Der Herrscher über die Gedanken, der Träger dreier Kulturen, das Gewissen der Nation und der treue Sohn seines Volkes. Mit solchen Epitheta erinnern seine Verwandten, Freunde und Kollegen an Herold Belger, den berühmten Schriftsteller, Übersetzer und Literaturkritiker. Die Gedenkveranstaltung, die von der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Almaty organisiert worden war, fand anlässlich des dritten Todestages des Schriftstellers im Deutschen Haus in Almaty statt. Es war erfreulich, dass sich auch die Jugendvereinigung «Vorwärts» aktiv an dem Kulturprogramm beteiligt hat. Das Interesse der jungen Menschen an den literarischen Werken zeigt, dass auch spätere Generationen Belger lesen – und das ist wohl die beste Auszeichnung für einen Schriftsteller.

Es ist ein symbolischer Tag, an dem das Buch „Herold Belger: Ein schicksalhafter Weg“ vorgestellt wird: Am 7. Februar 2015 verstarb der bekannte Schriftsteller Herold Belger in Almaty. Es ist das erste Buch der Reihe „Berühmte Deutsche Kasachstans“, ein Projeks der Assoziation der deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“. Der Autor der Biografie, Vladimir Auman, ist promovierter Historiker und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der vollständigen Rehabilitierung der Russlanddeutschen.

Auch Belger, der sich als einer der ersten für die Wiederbelebung der Muttersprache und der deutschen Kultur aussprach, trug dazu bei. Diese innere geistige Nähe und Solidarität zu Interessen, die die gesamte Nation betreffen, haben dazu beigetragen, dass dieses Buch veröffentlicht werden konnte. Ein Buch, welches das großartige Talent und die vielen Facetten von Belgers Persönlichkeit umfassend beschreibt.

Die Poetin und langjährige Freundin Belgers Naziken Alpamyskyzy mit dessen Tochter Irina (r.)
Die Poetin und langjährige Freundin Belgers Naziken Alpamyskyzy mit dessen Tochter Irina (r.) | Foto: Vorwärts

Laut Irina Belger-Kowaljow, Tochter des Schriftstellers, zeichnet bereits der Titel des Buches ein sehr genaues Bild ihres Vaters. Der Weg, den Belger ging, sei seine Berufung gewesen, der er sein ganzes Leben gewidmet hatte. Wie er selbst gern sagte: „Solange ich schreibe, lebe ich.“ Schon seit drei Jahren können sich die Leser nicht mehr an seiner kalligraphischen Handschrift erfreuen, doch er bleibt im Gedächtnis und den Herzen seiner Freunde, Verwandten und Bewunderer.

„Der Mensch lebt, solange die Erinnerung an ihn lebt“, sagte Sagymbai Kozybayev
„Der Mensch lebt, solange die Erinnerung an ihn lebt“, sagte Sagymbai Kozybayev | Bild: Timofei Likhobabin

„Der Mensch lebt, solange die Erinnerung an ihn lebt“, sagte Sagymbai Kozybayev, Doktor der Geschichtswissenschaften, Professor, Präsident der Journalistischen Akademie in Kasachstan und langjähriger Freund von Belger, in seiner Rede. „Die Zeit ist unerbittlich, schon vor drei Jahren ist Gera-aga, wie wir ihn liebevoll genannt haben, aus dem Leben geschieden. Aber dieser bemerkenswerte Mann und seine literarische Kreativität werden für immer in unserem Gedächtnis bleiben.“ Laut Kozybayev war Berger wirklich der Herrscher über die Gedanken, der drei Kulturen – die deutsche, die russische und die kasachische – in sich trug, dem niemand in der Republik das Wasser reichen konnte: „Siebzig veröffentlichte Bücher sind ein großes Werk, das sein Credo – kein Tag ohne Arbeit – bekräftigt. Herold Karlowitsch war eine Ikone der Nation und von Natur aus ein Optimist. Er hat ein reiches Erbe hinterlassen: seine Bücher und seine Anhänger.“

Das veröffentlichte Buch über den Schriftsteller mit dem Untertitel „Ein schicksalhafter Weg“, beschreibt nicht nur das Leben Belgers, sondern auch die Geschichte und das Schicksal der Russlanddeutschen.

Raisa Hismatullina
Raisa Hismatullina | Bild: Olesja Klimenko

Die Familie des Schriftstellers, Tochter Irina und Ehefrau Raisa, betonten, dass das ganze Erbe des Schriftstellers in Würde bewahrt bleiben sollte – für die Nachwelt und die Bewunderer seines Talents. Deshalb wurden einige persönliche Gegenstände in ein Museumszimmer Belgers in die nationale Bibliothek Kasachstans und einige in das Museum des Schriftstellers in Petropawlowsk übertragen. Auch die Museen in den russischen Orten Engels, wo Belger geboren wurde, und Mokrous, wo er eine Zeit lang als Kind lebte, haben ein großes Interesse daran, Belgers Bücher zu bekommen. So wird das literarische Erbe von Herold Belger auch in seiner Heimat, die er bis zum Schluss im Herzen behalten hatte, zur Verfügung stehen. Als Zeichen der Dankbarkeit für Aumans Wirken übergab Irina ihm einen Aktenkoffer, einen Notizblock und einen Stift, mit denen Belger regelmäßig auf Reisen gegangen war, zum Beispiel nach Moskau, wo er zu einer Delegation gehörte, die sich für die Wiederbelebung und Rehabilitation seines Volkes einsetzte.

Zum Schluss der Gedenkveranstaltung wurde der Film „Belger“ des Regisseurs Viktor Klimow gezeigt. In dem Film inszenieren die Schauspieler des Deutschen Theaters in Almaty und ihre Leiterin Natascha Dubs das Schicksal eines kleinen Jungen, der in der fernen russlanddeutschen Stadt Engels geboren wurde, aber durch das Schicksal in ein kasachisches Dorf kam, neu. Er wollte nicht nach Kasachstan, doch fand hier Wärme, Fürsorge, Liebe und Respekt.

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