Zahlreiche Studenten Almatys lernen fleißig Deutsch. An Hochschulen wie der Abai-Universität oder der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU) gibt es vielseitige Angebote. Eine Gelegenheit, dass Gelernte in der Praxis anzuwenden, ergab sich beim Besuch einer Gruppe deutscher Studenten aus Rostock. Einladung zum Kaffeeplausch.

Vor den Türen der DKU blitzt und donnert es gewaltig an diesem Mittwochnachmittag. Reizend hingegen ist der für die Studenten aus Deutschland und Kasachstan hergerichtete Seminarraum der DKU. Kekse, Obstberge, Kaffee und Tee stehen bereit zur Verköstigung. Die Umgebung lädt zum Gespräch ein – hierfür sind einige Studenten der Abai-Universität und der DKU selbst, sowie zwölf Studenten und ihre drei Dozenten aus Rostock gekommen.

Leiter des Informationszentrums des DAAD und Lektor der Abai-Universität, Bartholomäus Minkowski, begrüßt zu der vom DAAD maßgeblich mitorganisierten Veranstaltung. Minkowski betont, dass gerade für seine Studierenden der Abai-Universität nicht allzu oft die Ehre bestünde, so viele Gäste aus Deutschland zu haben. Daraufhin gibt er den Impuls für den Nachmittag, lebhafte Gespräche über Gott und die Welt zu führen und den kasachischen Studierenden Fragen über Land und Leute zu stellen.

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Studienreise nach Kasachstan

Die Möglichkeit für eine Studienreise der Rostocker nach Kasachstan liegt in den Fördermitteln, die dank einer Wohnsitzgeldprämie der Fakultät zur Verfügung standen. Auf eine Ausschreibung hin konnten sich die Teilnehmenden bewerben. Die Reise der Rostocker hat aufgrund ihres Studiums einen sonderpädagogischen Schwerpunkt. Die Woche in Kasachstan enthält somit einige Programmpunkte, wie den Besuch eines Sonderschulinternats für Kinder und Jugendliche mit Hörbehinderung oder des nationalen wissenschaftlich-praktischen Zentrums der Sonderpädagogik. Dabei erkunden die angehenden Sonderpädagogen nicht nur Almaty, sondern auch Astana. Das Treffen mit den kasachischen Studenten ist ebenso Teil der Reise, die nicht zuletzt auch einen Beitrag zur deutsch-kasachischen Beziehung auf studentischer Ebene leistet.

Reger Austauch zwischen deutschen und kasachstanischen Akademikern. | Foto: Autorin

Bevor rege Unterhaltungen losgehen, meldet sich Markus Kaiser, Präsident der DKU, zu Wort. Kaiser stellt die Universität vor und geht zugleich auf die Bedeutung des Lernens der deutschen Sprache ein. Dabei erklärt er das System, wie die Studenten während ihrer Studienzeit Deutsch lernen. In den ersten zwei Jahren des Bachelors lernen die Studierenden parallel zu ihren Kursen, die noch auf Russisch abgehalten werden, Deutsch. Im dritten Studienjahr werden die Seminare auf Deutsch abgehalten, wobei danach die Möglichkeit zur Bewerbung für ein Stipendium im Ausland besteht.

Neben den Chancen, die der Deutschunterricht bietet, verweist Kaiser auf das Problem der Drei-Sprachen-Politik in Kasachstan, welche die deutsche Sprache exkludiert. Russisch, Kasachisch und Englisch seien so im Fokus, was es für die Vermittlung und Relevanz der deutschen Sprache schwerer mache.

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Kulturschock: Kasachischer Verkehr und Kurt essen

Thorsten Kaesler, Lektor an der Al Farabi-Universität, stößt durch ein Kennenlernspiel Konversationen an. Schnell wird der Raum von Gesprächen erfüllt. Es wird über Hobbys, Sport, Weihnachten und Interessen gesprochen. Im Anschluss folgt eine Präsentation von Ina, einer Studentin der DKU. Sie referiert auf Deutsch über Kasachstan und gibt allgemeine Informationen zum Land. Daraufhin sind die kasachischen Studenten angeregt, den Rostockern Tipps zu den besten Sehenswürdigkeiten zu geben. Die Deutschen staunen nicht schlecht, als von der höchstgelegensten Eislaufbahn der Welt am Medeo berichtet wird – insbesondere als sie erfahren, dass eine Busfahrt von Almaty aus gerademal 150 Tenge kostet.

Der dynamische Dialog mit kasachischen Studierenden unterstreicht die Relevanz der interkulturellen Begegnung. An diesem Nachmittag können einige Fragen geklärt und kuriose Erfahrungen ausgetauscht werden.

„Hattet ihr hier einen Kulturschock?“, möchte eine Abai-Studentin wissen. Prompt kommt einstimmig die Antwort der Rostocker: „Wie die Autos hier fahren ist schon ein Schock.“ Ein weiterer Einwurf folgt: „Kurt essen!“ Der salzige Snack aus luftgetrocknetem Quark scheint so manchen mitgenommen zu haben. „Mögt ihr Kurt?“, fragt einer der Rostocker in die Runde. Die kasachischen Studenten bejahen und ergänzen, dass jeder Kasache seinen Kurt liebe. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, in dieser Runde verweilen die Studenten jedoch gemeinsam in Harmonie.

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