Bier, Würstchen und Volksmusik, all das gehört zu einem Oktoberfest dazu, auch wenn es nicht in München, sondern über 4.000 Kilometer entfernt in der südlichen Hauptstadt Kasachstans stattfindet. Der Deutsche Wirtschaftsklub in Kasachstan lud zum 11. Tag der Deutschen Wirtschaft ein, der anlässlich des 15-jährigen Jubiläums groß im malerisch gelegenen Golfklub „Schailjau“ vor dem Panorama der Almatyer Berge gefeiert wurde.

/Bild: Christine Karmann. ‚Deutsche Trachtenmode und Volksmusik in Kasachstan: der deutsche Wirtschaftsclub lud zum Oktoberfest ein.’/

Wenn Unternehmer feiern, dann geht es nicht nur um Entspannung: Auf der Wiesn in Almaty tauschten die hochkarätigen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auch eifrig ihre Visitenkarten aus.

Bayerischer Trachtenhut und Lackschuhe – für Viktor Aschunin, Schauspieler und Moderator, ist seine Rolle eine besondere Herausforderung: „Ein halbes Kostüm hatte ich noch nie an. Oben herum trage ich die traditionelle Tracht mit einem blau-weiß karierten Halstuch und Lederweste, und meine Beine stecken in einer edlen Stoffhose. Anlässlich des Oktoberfestes für Unternehmer und ihre Freunde bin ich jedoch passend gekleidet.“ Der Deutsche Wirtschaftsklub in Kasachstan organisierte ein zünftiges Oktoberfest, zu dem die Unternehmer ihre Kunden und Geschäftspartner einladen konnten, um Kontakte in lockerer Atmosphäre zu pflegen und einen typischen Brauch aus München kennen zu lernen.
Alisher Dostijarow und Wladislaw Tjo, beide Vertriebsmanager bei Siemens, sind von dem Konzept begeistert: „Immer verhandeln wir ganz trocken mit unseren Geschäftspartnern im Büro. Beim Oktoberfest können wir uns viel besser kennen lernen und uns auch über private Themen austauschen, das verstärkt das gegenseitige Vertrauen, was dann wieder unsere Zusammenarbeit erleichtert.“

Eröffnung durch Fassanstich

Jörg Hetsch, Delegierter der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien, begrüßte die zahlreichen Vertreter von großen Firmen, Ministerien und Verbänden. Er eröffnete das Oktoberfest durch einen traditionellen Fassanstich. In seiner Eröffnungsrede erinnerte Hetsch an das 15-jährige Jubiläum des Wirtschaftsklubs, der seinen mehr als 90 Mitgliedern Informationen rund um die kasachische Wirtschaft und Politik anbietet und seit Gründung des Klubs im Jahr 1994 die Interessen der Mitglieder in Kasachstan vertritt. „Es sind die Unternehmer, die als erstes neue Märkte erschließen und damit den politischen Austausch und kulturellen Dialog fördern“, sagte Jörg Hetsch. „Mit unserer Arbeit möchten wir die sehr guten Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan vertiefen und zum gegenseitigen Verständnis zwischen den beiden Ländern beitragen.“ Stolz las Hetsch ein Grußwort des Präsidenten Nursultan Nasarbajew vor, der die wichtige Rolle der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan betonte und die fruchtbare und effektive Arbeit des Wirtschaftsklubs lobte, dem er in seiner Arbeit weiterhin viel Erfolg wünscht.

Kronkorken-Weitwurf und Bierdiplom

Ein Unterhaltungsprogramm mit Musik und Tanz umrahmte das Fest. Hierbei durften die Gäste auch aktiv werden. Die Frauen versuchten sich im Kronkorken-Weitwurf, die Männer machten bei einem Wettrinken den größten Bierschlucker unter sich aus. Galija Schunusalijewa, stellvertretende Delegierte der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien berichtete, dass sie mit ihrem Organisationsteam das Oktoberfest schon seit dem Sommer geplant habe. Sie bedankte sich besonders bei den Partnern und Sponsoren des Wirtschaftsklubs.

Worüber unterhält man sich an einem Biertisch? Juri Wegelin, Vorstandsvorsitzender des Weinunternehmens Gold Product, nahm mit seinem Generaldirektor Andrej Ganscha und seinem deutschen Partner Wolfram Schuster vom Senior Experten Service an einem Holztisch Platz. Die Geschäftsleute stießen mit einem Glas Bier auf die erfolgreiche Zusammenarbeit an. Weinexperten darf man natürlich nicht fragen, ob ihnen Wein oder Bier besser schmeckt. Ohne Bier ist es auch für Weingenießer kein richtiges Oktoberfest.
Wolfram Schuster ist kaum auf seinem Platz zu halten, er möchte Erinnerungsfotos machen, mit seinen Geschäftspartern anstoßen und natürlich auch neue Unternehmer kennenlernen. Er fasst seine Eindrücke kurz zusammen: „Das Fest geht locker vom Hocker.“ Auch seine einheimischen Partner sind von der guten Stimmung angetan.

Bayerische Küche in Almaty

Am Buffet mit deutschen und kasachischen Spezialiäten hat sich mittlerweile eine Schlange gebildet. Die verschiedenen Würstchen möchten alle probieren. Olja Schisimira, die Kellnerin, kann gar nicht sagen, was sie am meisten empfiehlt. „Ich habe den zweiten Gang probiert, der war sehr lecker, wie das genau hieß, habe ich mir leider nicht gemerkt.“ Angesichts der zahlreichen angebotenen Fleisch- und Bratengerichte der bayerischen Küche kann man da auch durcheinander kommen.

Viele Deutsche feiern zum ersten Mal in ihrer Wahlheimat Kasachstan das Oktoberfest. Für Hans Joachim Zinnkann, Projektmanager bei der gtz, ist es eine gelungene Veranstaltung. „Natürlich repräsentiert für mich das bayerische Brauchtum nicht das moderne Deutschland, aber darum geht es bei diesem Fest ja auch nicht. Es bietet eine gute Gelegenheit, sich in fröhlicher Atmosphäre auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.“ Bei so viel Fröhlichkeit würde sicher auch der ein oder andere Golfjunge gerne mitfeiern. Aber allzu viele sehnsüchtige Blicke auf die Feiernden sind nicht erlaubt, schließlich lassen sich auch in Kasachstan richtige Golfprofis bei einem wunderschönen Herbsttag auf dem Golfplatz nicht von einem Oktoberfest abhalten, ein paar Bälle zu schlagen.

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Umfrage: Wie gefällt Ihnen das Oktoberfest?

Farida Dingasajewa, Notarin:
Ich freue mich sehr, in Almaty das Oktoberfest zu feiern. Ich habe gute Freunde in München, denen kann ich jetzt erzählen, dass ich auch schon beim Oktoberfest war. Egal ob in Kasachstan oder Deutschland, ein Fest bedeutet für mich immer Frieden für die Seele. In Kasachstan gibt es auch die Tradition, ein Erntefest zu feiern, in einigen Dörfern auf dem Land kann man das noch beobachten.

Jelena Nabokowa und Andrej Passaschennikow, beide Schauspieler:
Wir sind Schaupieler und feiern alle deutschen Feste mit, wenn man uns einlädt; Weihnachten, Ostern oder Oktoberfest. Das Oktoberfest feiern wir jedes Mal bestimmt zehnmal in Hotels, Kneipen, Cafes und Bars. Der Golfclub mit den Bergen im Hintergrund ist natürlich ein besonders schöner Ort zum Feiern.

Bachyt Baibatschajew, Ingenieur bei „KAZ SEFF“ und Daniel Dusenbajew, Projektmanager bei „Kaz Stroy Service“:
Wir freuen uns, bei dem Oktoberfest dabei sein zu dürfen. Wir treffen unsere Geschäftspartner in lockerer Atmosphäre, unterhalten uns und trinken ein Bier zusammen. Was für uns noch typisch für das Oktoberfest ist? Die Volksmusik und die traditionellen Tänze und natürlich die Wurstspezialitäten aus Deutschland.

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Von Christine Karmann

02/10/09

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