Die Erhaltung der deutschen Sprache, mögliche Visaerleichterungen und die Entwicklung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit diskutierten die Teilnehmer der 16. Sitzung der Deutsch-Kasachischen Regierungskommission, die am 28. Juni in Berlin stattfand. Die Sitzung bestätigte erneut das gegenseitige Vertrauen und den langfristigen Charakter der Deutsch-Kasachischen Beziehungen.

Geleitet wurde die Regierungskommission von Bernd Fabritius, der seit April Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten ist, sowie vom  Vize-Außenminister Ksachstans, Roman Wassilenko. Fabritius bestätigte die Bereitschaft der deutschen Bundesregierung, auch weiterhin die deutsche Minderheit in Kasachstan zu unterstützen. Zur Förderung kultureller und humanitärer Projekte plane die deutsche Seite deshalb, 2018 die finanziellen Mittel auf jährlich 2,4 Millionen Euro zu erhöhen.

Wassilenko betonte die einzigartige Beziehung zwischen Deutschland und Kasachstan sowie die Rolle der  Kasachstandeutschen in beiden Ländern, die eine „lebendige Brücke“ seien. „Wir freuen uns auf die aktive Entwicklung der bilateralen Beziehungen unserer Länder“, sagte er. Mehr als 800.000 Kasachstandeutsche leben in Deutschland und etwa 180.000 ethnische Deutsche in Kasachstan. Somit machen sie beiden Staaten jeweils circa ein Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Es gibt einen regen Austausch zwischen beiden Gruppen in Kultur und Wirtschaft sowie im Jugendbereich. Ein Anliegen der Regierungskommission ist es, dass die Deutschen in Kasachstan ihre nationale Identität erhalten können.

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Eine der wichtigsten Fragen, die auf der Tagesordnung stand, war daher die Erhaltung und Entwicklung der deutschen Sprache in Kasachstan. Fabritius sagte zu, dass Deutschland weiterhin Sprachkurse, Sprachakademien und -lager fördern werde. Viel wichtiger sei es jedoch, dass Deutsch an den Schulen wieder eine größere Rolle spielt, mahnte er. Trotz kleinerer Fortschritte mangelt es an qualifizierten Deutschlehrern, modernem Lehrmaterial und entsprechenden Unterrichtstechniken in Kasachstan.

Der Vorsitzende der Vereinigung der Deutschen Kasachstans, Albert Rau, erklärte wie mühsam die Wiederbelebung der deutschen Sprache in Kasachstan sei: „Wir stehen vor einer schwierigen Phase. Zuerst müssen wir das Problem mit dem Lehrpersonal lösen. Hierfür stehen ab September 70 Stipendien für Studenten der deutschen Sprache zur Verfügung, 20 von Seiten der Wiedergeburt, finanziert vom Bundesinnenministerium, und 50 vom kasachischen Bildungsministerium.“ Ob diese angesichts schlechter Bewerberlage ausgeschöpft werden, ist fraglich.

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Ein weiterer Punkt in den Gesprächen war die Visafrage. „Seit Januar 2017 hat Kasachstan einseitig die Visa-Pflicht für Bürger von 45 Ländern der Welt, darunter Deutschland, abgeschafft“, so Wassilenko. Er gab zu Bedenken, dass Menschen aus Deutschland nach Kasachstan reisen und positive Impulse mitbringen. Umgekehrt seien positive Effekte denkbar, wenn die Visa-Regelungen für kasachstanische Staatsbürger vereinfacht werden. Rau fügte hinzu, dass vor allem für die Kasachstandeutschen, die Verwandte in Deutschland haben, eine erleichterte Einreise wünschenswert sei.

Zum ersten Mal nahm auch eine Vertreterin des Bundeslandwirtschaftsministeriums an der Regierungskommissionssitzung teil. Die Agrarindustrie spielt in den deutsch-kasachischen Wirtschaftsbeziehungen eine besondere Rolle, wie auch das Projekt „Agrarpolitischer Dialog“ und das Deutsche Agrarzentrum zeigen. Viele landwirtschaftliche Unternehmer in dem zentralasiatischen Land sind Kasachstandeutsche. Im Herbst dieses Jahres ist eine von Deutschland und Kasachstan organisierte Agrarkonferenz geplant. Am Ende der Sitzung der Regierungskommission folgte die traditionelle Unterzeichnung eines Kommuniqués, in dem die wichtigsten der besprochenen Punkte schriftlich festgehalten sind.

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Übersetzt und gekürzt von Othmara Glas. Eine längere Version des Textes finden Sie hier: 

Межправительственная комиссия по вопросам этнических немцев

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