Das Gefühl, weniger zu schaffen, als man müsste oder sich vorgenommen hat, ist vielen Neuzeitmenschen vertraut. Woher kommt dieses Gefühl, und was kann man dagegen unternehmen?

/Bild: Kristina Ogonjanz. ‚Auch Kleinigkeiten gehören in den Terminkalender. Die Illusion, sie „zwischendurch“ erledigen zu können, führt oft zu Stress.’/

Hektik, „Rush hours”, keine Zeit. Es scheint, als wäre die ganze Welt gegen uns. Den Meisten wird das Problem des Zeitmangels bekannt vorkommen. Schon viele Erfindungen sind gemacht worden, um dieses Problem zu beheben. Autos, Flugzeuge, Telefon und Internet dienen vor allem einem einzigen Ziel – mehr Zeit übrig zu haben. Aber wenn wir die Situation im 18. Jahrhundert mit der jetzigen vergleichen, wird deutlich, dass die Menschen keine Zeit gewonnen, sondern eher verloren haben. Wo liegen die Wurzeln dieses Problems?

„Neue Erfindungen killen unsere Zeit“

„Ich habe nur 24 Stunden am Tag, aber ich bräuchte mehr. Vor kurzem habe ich mich entschieden, keine Zeit mehr für den Haushalt aufzuwenden. Aber es hilft nichts. Ich koche jetzt fast nie, kaufe nur Fertigprodukte, aber trotzdem habe ich zu wenig Zeit“, beschwert sich eine 45–jährige Ärztin.

Arbeitswissenschaftler Boris meint zu wissen, wodurch dieses Problem entsteht. „Neue Erfindungen killen unsere Zeit“, erklärt er. „In den neunziger Jahren habe ich mich mit diesem Problem intensiv beschäftigt. Ich arbeitete damals in einer Abteilung namens  „Wissenschaftliche Organisation der Arbeit“. Wir versuchten, optimale Methoden der Zeiteinsparung zu finden und diese in großen Staatsunternehmen einzuführen. Obwohl diese Methoden theoretisch perfekt hätten funktionieren müssen, nahmen sie in der Praxis wenig Einfluss auf die Arbeitskapazitäten. Wenig später habe ich verstanden, dass dies auf die neuen Technologien zurückzuführen ist. Erfindungen wie Handys und Internet geben uns das Gefühl, in einem kürzeren Zeitraum viel mehr schaffen zu können als früher möglich war. Dafür müsste man allerdings schon seine Zeitplanung anpassen.“

Denn neue Erfindungen verlocken den modernen Menschen, mehr auf sich zu nehmen als zeitlich möglich ist. Mit dem Auto kann man doch einfach mal schnell hin und her fahren, und die E-Mail kann man zwischendurch kurz schreiben. Aber gerade solche „Zwischendurch-Sachen“ führen oft dazu, dass einem die Zeit davonrennt. Und dann kommt es wieder auf die letzten Sekunden an. Jedoch lässt sich dieser Zeitverlust relativ einfach, ohne die Drehung der Erde anhalten zu müssen, vermeiden.

Mit Zeitplanung zum Erfolg

„Die Zeit richtig einzuteilen ist der erste Schritt zum Erfolg“, erzählt der 20-Jährige Student Odil, der sich selbst für einen Profi in Sachen Zeitplanung hält. „Bei Übungen zum Thema „Schritte zum Erfolg“ habe ich das erste Mal von Zeitplanung erfahren. Als ich es ausprobiert hatte, bemerkte ich, dass es tatsächlich etwas bringt. Wie jedem Studenten hat mir immer Zeit gefehlt für Hausarbeiten und Klausuren, obwohl ich nicht mal einen Nebenjob oder zusätzliche Stunden hatte. Die Ursache dafür lag aber in meinem Tagesablauf. Ich war nicht in der Lage, richtig abzuschätzen wie lange ich für etwas brauchen würde, gerade auch für Kleinigkeiten. Jetzt trage ich alles, was ich zu tun habe, nach Priorität in meinen Kalender ein.“
Das macht Odil nach einem bestimmten System: „Alles, was ich unbedingt an einem bestimmten Tag machen muss, bezeichne ich mit dem Buchstaben A. B heißt, dass etwas innerhalb von zwei bis drei Tagen zu erledigen ist, und eine Aufgabe mit dem Buchstaben C ist bis zum Wochenende zu erledigen. Sachen, die ich nicht am vorgesehenen Tag geschafft habe, verschiebe ich auf einen anderen. Sie bekommen dann aber die A-Priorität. So bekommt alles, was man zu tun hat, den richtigen Aufkleber. Damit entsteht auch mehr Ordnung im Kopf.“

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Tipps
1. In den Kalender sollte nicht nur das Wichtigste, wie etwa ein Staatsexamen oder ein Geschäftstermin eingetragen werden, sondern auch Kleinigkeiten wie der Kauf eines neuen Bleistiftes. Denn gerade diese Kleinigkeiten erweisen sich als Zeitfresser.
2. Markieren Sie nicht alles mit A. Man soll nicht mehr als vier Prioritäten am Tag haben, denn man kann einfach nicht alles gleichzeitig machen.
3. Seien Sie ehrlich mit sich selbst. Wenn Sie schon vermuten, etwas nicht bis zum vorgesehenen Zeitpunkt schaffen zu können, erlegen Sie sich das dann auch nicht auf.
4. Belohnen Sie sich selbst, wenn Sie die Zeitplanung eingehalten haben.

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Von Kristina Ogonjanz

20/03/09

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