Vor 24 Jahren ist Elena Romme aus Kasachstan nach Deutschland gezogen, doch den Geschmack der russischen Küche konnte sie nicht vergessen. Also hat sie ein Lebensmittelgeschäft mit Spezialitäten aus Osteuropa eröffnet.

 

„Ich wollte schon immer mein eigener Chef sein“, sagt Elena Romme, die mit Erfolg ihr „Feinkostgeschäft Romme Mini-Markt“, ein Lebensmittelgeschäft mit Spezialitäten aus Osteuropa, in Lahr führt. Sie hat ihr Geschäft 2000 eröffnet, unter anderem auch, weil „ich den Geschmack meiner Kindheit wieder haben wollte“, bemerkt Romme. Seit Jahren engagiert sie sich auch bei der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Ortsgruppe Lahr, wo sie Vorstandsmitglied und Kulturreferentin ist. Sie gehört auch zu den aktiven Sponsoren aller russlanddeutscher Vereine: Landsmannschaft Lahr, Bürger Aktiv Lahr, Raduga e.V., FV Langenwinkel e.V.. Auch parteipolitisch ist sie bei der CDU aktiv, seit 2014 ist Elena Romme Ortschaftsrätin in Hugsweier-Lahr. Ihr Feinkostgeschäft ist zum Treffpunkt für viele neue Ideen und Projekte geworden. Und zwar nicht nur für Lahr, sondern auch für Umgebung und Ausland. Für FV Langenwinkel hat Elena Romme die Patenschaft übernommen. Ihr Geschäft stört das nicht. „Wenn wir alle zusammen was anpacken – dann schaffen wir alles, egal wie schwer es ist. Und wenn meine Kunden, meine Familie, zufrieden sind, dann bin ich auch zufrieden“, davon ist Romme überzeugt.
An die harten Anfänge vor über 14 Jahren erinnert sie sich heute gelassen. Da sie von der Bank keinen Kredit bekommen hat, wagte sie den Sprung in die Selbständigkeit mit Fremdkapital – mit Krediten von Freunden, Familie und Bekannten. Inzwischen „habe ich alle zurückbezahlt, und das Geschäft läuft gut“, sagt Elena Romme. Im Stockwerk über dem Mini-Markt gibt es zwischenzeitlich ein Geschäft für Mode und Accessoires sowie ein Reisebüro, das sich auf Reisen nach Osteuropa spezialisiert hat. Somit steht der Name Romme für etliche Geschäftsbereiche in Lahr und bereichert die Vielfalt der Stadt. Die engagierte Unternehmerin beschäftigt 20 Angestellte und zwei Auszubildende, zudem arbeiten sieben Familienmitglieder in dem Haus am Königsberger Ring.
Elena Romme ist 1991 mit ihrem russlanddeutschen Ehemann und ihren Kindern aus Kasachstan nach Lahr gekommen.
„Die Familie meines Mannes stammt ursprünglich aus dem Offenburger Raum“, weiß sie. Die gelernte Industriekauffrau arbeitete anfänglich in einem Friesenheimer Getränkemarkt, danach verkaufte sie Schwarzwälder Spezialitäten in der Deutschlandallee. Die Selbständigkeit hatte sie schon damals im Hinterkopf, immerhin hatte sie auch gute Freunde, die sich mit Spezialitäten aus Osteuropa selbständig gemacht hatten. Mit dieser Idee freundete sie sich mit der Zeit immer mehr an.
Mit dem kleinen Lebensmittelgeschäft „Sputnik“ in der Nähe des Lahrer Bahnhofs hatte sie 2000 angefangen. So wie mit dem Start von „Sputnik 1“ in Russland die Weltraumfahrt begann, war „Sputnik“ für Elena Romme der Start in den Selbständigkeits-Erfolg. Den Namen ihres ersten Lebensmittelgeschäfts wollte sie dann bei der Eröffnung von Mini-Markt am Königsberger Ring vor acht Jahren dann doch nicht übernehmen – die
Vorbehalte der Kunden, zu denen inzwischen Vertreter aller Bevölkerungsgruppen in Lahr und Umgebung gehören, sollten dem Erfolg nicht im Wege stehen. Zwar haben die meisten Kunden einen osteuropäischen Hintergrund, „die sich freuen, heimische Lebensmittel zu bekommen“. Inzwischen kommen aber auch viele Einheimische mit einem Einkaufszettel, mit dem sie ein typisches Gericht nachkochen wollen. Für Elena Romme ist es ein deutliches Zeichen, dass die Berührungsängste nicht ewig halten können.
Natürlich gibt es auch in ihrem Geschäft Landestypisches aus Osteuropa, „allerdings werden viele Spezialitäten mit herkömmlichen Namen und Rezepten in Deutschland produziert, den echten und typischen Geschmack haben die nicht“, sagt Romme. Frischen Fisch und frische Wurst– und Fleischwaren bekommt sie beispielsweise aus dem Schlachthof in Offenburg. Romme lockt auch mit einem großen Sortiment von Innereien und Geflügel, ebenso wie mit Fisch – frisch, aber auch gesalzen, getrocknet und geräuchert – das kommt sehr gut an. Wirft man einen Blick in die Frischetheke, so trifft man auf eine große Vielfalt von ausgefallenen Salaten – selbst gemacht nach koreanischer und russischer Art. „Wir kochen zu Hause immer noch russische Küche. Das schmeckt nach Kindheit“, sagt Elena Romme. Aus dieser Kindheitserinnerung hat sich letztendlich ihre Geschäftsidee entwickelt – mit Erfolg, wie sich zeigt.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift der Landsmannschaft der Russlanddeutschen e.V. „Volk auf dem Weg“. Wir veröffentlichen ihn mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

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