Der 8. März und was von ihm übrig ist

Gesang zum 8.März. Doch immernoch ist die Selbstverwirklichung der Frau sekundär.
Gesang zum 8.März. Doch immernoch ist die Selbstverwirklichung der Frau sekundär. | Foto: Sobira Majidowa

Am 8. März feiern alle zentralasiatischen Länder den Internationalen Frauentag, den Tag der Ehre und des Respekts gegenüber Frauen. Auch Usbekistan führte den Tag nach seiner Unabhängigkeit als gesetzlichen Feiertag ein. Die naheliegende Frage ist, wie kam es eigentlich dazu, dass man genau diesen Tag als Frauentag feiert. Welche Bedeutung hatte der Tag in der Welt früher und heute in Usbekistan?

Die Geschichte des Internationalen Frauentags ist eigentlich mit den Kämpfen um Frauenrechte und Emanzipation verbunden und sollte die ersten Bewegungen der Frauen für ihre Rechte verewigen. Mittlerweile nicht belegbar und eher als Mythos gegen Sowjetpropaganda bekannt, soll beispielsweise der Streik der Textilarbeiterinnen am 8. März 1857 in New York als einer der Impulse gelten.

1Die Geschichte des Internationalen Frauentages

Die Idee des Internationalen Frauentages geht auf 1910 und eine Initiative von Clara Zetkin, deutsche sozialistische Friedensaktivisten, Frauenrechtlerin und später auch Reichstagabgeordnete in der Weimarer Republik, zurück. Die erste internationale Frauenkonferenz mit 100 Frauen aus 17 Nationen fand 10910 in Kopenhagen statt. Mit Kundgebungen in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA, wurde der erste Internationale Frauentag am 19. März 1911 begangen. Als Teil der Bewegung gilt auch die Frauendemonstration in Russland mit dem Motto „Brot und Frieden“ im Jahr 1917 am 8. März – nach dem alten russischen Kalender am 23. Februar, die die Februarrevolution auslöste. Erst 1921 wurde der Internationale Frauentag auf den 8. März festgelegt, und zwar auf der Zweiten Kommunistischen Frauenkonferenz.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion führte man den Internationale Frauentag in den zentralasiatischen Ländern weiterhin als Feiertag. Heute feiert man in den Ländern den Tag nicht nur, weil die Frauen für ihre Rechte gekämpft haben, sondern als Ehrentag für die Frauen. An diesem Tag wird die Frau bei zahlreichen offiziellen und privaten Veranstaltungen besprochen und besungen – wie lieb die Frauen seien, wie schrecklich das Leben ohne sie wäre. Vor allem die lieben Mütter werden verehrt und Frauen und Mädchen beschenkt . 2016 hat der turkmenische Präsident den Frauentag gar zum Anlass genommen, die Löhne und Renten aller Frauen um 40 Manat (etwa 10 Euro) zu erhöhen.

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2„Was ist eigentlich die Emanzipation?“

Bei der Entwicklung der rechtlichen Freiheit von Frauen spielt die Frauenbewegung – sogenannte Emanzipation – eine große Rolle. Was ist eigentlich die Emanzipation?
Das Wort „Emanzipation“ stammt aus dem Lateinischen „emancipatio“ und wird mit „Befreiung von Abhängigkeit“ oder „Freilassung eines Sklaven“ gedeutet. Allgemeine Ziele der Frauenemanzipation waren die Gleichberechtigung der Geschlechter, der Wandel der Geschlechterrollen und das Ende der Bevormundung. Im Ganzen spricht man bei der Frauenemanzipation von drei Wellen. Die erste Frauenemanzipation (19 bis 20. Jahrhundert) forderte allgemein das Recht auf Bildung, Erwerbstätigkeit, Frauenwahlrecht. Die zweite Emanzipation (ab 1960er) zielte auf einen allgemeinen gesellschaftlichen Wertewandel ab, trat der Gewalt an Frauen in der Familie entgegen, und setzte sich für die Möglichkeiten von Schwangerschaftsabbrüchen ein. In der dritten Welle( ab 1990er) greift der Kampf um Gleichberechtigung in alle Bereichen der Gesellschaft.

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3Frauen in Usbekistan

Laut Statistiken von 2016 sind 1131 Frauen in den Regierungsorganen tätig. 48 Abgeordnete im usbekischen Parlament (Oliy Majlis) sind Frauen. 332 Frauen sind Mitglieder politischer Parteien. In den letzten Jahren haben die Aktivitäten der Frauen in der Zivilgesellschaft fast verdoppelt, besonders bei den Nichtregierungsorganisationen.
Trotz dieser Zahl bleiben viel weniger Frauen als Männer ohne jegliche Ausbildung oder Qualifikation. Das hat seine gesellschaftlichen Gründe. In vielen Familien sind traditionelle Werte von Bedeutung. So sollen die Frauen sich um Familie und Kinder kümmern. Studium und Selbstverwirklichung sind dabei sekundär.
Darüber hinaus ist es ein Teufelskreis der Generationen. Kinder nehmen sich vor allem ein Vorbild an ihren Müttern. Die Töchter einer Mutter ohne Ausbildung träumen oft selbst von Familie und Kindern. Auch die Eltern wollen, dass ihre Töchter einen versorgenden Mann haben und sich um ihre Familie kümmern.
Am 8. März sind überall Menschen mit Blumensträußen zu sehen. Die politische Bedeutung des Tages ist in Usbekistan verlorengegangen. Er zählt als Tag der Ehre, besonders derjenigen der Mutter. An dem schönen usbekischen Frühlingstag dürfen Mütter, Töchter, Freundinnen und Frauen von den Männern mit Geschenken und Blumen ausgesöhnt werden.

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4Frauen in der Gesellschaft

Die erhöhte zivilgesellschaftliche und politische Aktivität der Frauen etabliert viele Vorteile – nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Bildung eines demokratischen und stabilen Staates. Gesamtgesellschaftliche Rollenbilder in der Familie können sich zum Beispiel ändern, weil Frau auch berufstätig sein darf und nicht allein für die Familie zuständig ist.