Nodir Uktamov kommt aus Buchara. Ende Oktober war er zum ersten Mal in Kasachstan – und probierte in Almaty viel Neues aus.

Nodir Uktamov

Meine Heimatstadt Buchara ist mit ihren etwa 270.000 Einwohnern im Vergleich zu Almaty klein. Es gibt dort viele enge Straßen, die sogenannten Teufelstraßen, und viele alte Bauwerke, manche bereits älter als 2.500 Jahre.

Almaty ist hingegen eine große und moderne Stadt, gebaut im 20. Jahrhundert, mit breiten Straßen, Bergen und vielen Sachen, die es in Buchara nicht gibt, und die ich gerne einmal ausprobieren wollte. Begleitet wurde ich dabei von der Journalistin Nancy Waldmann aus Deutschland.

Ein Tag in Almaty
Ein Wettbüro in Almaty. | Bild: Autor

Zuerst gingen wir in ein Wettbüro. In Usbekistan sind „Bukmekerskije“ (vom englischen Wort „bookmaker“, zu deutsch: Buchmacher, Anm. d. Red.) gesetzlich verboten, was aber nicht heißt, dass man dort nicht wettet. Im Internet ist schließlich alles möglich. Das Wettbüro hieß „1:0” – also wie der Endstand von einem Fußballspiel. Oder von einem Basketballspiel, oder Volleyballspiel. Man kann nämlich auf Mannschaften aus der ganzen Welt in allen möglichen Sportarten wetten.

In einem dunklen Raum mit vielen Computern und großen Fernsehbildschirmen konnte man alle möglichen Spiele, Tabellen und Spieltermine sehen. Als wir um 11 Uhr vormittags ankamen, hätten wir zum Beispiel sofort auf ein Basketballspiel irgendwo in Indien wetten können.

Wetten auf deutschen Fußball

Doch wenn wir schon wetten, dachten wir uns, wollen wir auch das entsprechende Spiel live im Fernsehen verfolgen. Die einzige Live-Übertragung an diesem Dienstag war der DFB-Pokal in Deutschland. Am Abend sollte Hannover 96 gegen den VfL Wolfsburg spielen, um 23.30 Uhr würde die Übertragung in dem Almatyner Wettbüro beginnen. Das Spiel war also schnell gefunden, doch worauf eigentlich wetten? Auf einen Sieg für Wolfsburg oder Hannover? Oder doch lieber auf die Gesamtzahl der Tore? So gut kannten wir uns nicht aus.

Da kam uns Aiderchan zu Hilfe, außer uns der einzige Gast an diesem Vormittag. Mit seinem brüchigen Englisch versuchte er uns zu beraten. Zum Glück können Nancy und ich aber auch Russisch. Aiderchan hatte gerade 18.000 Tenge (ca. 40 Euro) bei dem Basketballspiel in Indien gewonnen. Er erklärte uns, dass Wolfsburg und Hannover etwa gleich starke Mannschaften seien. Wir sollten einfach darauf setzen, dass jede Mannschaft mindestens ein Tor schießt. „Dann gewinnt ihr bestimmt“, sagte er. Gesagt, getan: Wir setzten 5.000 Tenge.

Auf zwei Rädern unterwegs

Aber nun endlich raus in die Sonne! In Almaty kann man sich Fahrräder ausleihen. Überall in der Innenstadt finden sich die grünen Fahrradstationen von „Almaty Bike“. In Buchara gibt es kaum Fahrradfahrer, alle fahren mit dem Taxi oder dem Bus, weil es günstig ist. Im Internet stand, dass man sich erst im Ausleihzentrum mit seinem Ausweis anmelden muss, um die Fahrräder zu nutzen. Lange suchten wir nach dem Zentrum, da auf der Webseite eine falsche Adresse angegeben war. Als wir endlich ankamen, stellte sich heraus, dass man sich auch einfach online hätte anmelden können.

Für einen Tag Radfahren mussten wir eine Kaution für drei Wochen hinterlegen. 37.500 Tenge pro Person, das sind 90 Euro! Meine usbekische Kreditkarte funktioniert im Ausland nicht, doch zum Glück hat Nancy eine Visa-Karte.

Nächster Schritt – eine der automatischen Fahrradstationen finden. Über eine Stunde liefen wir den Abai-Prospekt erfolglos entlang. Wir dachten etwas verstimmt an unsere hohe Kaution von 75.000 Tenge! Nancy hatte irgendwann keine Lust mehr, weiter zu suchen, und ich war auf mich allein gestellt. Schließlich wurde ich aber fündig und fuhr mit dem Fahrrad durch Almaty. Auf den neuangelegten Radwegen rollte ich schnell bergab. Wow!

Verbesserungsbedarf

Mein Ziel war der Kök-Töbe-Park, von dem aus man auf den gleichnamigen Berg fahren kann. Doch wie das Fahrrad parken? Ich hatte kein Schloss. Also fuhr ich zu einer der Fahrradstationen, gab das Rad dort ab und lief zu Fuß wieder zurück. Erst am Abend fand ich endlich heraus, dass es kein Schloss, sondern eine Art Kabel zum Anschließen der Fahrräder gibt. Das Fahrradfahren selbst hat auf den Radwegen Spaß gemacht.

Allerdings gibt es auch Straßen ohne Radwege, wo man höllisch aufpassen muss, dass einen die ausparkenden Autos nicht anfahren. Für den Autoverkehr sind die Fahrräder ein Problem, denke ich, hoffe aber gleichzeitig, dass die Radwege weiter ausgebaut werden. Vielleicht kommen dann andere Fahrradverleiher in Almaty hinzu. Und wenn das System ausgereifter ist, könnten wir es auch in Buchara einführen.

Bis zum nächsten Mal!

Buchara liegt in einer Wüstenregion ohne Berge. Deswegen wollte ich unbedingt auf den Kök-Töbe, den „grünen Hügel“ Almatys, fahren. Vom Stadtzentrum aus gibt es eine Seilbahn – so etwas haben wir in Buchara ebenfalls nicht. Von oben kann man die ganze Stadt erblicken.

Auf Kök-Töbe gibt es auch einen Freizeitpark mit einer Achterbahn, ein Riesenrad, einen Streichelzoo und eine Sommerrodelbahn. Außerdem hat man einen fantastischen Ausblick auf die Berge. Ich schoss ein Foto von den schneebedeckten Gipfeln und fuhr zurück ins Hostel.
„Wenn du in Almaty bist, musst du auf jeden Fall auch den Medeo mit seiner Eislaufbahn besuchen!“, sagten mir die Leute auf Kök-Töbe. Eine Eislaufbahn haben wir in der Wüste Bucharas natürlich auch nicht. Beim nächsten Besuch in Almaty!

Abends um halb zwölf waren Nancy und ich nach diesem aufregenden Tag allerdings viel zu müde, um uns noch das Fußballspiel anzusehen. Am nächsten Morgen erfuhren wir das Ergebnis: 0:2 für Wolfsburg. Mit unserer ersten Fußballwette im Leben hatten wir also Pech. Statt 8.450 Tenge zu gewinnen, verloren wir unsere 5.000 Tenge! Es war lustig, es einmal auszuprobieren. Aber wetten möchte ich nie wieder.

Dieser Text entstand während der XII. Zentralasiatischen Medienwerkstatt 2018.

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