In der ersten Woche des neuen Jahres wartete die deutsche Presse schon mit einigen aufregenden Schlagzeilen auf. Es folgt ein Überblick über die jüngsten Skandale und Debatten der deutschen Medienlandschaft.

In den ersten Tagen des neuen Jahres dominierten die Meldungen über den Skiunfall des Formel-1-Stars Michael Schumacher die Schlagzeilen. Ebenso tauchten Meldungen über den Skiunfall der Bundeskanzlerin auf. Weitere Aufsehen erregende Schlagzeilen lieferte der Ex-Nationalspieler Thomas Hitzelsperger.

Eine ungeschminkte Kanzlerin

Ein Skiunfall, etwas, das auch jedem Medienkonsumenten passieren kann, ist ein gefundenes Fressen für den Sensationsjournalismus. Besonders, wenn es um Personen des öffentlichen Lebens wie Michael Schumacher oder gar die Bundeskanzlerin Angela Merkel geht. Die Informationen über den Sturz des Formel-1-Stars wurde sehr schnell zum Thema Nummer eins. Bei allem Bemühen, den Wissendurst der Leser und Zuschauer zu stillen, wurde auch Kritik an der ständigen Berichterstattung über den Zustand Schumachers geübt. So kommentiert Marc Röhling im Tagesspiegel, dass der Skiunfall, durch den der Formel-1-Weltmeister in Lebensgefahr steht, zu einem medialen Event von Beileidsbekundungen verkommen sei.

Zu dem Sturz der Kanzlerin bemerkt Wolfgang Lieb auf den „Nachdenkseiten“, dass die Bildzeitung der Kanzlerin weniger Platz einräumte als Schumacher, kein großes Porträt veröffentlichte, dafür mit einem Skelett den Anbruch des linken Beckenrings visualisierte. Ebenso tauchten Bilder der Kanzlerin in Skianzug auf. Die Berichterstattung über ihren Skiunfall drängte kurzzeitig die aktuellen politischen Debatten, zum Beispiel über die neue Arbeiterfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union. Es geht dabei um eine Debatte, die von der CSU ausgelöst wurde. Vor dem Hintergrund der am 1. Januar in Kraft getretenen Arbeitnehmerfreizügkeit, macht sie Stimmung gegen eine aus ihrer Sicht bevorstehende Armutszuwanderung von Arbeitnehmern aus Bulgarien und Rumänien. Laut „Süddeutsche Zeitung“ will die CSU Ausländern den Zugang zu Sozialleistungen erschweren.

Respekt demonstrieren

Doch der Mediendiskurs verbreitete in den ersten Januarwochen den nächsten Medienrummel: Gemeint sind nicht die Glückwünsche zum Coming-Out des Ex-Nationalspielers Thomas Hitzelsperger, sondern, dass er vor kurzem in der Zeitung „Zeit“ seine sexuelle Neigung verriet.  Während die Umweltministerin Barbara Hendricks, die Öffentlichkeit mit einem bescheidenen, unaufgeregten Nebensatz in der „Rheinischen Post“ davon in Kenntnis setzte, dass sie „Sylvester mit ihrer Lebenspartnerin verbringe“, bekannte sich Hitzelsperger mit einem bewussten Statement. Der Fußballer verband sein Bekenntnis direkt mit den Menschenrechtsbedingungen bei den Olympischen Spielen in Sotschi. Vor diesem Hintergrund wurde abermals Kritik an dem fulminanten Medienecho, das er auslöste, laut. Auf den „Nachdenkseiten“ kritisiert Albrecht Müller,  das Coming-Out als Instrumentalisierungskampagne und argumentiert, dass solche Nachrichten die Debatten über die Zuwanderung übertönen.

Sind wir wirklich tolerant?

Die Medienwelt jubelte über einen Tabubruch im Sport. Doch am selben Tag erschien in der „Zeit“ auch ein Artikel, der über eine Petition gegen den Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg berichtete. Dort kämpfen Lehrer und Eltern gegen einen Unterricht, der das Toleranzbewusstsein in gleicher Weise fördern soll, wie es die Gesellschaft bereits gegenüber behinderten Menschen, religiösen und ethnischen Gruppen fordert. Der Bildungsplan soll Schüler und Eltern auf einer sachlichen und alltagsbezogenen Ebene mit Themen wie Regenbogenfamilien und Homophobie konfrontieren.

Es geht dabei um die Vermittlung von grundlegenden Werten wie Respekt, Toleranz und Weltoffenheit. Laut  eines Artikels in der „Zeit“ haben mehr als 90.000 Menschen die von Experten als homophob eingestufte Petition bereits kurz nach deren Veröffentlichung unterschrieben.

Von Dominik Vorhölter

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