Ihre letzte Ruhestätte haben 15 in Gefangenschaft verstorbene deutsche Soldaten auf dem Deutschen Soldatenfriedhof in Almaty gefunden. Die meisten starben nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1946, der jüngste Willy Witmaas mit 17 Jahren, der älteste Heinrich Jakob Eckert mit 54 Jahren. Am Volkstrauertag legten Mitarbeiter des deutschen Generalkonsulats einen Tannenzweigkranz am Gedenkstein nieder. Generalkonsul Gerold Amelung hielt eine bewegende Rede, in der er auch zum Afghanistankrieg und der Rolle des Auswärtigen Amtes in der Zeit der Nazi-Herrschaft Stellung nahm.

/Bild: Christine Karmann. ‚Letzte Ruhestätte.’/

Generalkonsul Gerold Amelung: „Es reicht nicht, uns der Toten zu erinnern“.

Im östlichen Teil des Zentralfriedhofes von Almaty liegt der Deutsche Soldatenfriedhof. 15 Gräber von deutschen Soldaten, die in Gefangenschaft gestorben sind, ein mannshoher Gedenkstein und eine Tafel mit den Namen der Gefallenen. Regelmäßig kümmern sich zwei Gärtner im Auftrag des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge um das Areal. Die weißen Kieselsteine sind erst im September auf die Gräber geschüttet worden und blitzen in der Novembersonne. Der Volkstrauertrag in diesem Jahr ist ungewöhnlich warm. Schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er als Gedenktag eingeführt.

„Es reicht nicht, uns der Toten zu erinnern. Wir werden den unzähligen Opfern nur gerecht, wenn wir uns immer wieder auch über die Ursachen klar werden, die dazu geführt haben, dass sie zu Opfern wurden“, sagt Generalkonsul Gerold Amelung in seiner Ansprache zum Volkstrauertag 2010. Knapp 30 Personen haben sich auf dem Soldatenfriedhof versammelt, um der Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft zu gedenken. Als Ursachen für Kriege nennt der Generalkonsul den ungezügelten Wettbewerb um Macht und Ressourcen, soziale Ungerechtigkeit und wirtschaftliche Not sowie Nationalismus, Rassismus und Fremdenhass.

Opfer der Kriege und Gewaltherrschaft

Kranzniederlegung auf dem Deutschen Soldatenfriedhof in Almaty.

Weil der Frieden in Deutschland wie fast überall in Europa eine Selbstverständlichkeit geworden sei, betont Gerold Amelung, wie wichtig es sei, sich auch auf dem Deutschen Soldatenfriedhof daran zu erinnern, „dass das Erreichte immer gefährdet ist“. „So zeigt uns die Entwicklung in Afghanistan, wie schnell sogar ein humanitärer Einsatz, der mit den besten Absichten begonnen wurde, fast unmerklich in einen Krieg übergehen kann, in dem wieder unschuldige Zivilisten getötet werden und Soldaten fern der Heimat fallen“, so der Generalkonsul. Die Studie über die Rolle des Auswärtigen Amtes in der Nazi-Herrschaft kommentiert er: „Sie hat erschreckend deutlich gemacht, das selbst die Diplomatie, deren vornehmste Aufgabe die Förderung der Völkerverständigung und die Bewahrung des Friedens sein sollte, in ein Instrument der Kriegsführung und der Terrorherrschaft umgewandelt werden kann.“

Auf die Ansprache folgt eine Schweigeminute. Dann spielt das Bläserensemble „Brass Quintett“ das Lied „Lobe den Herren“. Die Anwesenden legen Tannenzweige sowie weiß-, gelb- und rosafarbene Astern auf die Gräber. Am Gedenkstein lehnt der von Mitarbeitern des Generalkonsulats niedergelegte Tannenzweigkranz mit einer Schleife in den deutschen Nationalfarben.

Von Christine Karmann

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