Deutschland ist in der Europäischen Union der wichtigste Handelspartner für Zentralasien. Die wachsenden und jungen Gesellschaften in der Region lassen auf ein künftiges Wirtschaftswachstum hoffen, und bieten somit auch Chancen für deutsche Unternehmen.

Beim Handel in Zentralasien spielt Kasachstan die Vorreiterrolle. Um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und dem zentralasiatischen Land auszubauen, wurde 2012 der Berliner Eurasische Klub (BEK) gegründet. Anlass war der Besuchs des damaligen kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew in Berlin, als unter anderem das deutsch-kasachische Rohstoffabkommen unterzeichnet wurde. Der Klub trifft sich drei Mal jährlich in Nur-Sultan (früher: Astana), Brüssel und Berlin. „Mit dem Berliner Eurasischen Klub wurde ein Vehikel geschaffen, in dem ganz konkrete Anliegen der deutschen und kasachischen Unternehmen diskutiert werden können“, fasst Eduard Kinsbruner vom Ost-Ausschuss – Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft (OAOEV) die Zielsetzung zusammen. Außerdem erhöhe sich durch den BEK die Sichtbarkeit Kasachstans in Deutschland und Europa ebenso wie die Sichtbarkeit Deutschlands in Kasachstan. Der OAOEV ist seit 2016 Kooperationspartner des Klubs.

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes betrug der Handelsumsatz zwischen Deutschland und Kasachstan im vergangenen Jahr 5,14 Milliarden Euro, ein Plus von 5,9 Prozent im Vergleich zu 2017. Sowohl das Im- als auch das Exportgeschäft können wachsende Zahl verzeichnen. 2018 wurden Waren im Wert von 1,41 Milliarden Euro aus Deutschland in das zentralasiatische Land exportiert (+11,3 Prozent), vor allem Maschinen und Anlagen, chemische, elektronische und optische Erzeugnisse sowie elektrische Ausrüstungen und Kraftfahrzeuge. Aus Kasachstan kamen Waren im Wert von 3,73 Milliarden Euro nach Deutschland (+3,9 Prozent), insbesondere Rohstoffe. Kasachstan ist für Deutschland der viertgrößte Öllieferant.

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Bei den Sitzungen des Klubs, die vom OAOEV gemeinsam mit der Botschaft Kasachstan in Berlin geplant werden, geht es jedoch nicht nur um die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kasachstan, sondern auch um die Kooperation zwischen der Europäischen Union und der Eurasischen Wirtschaftsunion. Kasachstan ist Gründungsmitglied, der 2015 entstandenen EAWU, zu der auch Russland, Belarus,
Armenien und Kirgisistan gehören.

Durchschnittlich kommen etwa 80 Teilnehmer zu den Treffen, sagt Kinsbruner. Die Themen richten sich an den aktuellen Entwicklungen in der Region aus. So ging es zum Beispiel bei der 26. Sitzung Mitte Mai in Kasachstans Hauptstadt um die Möglichkeiten und Bedeutung des 2018 gegründeten „Astana International Financial Centre“ (AIFC). Im AIFC, das sich auf dem ehemaligen EXPO-Gelände befindet, können sich in- wie ausländische Unternehmen in Kasachstan registrieren. Das AIFC basiert auf dem britischem „Common Law“ und soll als Business-Plattform für alle zentralasiatische Länder dienen.

Kinsbruner zieht ein positives Fazit der Arbeit des BEK: „In den vergangenen vier Jahren ist die Teilnehmerzahl stetig gewachsen. Die Agendasetzung passte stets zu den aktuellen Entwicklungen, sodass in den Diskussionen bereits Weichen für Unternehmensprojekte gestellt werden konnten.“ Und so wird der Klub als Dialogplattform weiterhin einen festen Platz in den deutsch-kasachischen Wirtschaftsbeziehungen haben. Die nächste Sitzung soll im Okotber in Brüssel stattfinden und die Kooperationsmöglichkeiten im Bereich Transport wie Logistik, aber auch die Chancen, die sich aus der neuen EU-Zentralasienstrategie ergeben, erörtern.

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