Rund um den Globus verlassen täglich Menschen ihre Heimat, um in einem anderen Land Arbeit und Geld zu suchen. Mindestens drei Prozent der Weltbevölkerung leben nicht in ihrem Heimatland, so die Schätzung der Vereinten Nationen. Neben Leuten, die wegen widriger politischer und wirtschaftlicher Umstände aus ihrer Heimat flüchten mussten, sind dies Personen, die bewusst den Weg ins Ausland gegangen sind. Diese überwiegen mittlerweile deutlich die Zahl der Flüchtlinge.

In vielen Ländern, darunter auch in Deutschland, Russland und Kasachstan, gibt es tiefwurzelnde Vorbehalte gegen solche Arbeitsimigranten. Es ist oft die Rede davon, dass letztere den Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen. Für manche Bevölkerungsteile sind „die Ausländer“ ein willkommener Prellbock, um vom eigenen Nichtwollen oder auch Versagen auf dem Arbeitsmarkt abzulenken. Im Ergebnis verfügt zum Beispiel Deutschland nach wie vor über ein wenig modernes Einwanderungsgesetz.

Andere Länder sind da viel weiter und werben zielgerichtet Ausländer an. In der Praxis ist Deutschland längst ein Einwanderungsland. Im Unterschied zum Beispiel zu Australien und Kanada erfolgt die Einwanderung nach Deutschland jedoch wenig gesteuert, so dass überwiegend weniger Qualifizierte kommen. Die meisten Einwanderer bleiben jedoch nicht ihr ganzes Leben in dem Land, in das sie eingewandert sind, sondern gehen nach drei bis vier Jahren zurück in ihr Heimatland, reicher an allgemeinen und auch speziellen beruflichen Erfahrungen. Hinzu kommt noch das Können einer neuen Fremdsprache.

In letzter Zeit hat sich die wirtschaftswissenschaftliche Forschung dem Thema Immigration ziemlich intensiv zugewendet und ist dabei zu einer Reihe interessanter Ergebnisse gekommen. Diese lassen sich so zusammenfassen: Die negativen Folgen von Migration werden meist überschätzt. Einwanderungsländer können von Migranten sehr stark profitieren. Zuwanderer – das sind vor allem mobile Arbeitskräfte, die Wissen verbreiten und die globalen Arbeitsmärkte flexibler machen. Wenn sich Arbeiter grenzüberschreitend auf die passenden Arbeitsplätze verteilen können, erhöht das die Gesamteffizienz und sorgt für wachsenden Wohlstand. Nachgewiesen ist mittlerweile, dass Länder mit geringen Einwanderungsquoten eher Wettbewerbsnachteile haben.

In einer offenen Welt gewinnt eher das Unternehmen, das sich mit seinen Erzeugnissen und Leistungen auf die Spezifik der wachstumsstarken Auslandsmärkte einstellt. Und das können nun einmal Leute, die aus diesen Ländern stammen, wesentlich besser, als jemand, der nie sein Heimatland verlassen hat und das Zielland des Exports bestenfalls als Urlauber kennt. Wie will ein konservativer Deutscher, vielleicht noch mit Vorurteilen gegen Ausländer, den chinesischen oder indischen Markt verstehen? Das ist hoffnungslos. Deshalb ist es normal und wünschenswert, dass in den Unternehmen Leute aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen miteinander arbeiten, auch wenn es nicht immer einfach ist, kulturelles und sonstiges Anderssein zu tolerieren.

Aufgeschlossenheit von Menschen ist jedoch nicht automatisch in die Wiege gelegt. Sie muss auch von der Gesellschaft gewollt und trainiert werden. Der Austausch von Schülern und Studenten ist dafür eine gute Möglichkeit. Befremdlich ist es daher zu hören, wie durchaus einflussreiche Manager im kasachstanischen Hochschulbereich davor „warnen“, allzu viele hiesige Studenten ins Ausland zu schicken. „Das können wir doch genau so gut, wie die ausländischen Hochschulen“ ist das dabei vorgebrachte zentrale Argument. Mal abgesehen davon, dass das hiesige Hochschulwesen insgesamt mit Sicherheit die Ausbildung nicht auf dem international üblichen Niveau sichern kann, wird dabei der Aspekt, nach dem „Reisen bildet“, vergessen. Selbst wenn das Bildungsniveau zu Hause genauso gut sein sollte, ist es immer zu empfehlen, die Möglichkeit für die Erweiterung des eigenen Horizonts in anderen Kulturkreisen zu nutzen. Zum Glück gibt es auch für kasachstanische Lernende heute dafür eine wachsende, aber nicht ausreichende Zahl von Möglichkeiten, von denen ihre Eltern nicht mal träumen konnten. Das ist gut so, denn auch Kasachstan kann durch Austausch nur gewinnen.

Bodo Lochmann

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