Ein Gedicht, gewidmet den Deutschen aus dem Kaukasus, Albert Germanowitsch und Teresa Teodorowna Runde. Diesen Brunnen hat mein Großvater 1941 nach der Deportation nach Nordkasachstan ausgehoben. Die Deutschen lebten dort bis 1990 – dann begann der Strom zurück in die historische Heimat, nach Deutschland. Nadja Runde / Deutsch: Eva Rönnau

So viele Kirschen! Welch ein Garten!
Das sah ich nirgends, weit und breit.
Wie der sich um den Brunnen schmiegte!
Das Wasser war kirschrot geweiht.

Und Tauben zogen ihre Kreise
Und drehten ihren Kopf dabei,
Als ob da über roten Beeren
Ein weißes Wolkenschlösschen sei.

Man hat den Brunnen an der Kette
Wie einen Löwen festgesetzt.
Die Menschen kamen in die Steppe,
Mit Wasser hat er sie benetzt.

Der Löwe ließ die Zähne knirschen.
Mit Eimern hat man ihn gebannt.
Er schenkte allen frisches Wasser
Und spritzte Silber auf die Hand.

Die Blätter wurden fahl und flogen
Und jedes Namen mit sich trug.
Sie hatten Wärme, hatten Kälte.
Und Wasser hatten sie genug.

Man wollte ihre Welt vernichten,
Doch Kirschsaft gor zu gutem Wein
Die Leute weinten oder lachten
und ließen Leben Leben sein.

Durch einen Zauberspiegel sah ich
Die ferne Welt, den fernen Ort.
Die rechte Zeit ist dann gekommen
Und führte mich vom Brunnen fort.

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