Sie kommen als Austauschstudenten, Freiwillige, Sprachassistenten oder Praktikanten. Was zieht junge Deutsche nach Kasachstan? In einer losen Reihe stellen wir einige von ihnen vor, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Alexander Großer war für ein dreimonatiges Praktikum an der Deutschen Botschaft in Astana. Der 23-Jährige stammt ursprünglich aus Zittau in Sachsen und ist als Sohn eines deutschen Vaters und einer russischen Mutter mit beiden Kulturen aufgewachsen. Wir haben Alexander in Almaty getroffen und mit ihm über seine Erfahrungen gesprochen.

Was waren deine Aufgaben in der Botschaft?

Die Aufgaben waren sehr vielfältig. Hauptsächlich war ich aber für Politik, Kultur und Presse zuständig. Während der Fußballweltmeisterschaft haben wir Public Viewings organisiert. Anfang Juni war nicht nur der 20. Geburtstag der Hauptstadt, sondern auch die Eröffnung des Astana International Financial Centers. In diesem Rahmen fanden viele Konferenzen zur sogenannten Seidenstraßeninitiative statt, an welchen ich teilgenommen und zu denen ich Vermerke geschrieben habe. Außerdem habe ich die Visaabteilung bei der Ausstellung von Visa unterstützt.

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Wieso hast du dir Kasachstan für dein Praktikum ausgesucht?

Ich wollte in ein postsowjetisches Land. Für ein Praktikum beim Auswärtigen Amt kann man zehn Standorte angeben. Ich habe mich hauptsächlich für russische Städte beworben, aber auch auf Praktikumsstellen in der Ukraine, Belarus und Kasachstan. Die Botschaft in Astana hat sich zuerst gemeldet, und ich dachte: „Cool, da komme ich sonst nie wieder hin“ (lacht).

Wie blickst du auf die vergangenen Monate?

Ich war sehr positiv überrascht. Einerseits merkt man, dass Kasachstan durch die sowjetische Geschichte kulturell und traditionell noch stark mit Russland verbunden ist. Dadurch habe ich mich hier schnell wohl gefühlt; vieles kam mir bekannt vor. Andererseits hat mich Astana beeindruckt: Was sie da mitten in die Steppe gebaut und in Infrastruktur investiert haben, ist einfach Wahnsinn. Im Vergleich dazu ist Almaty allerdings eine richtige Großstadt. Man fühlt sich fast wie in Europa.

Die Botschaft arbeitet viel mit den Kasachstandeutschen zusammen. Welchen Eindruck hast du von der deutschen Minderheit?

Ich habe einige Deutsche kennengelernt. Einer hat mich besonders beeindruckt, weil er sehr gut Deutsch spricht. Ihm hat man nicht angehört, dass er in Kasachstan aufgewachsen ist und nur drei Jahre in Deutschland war. Ich denke, dass der Wunsch, deutsch zu sein, mehr von den Leuten selbst kommen muss.

Wenn nur die Hälfte der deutschen Minderheit so wäre wie er, dann wäre es eine Minderheit, die auch stark mit der heutigen deutschen Kultur verbunden ist. Ich musste jedoch leider feststellen, dass die Sprache nicht gelernt wird. Man fühlt sich zwar irgendwie deutsch, aber für mich wird das auch über die Sprache und die Verbundenheit zur Kultur, zu deutschen Traditionen definiert. Und die besteht nicht nur aus Dirndl. Dirndl ist Bayern, Deutschland aber ist vielfältig.

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Was wird dir besonders in Erinnerung bleiben?

In Erinnerung bleiben immer die Menschen. Ich hatte wirklich Glück mit meinen Kollegen. Wir haben auch mal in der Freizeit etwas zusammen unternommen, sind zum Beispiel nach Borowoje gefahren. Die Botschaft selbst ist nicht zu groß, man konnte sich schnell vernetzen. Auch über die Uni habe ich Leute kennengelernt, die in Astana wohnen. Sie haben mir ihren Blickwinkel auf Astana gezeigt. Das ist es, was mir am besten gefallen hat: Zu sehen, wie die Leute hier über ihr Land, über Europa und die Welt denken.

Was steht als Nächstes für dich an?

Ich studiere Management in einem Doppel-Master in Paris und Moskau. Das erste Jahr in Paris habe ich bereits abgeschlossen. Nun folgt das zweite an der Higher School of Economics. Danach geht es für mich zurück nach Deutschland, um in einem Unternehmen im Bereich Flugzeugbau zu arbeiten.

Willst du noch einmal nach Kasachstan kommen?

Gern, vielleicht von Moskau aus. Ich würde gern Almaty im Winter sehen und in den Bergen Ski fahren.

Das Interview führte Othmara Glas.

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