Selbstsicher und betont lässig sitzt Axel Reinemer in den Sitzkissen der glamourösen Vorhalle im zweiten Stock der Almaty Towers. Er ist zuständig für Aufnahme und Remixing bei „Jazzanova“, einem sechsköpfigen Ensemble aus Berlin, das elektronische Clubsounds mit Live-Musik verbindet. Mit DJ Alex Barck und vier Live-Musikern ist er Ende September zum Jazzystan-Festival angereist, das erst das zweite Jahr in Almaty stattfindet und von den Veranstaltern als „ohne Übertreibung eines der wichtigsten Events in Zentralasien“ angekündigt wurde.

/Bild: Julia Burkhart. ‚„Can you hear me?“ Jazzanova ist zurzeit mit Sänger Paul Randolph aus Detroit weltweit unterwegs.’/

Wie ist das Ensemble Jazzanova entstanden?

„Wir kannten das Festival nicht“ – Producer Axel Reinemer beim Interview.

Stefan und ich kennen uns seit der Kindheit und haben zusammen Hörspiele mit Effekten auf Kassette aufgenommen. Irgendwann haben wir dann versucht, Musik zu machen und haben mit deutschem Hiphop angefangen. Wir haben uns Schallplatten angehört und wenn uns eine Stelle gefallen hat, haben wir sie rausgeschnitten und mit anderen Songs vermischt. Jazzanova waren ursprünglich nur Claas und Jürgen, dann kamen Stefan und ich dazu.

Wie ging es dann weiter?

Gilles Peterson, Radio-DJ bei BBC und Meinungsmacher in der Szene, hat zwei von unseren Stücken im Radio gespielt, uns quasi entdeckt. Dadurch wurden wir schnell bekannt und haben uns in der Szene einen Namen gemacht, haben ein eigenes Plattenlabel gegründet und Compilations aufgenommen.

Wie kamt ihr von Hiphop zu Jazz?

Am Anfang waren wir ziemlich elektronisch, das heißt, wir haben nur mit Samples aus anderen Stücken gearbeitet. Wir haben uns aber schon immer für Jazz und Soul interessiert. Anscheinend haben wir unbewusst „NuJazz“ mitbegründet, ein Stil, der Jazz mit elektronischer Musik verbindet. Aber mit NuJazz verbinde ich persönlich Musik, die in Hotellobbys gespielt wird, Musik ohne Bedeutung. Wir machen aber nicht nur Jazz, wir mischen das, was uns gefällt: Latinoklänge, Rockelemente, House und Funk. Oder brasilianische Klänge, die wir zum Beispiel mit Bongos und Congas erzeugen.

Welche Bedeutung haben eure Songs denn?

Die Aussagen sind von Stück zu Stück verschieden. Die Sänger, mit denen wir zusammenarbeiten, schreiben ihre Texte oft selber. Ihre Themen gehen in total verschiedene Richtungen und Zeiten. Aussagen können aber auch musikalischer Art sein: Wir hatten zum Beispiel ein opulentes Soulstück mit Harfen und Chören. Es war sehr vollgepackt, sehr detailreich und musikalisch in den 70ern anzusiedeln.

Wie hat sich Jazzanova in dreizehn Jahren verändert?

Wir haben uns schon immer bemüht, organisch zu klingen, das heißt, Schlagzeug sollte so klingen wie ein echtes Schlagzeug. Früher haben wir dafür Sachen von anderen Schallplatten benutzt, sprich, Samples, heute können wir selbst Instrumente spielen.

Interview: Julia Burkhart

Jazzanova – das 1996 gegründete, sechsköpfige DJ- und Produzentenkollektiv aus Berlin gehört weltweit zu den gefeierten Innovatoren im Dancefloor, NuJazz, Broken Beat, modernen Folk und Soul. Mehr als 60 Auftritte weltweit hatte das kreative Ensemble, bestehend aus Alexander Barck, Jürgen von Knoblauch, Class Brieler, Roskow Kretschmann, Stefan Leisering und Axel Reinemer im letzten Jahr – teilweise waren es eigene Gigs, teilweise spielten sie auf großen Festivals. Jazzanova arbeiten zusammen mit verschiedenen Musikern und Sängern aus aller Welt. Das Jazzystan-Festival 2010 leitete DJ Alex Barck ein, bevor Axel Reinemer mit Live-Band loslegte, zu der dieses Mal ein Drummer, zwei Gitarristen, ein Saxophonist, ein Posaunist, ein Keyboarder und Sänger Paul Randolph aus Detroit gehörten. Neben zahlreichen Compilations mit Remixen haben die Berliner zwei eigene Alben herausgebracht, „In Between“ (2000) und „Of All The Things“ (2008).

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