Seit heute gibt es auch in Zentralasien bestätigte Fälle von Coronavirus. Die Verantwortlichen in Kasachstan, das am Nachmittag zwei Infizierte meldete, haben die Bevölkerung schon vor Tagen darauf vorbereitet. In Nur-Sultan und den anderen Hauptstädten der Region wurden in dieser Woche zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um einem Ausbruch des Virus entgegenzuwirken.

Schandarbek Bekschin hat Recht behalten: Vor drei Tagen verkündete Kasachstans oberster Hygienearzt eine Prognose, wonach zwischen dem 11. und 16. März mit einem Auftreten des Coronavirus in Kasachstan zu rechnen sei. Am heutigen Freitag wurden dann erstmals zwei kasachische Staatsbürger in Almaty positiv auf das Virus getestet. Es sind gleichzeitig die ersten beiden offiziell bestätigten Fälle von Corona-Infektionen in Zentralasien.

Laut Gesundheitsminister Jerlan Birtanow handelt es sich bei den beiden Betroffenen um einen Mann und eine Frau, die am 9. bzw. 12. März aus Deutschland eingereist waren. Die Patienten seien in gutem Zustand, bei beiden gebe es keine klinischen Symptome.

Birtanow zufolge waren beide mit dem Flugzeug nach Kasachstan eingereist. Im Falle des ersten Patienten seien 73 Passagiere mit an Bord gewesen, die inzwischen ausfindig gemacht wurden und nun isoliert und unter Quarantäne gestellt würden. Die Passagiere des zweiten Fluges seien mit der Besatzung bereits nach der Landung in Almaty unter Quarantäne gestellt worden.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in Kasachstan und Zentralasien zahlreiche Ereignisse und Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Virus gegeben, nachdem die Weltgesundheitsorganisation erstmals von einer „Pandemie“ sprach. Ein kurzer Überblick:

Kasachstan

Am Donnerstag gab Präsident Kassym-Schomart ToKajew bekannt, dass die Regierung besondere Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus einleitet. Die Hauptsache sei der Gesundheitsschutz und die Sicherheit Kasachstans.

Öffentliche Veranstaltungen werden in Kasachstan abgesagt. Auch das große muslimische Frühlingsfest Nouruz, das in ganz Zentralasien gefeiert wird, muss hierzulande auf seine traditionellen Großveranstaltungen verzichten. Zudem hat Präsident Tokajew die Militärparade zum 75. Jahrestag des Kriegsendes abgesagt.

Es wird empfohlen, Jubiläen und Hochzeitsfeiern zu verschieben und in einem kleineren Rahmen zu feiern. Sowohl Kultur- als auch Sportveranstaltungen sowie Konferenzen werden abgesagt oder verschoben.

Weiterhin ist der Entschluss gefasst worden, alle Schüler eine Woche früher als üblich in die Schulferien zu schicken. Die Ferien werden nun vom 16. März bis zum 5. April dauern, geplant waren ursprünglich Ferien vom 21. März bis zum 2. April. Von einer Schließung der Kindergärten ist nicht die Rede. Die Colleges und Universitäten werden ab dem 16. März auf Fernunterricht umgestellt. Dies wurde bei einem Briefing vom stellvertretenden Ministerpräsidenten Jerali Tugschanow im Zentralen Kommunikationsdienst bekannt gegeben.

Kasachstan hat inzwischen auch die Zahl der Flüge in elf Staaten verringert. Air Astana und SCAT werden nach eigenen Angaben aber zunächst weiterhin Ziele in Deutschland und dem restlichen Europa anfliegen. Laut dem stellvertretenden Minister für Industrie und Infrastrukturentwicklung Berik Kamalijew soll die Zahl der Flüge auf der Strecke Nur-Sultan – Frankfurt von 5 auf 2 reduziert werden, von Atirau und Uralsk soll es pro Woche nur noch einen Flug geben. Die Flüge in die Niederlande, nach Großbritannien, in die Vereinigten Arabischen Emirate und in die Türkei werden ebenfalls reduziert. SCAT fliegt nur noch einmal die Woche nach Prag (zuvor zweimal). Nach einer Entscheidung der Mongolei werden Flüge von Almaty nach Ulan-Bator bis 30. April ganz eingestellt.

Die deutsche Lufthansa hat am 11. März Flüge nach Kasachstan zunächst für den Zeitraum bis 24. April eingestellt.

Am 9. März wurde mit Wirkung zum 12. März ein Einreiseverbot für Reisende aus Deutschland, Frankreich und Spanien verhängt, das zuvor schon für Reisende aus China, Südkorea, Iran und Italien galt.

Kirgisistan

In Kirgisistan sind am Freitag nach einem Arbeitsbesuch in Berlin zwei Abgeordnete des Parlaments unter Quarantäne gestellt worden. Betroffen sind die stellvertretende Parlamentssprecherin Aida Kasimalijewa und der Abgeordnete Abdibek Djuschalijew von der zweitgrößten Parlamentsfraktion „Republik – Vaterland“. Beide dürfen ihren Wohnort für 14 Tage nicht verlassen.

Ähnlich wie in Kasachstan existiert auch im Nachbarland eine Liste, in denen vom Coronavirus betroffene Staaten nach dem Ausmaß des Ausbruchs in drei Kategorien eingeteilt werden. Am 12. März wurde Deutschland in die erste Kategorie der besonders schwer betroffenen Länder eingeordnet. Für ausländische Reisende, die sich in den letzten 30 Tagen in Deutschland aufgehalten haben, bedeutet dies ein Eireiseverbot nach Kirgisistan, für kirgisische Staatsbürger eine 14-tägige häusliche Quarantäne. Alle Ausländer, die sich in den Ländern der ersten Kategorie nicht aufgehalten haben, dürfen einreisen, müssen sich aber einer gesundheitlichen Überprüfung unterziehen.

Die kirgisische Regierung hat zudem ebenfalls die Durchführung von Großveranstaltungen eingeschränkt. Betroffen ist wie in Kasachstan das Nouruz-Fest, das ohne Konzertprogramm und die traditionellen Pferdesportturniere auskommen muss.

Unmittelbar vor Beginn ist am Mittwoch in Bischkek eine Pressekonferenz unter dem Titel „WHO erklärt Coronavirus zur Pandemie. Welche Maßnahmen die Staatsorgane Kirgisistans ergreifen“ abgesagt worden. Dort sollten eigentlich die Vertreter von Gesundheits- und Wirtschaftsministerium sowie der WHO sprechen. Gründe für die Absage wurden nicht genannt. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Altinaj Omurbekowa sagte dem Medium Sputnik Kasachstan, es gebe keinen Grund, „negative Gründe in der Absage zu suchen“.

Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan

Usbekistan reagiert ebenfalls mit der Absage von Großveranstaltungen auf die weltweite Corona-Bedrohung – etwa der Tourismus-Woche, die als Festival vom 12. Bis 16. März hätte stattfinden sollen. Schon zuvor wurden sämtliche internationale Veranstaltungen und Sportturniere auf usbekischem Boden abgesagt.

Der usbekische Gesundheitsminister Alischer Schadmanow sieht sein Land gerüstet für einen möglichen Ausbruch des Virus und versprach während einer Pressekonferenz am Dienstag, dass für einen solchen Fall genügend Medikamente und künstliche Beatmungsgeräte zur Verfügung stünden. Er betonte zugleich, dass Gerüchte, wonach die Regierung Corona-Fälle in dem offiziell coronafreien Land verschweige, gefährlicher seien als das Virus selbst.

Tadschikistan reagiert auf die Corona-Gefahr, indem es seine Migrationspolizei angewiesen hat, keine Arbeitserlaubnisse mehr für Bürger von Ländern mit Corona-Fällen auszustellen. Grundlage ist eine Entscheidung des Stabs zur Bekämpfung der Ausbreitung des Virus, angesiedelt beim Ministerium für Arbeit, Migration und Beschäftigung. Betroffen sind vor allem Chinesen, in den letzten Jahren die überwältigende Mehrheit der Empfänger solcher Genehmigungen.

Laut dem Nachrichtenmagazin „Chronika Turkmenistana“ hat die Fluggesellschaft „Turkmenistan Airlines“ den Verkauf von Tickets an Ausländer zum 12. März eingestellt. Laut Medienberichten können Ausländer mit Visa für Turkmenistan weiterhin mit ausländischen Fluglinien einreisen, allerdings erfolgt für sie die Landung nicht in der Hauptstadt Aschgabat, sondern in Turkmenabat, wo sie sich einer mehrstündigen Untersuchung unterziehen müssten. Reisende, die aus einem corona-betroffenen Land kämen, müssten sich einer 28-tägigen Quarantäne unterziehen, informiert etwa die Seite der französischen Botschaft.

rrb./prok./cstr.

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