Katharina Jendny

Ankunft in Almaty: Völlig übermüdet lande ich am vergangenen Sonntag am Flughafen und mache mich sogleich auf den Weg, mein Geld zu wechseln. Der Plan, selbstbewusst und nicht orientierungslos zu wirken, misslingt. Innerhalb einer Minute heftet sich ein Deutsch sprechender Mann an meine Fersen, fragt, ob ich ein Taxi benötige und begleitet mich zum Flughafenkiosk, um eine SIM-Karte für mein Handy zu besorgen. Ich bedanke mich und lehne sein Angebot ab.

Bereits in Deutschland hatte ich die Befürchtung gehegt, dass mich die 25 Minuten lang andauernde Fahrt zu meiner Unterkunft, teuer zu stehen kommen könnte. Zu meinem Unglück bleibt der nette Mann aber hartnäckig. Ich frage ihn, wieviel er denn verlange und willige bei dem angeblichen Preis von 1.000 Tenge ein. Der Mann ist charmant und witzig, erzählt von seiner Familie und von der Stadt. Als wir jedoch das Ziel erreichen, deutet er auf ein angebliches Taxameter und fordert 40.000 Tenge ein. Ich fange an, mit ihm zu diskutieren und erinnere ihn an die ausgemachten 1.000 Tenge. Er erwidert, dass er 1.000 Tenge pro 1.000 Meter gemeint habe. Die Situation überfordert mich. Dass er umgerechnet 100 Euro will, wird mir erst später bewusst.

Wie aus einem Horrorfilm: Katharinas Unterkunft für die kommenden Wochen.

Nicht einmal eine Stunde bin ich in Kasachstan, 40.000 Tenge ärmer, schon steht die nächste Katastrophe vor mir: meine Unterkunft. Verzweifelt und übermüdet, erreiche ich den Eingang, vor dem ein älterer Mann mit fehlenden Schneidezähnen sitzt, der mich an spricht. Als er merkt, dass ich ihn nicht verstehe, läuft er in den Keller des Gebäudes und zaubert einen englischsprechenden Mann hervor. Sie rufen meine Vermieterin an, tragen meinen Koffer und bieten mir Nahrung und einen Platz zum Ausruhen an. Es gibt sie also, die wirklich freundlichen Menschen.

Mein Zimmer ist einfach, aber ausreichend. Ich habe Gitter vor dem Fenster, die Lichtschalter sind überall in dem kleinen Raum verstreut, das Bett ist so hart, dass ich das Gefühl habe auf einem Holzbrett zu liegen, und die Toilette hängt schief. Klingt vielleicht nicht ausgesprochen gut, aber es ist sauber, warm und in seiner Spärlichkeit auch irgendwie gemütlich.

An diesem verregneten Tag erkunde ich die Stadt in der Hoffnung auf einen Lichtblick. Die Gehwege sind breit, die Parks saftig grün und die Stufen der Unterführungen entsprechen definitiv nicht der DIN-Norm. Dass ich meinen eigenen Stoffbeutel benutze, um Einkäufe einzupacken, wird seltsam beäugt. Auch wenn ich beim Bezahlen auf die Frage hin, ob ich es nicht passend hätte den Kopf schüttele, werde ich abermals gefragt. Der erste Tag an einem neuen Ort ist selten gut und so schlafe ich am Ende des Tages völlig übermüdet in meinem steinharten Bett ein.

Ein Flur, der nicht zum Verweilen einlädt.

Laut Google soll es an meinem zweiten Tag zwischen 16 und 21 Grad warm werden. Wie eine nichtsahnende Touristin schreite ich also mit Jeansjacke, Sommerschal und langer Hose von dannen. Nach wenigen Minuten gebe ich auf, packe die Jacke und den völlig überflüssigen Schal in den Rucksack und schleppe mich schwitzend den Weg den Berg hinauf. Ich bewundere die sauberen Straßen, die fleißig gekehrt wurden, die Menschenmassen, die sich zu Fuß auf ihren Weg machen sowie die Brunnen und Fontänen. Ich bemerke, dass die Menschen oft und gerne hupen, sehe drei Verkehrsunfälle, erkenne, dass Vordrängeln normal ist, und die Ampeln mir klar machen wollen, dass ich mich gefälligst beeilen soll. Am Abend wird die Stadt ruhiger, Kinder spielen zu meiner Verwunderung auch nach 20 Uhr noch auf dunklen Spielplätzen, die Frauen sind schön gekleidet, die Parks beleuchtet und jeder scheint die Schönheit des Ortes wertzuschätzen.

Der Möchtegern-Taxifahrer hat meinen ersten Eindruck dieser wundervollen Stadt durch seine Gier betrübt und ich hoffe, dass ihn das zu Unrecht kassierte Geld glücklich macht. Aus Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass das Karma immer zurückschlägt.

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