Destruktive Spiritualität des Westens oder Mangel an Ethik in der Schule

Unsere Autorin meint: Jugendliche sollen sich selbst ihre Meinung bilden können.
Unsere Autorin meint: Jugendliche sollen sich selbst ihre Meinung bilden können. | Quelle: Autorin

Usbekistan versucht seit seiner Unabhängigkeit die junge Generation mit der Liebe zu der Heimat, nationalem Stolz und der Treue zu den nationalen Traditionen zu erziehen. Das Ziel ist es, die Jugend von der destruktiven Spiritualität des Westens zu „retten“. Warum braucht ein Volk eine Identität, um sich zu definieren?

Trump sagt über den Brexit: „Die Leute, Länder brauchen ihre eigene Identität und Großbritannien will seine eigene Identität.“ Was „Identität“ bewirkt und wohin uns ein Übermaß an Nationalismus führt, hat uns die Geschichte gelehrt.

Ideologische Mauer

Die Mauer, die jetzt zwischen Amerika und Mexiko entsteht, gibt es in Usbekistan schon lange. Sie ist nur unsichtbar und hat andere Funktionen: die Bevölkerung soll ihre eigene Kultur bewahren, auch wenn Usbeken für fremde und als „aus dem Westen“ zählenden Kulturen offen sind. Die ideologische Mauer soll die Identität des Landes vor den fremden Kulturen bewahren.
Die junge Generation muss lernen, ihre eigene Meinung zu bilden und nicht alles anzunehmen, ohne es zu hinterfragen. SchülerInnen werden in den Schulen mit leeren Inhalten manipuliert. Zum Beispiel mit den Berichten, wie viele Möglichkeiten heute junge Menschen in Usbekistan haben, während mindestens die Hälfte der Brüder oder Väter der SchülerInnen in Russland arbeiten, um die Familie zu ernähren.

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Im Jahr 2016 wurde die usbekische Sängerin Lola Yuldaschewa kritisiert und von der nationalen Gesellschaft für Popmusik „Uzbeknova“ bestraft. Ihr Zertifikat, um ihre Songs zu veröffentlichen, wurde ungültig gemacht. Der Grund dafür ist, dass Sie mit zu knappem Kleid auf der Bühne aufgetreten sei. Das verstößt gegen die moralischen Regeln des Landes. Lola ist modern, selbstbewusst und mit ihrer Musik bei den jungen Usbeken sehr beliebt. Die Fans bewundern, dass Lola als einzige Sängerin sich nicht wie eine Puppe „von oben“ anziehen lässt, sondern selbst entscheidet.

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Einige Fans feiern sie schon als Symbol für Freiheit. Anders als Lola haben andere Prominenten, besonders Frauen, dem Druck nicht standgehalten. Auf einmal waren die nationalen Kleider wieder Mode, nicht weil sie sehr schön sind, sondern national. Die usbekischen Berühmtheiten hüllten sich in nationale Kleidung, nicht um einen guten Eindruck bei der Bevölkerung sondern bei „Uzbeknova“ zu gewinnen.
Tabu-Themen sollen weder im Fernsehen noch in den Büchern auftauchen. Mittlerweile hat es sich so verstärkt, dass die usbekischen Leser die weltberühmten Bücher auf Usbekisch nicht lesen können, weil die Übersetzungen vor der Tür des Verlags zurückgewiesen werden. Warum? Die Inhalte passen nicht zum kulturellen Geist.

Jugend muss atmen

Die sich für usbekische Spiritualität „Engagierenden“ übersehen, dass dadurch bei den jungen Menschen das Interesse an Neuem wächst. Auch wenn ihnen alles verboten wird, was aus fremder Kultur stammt.

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Sollen die Jugendlichen von allen Seiten eingemauert werden, wie ein Roboter behandelt werden und dadurch lernen, was wahr und was nicht wahr ist? Wie können sie eine eigene Meinung von geprägten Ideen bilden? Soll man sich wundern, wenn es einer Frau vorgeworfen wird, ihre Grenzen nicht zu kennen, die einen Russen heiraten möchte? Worin liegt das Problem: an der Frau oder an der manipulierten Ideologie der Generation.

Marta Ismailowa