische Union (EU) und die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) erscheinen auf den ersten Blick als zwei ganz unterschiedliche Subjekte und besitzen doch eine Reihe von Gemeinsamkeiten. Beide sind ursprünglich eher aus politischen Überlegungen heraus entstanden, und beide haben sich der Wirtschaft bedient, um ihre jeweiligen politischen Ziele zu erreichen. Dabei hat die Wirtschaft in der EU eine Eigendynamik entwickelt, welche bei der EAWU bislang noch im Entstehen ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Überlegung im Westen, man sollte die für eine Kriegsmaschinerie wichtigen Wirtschaftsbereiche in einer Gemeinschaft zusammenführen, sodass Deutschland nicht mehr in der Lage wäre, selbstständig einen Krieg zu führen.

Diese politische Überlegung führte 1951 zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) und 1957 zu den Römischen Verträgen, in denen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) gegründet wurden. In den 1960er bis 1980er Jahren wurden insbesondere die wirtschaftlichen Vorteile der Vergemeinschaftung einzelner Bereiche sichtbar, und so entstand 1968 im Rahmen der EWG eine Zollunion und infolge der Einheitlichen Europäischen Akte 1986 der bekannte europäische Binnenmarkt.

Erst sehr spät, nämlich mit dem Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon 2009, wurde dann auch das Ziel einer politischen Union für die Bereiche der Außen- und Sicherheitspolitik erreicht. Ob die einheitliche Währung, der Euro, ein politisches oder wirtschaftliches Projekt ist, sei hier dahingestellt. […]

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Peter Enders, Galina Nurtasinowa und Ulf Schneider