Das deutsche Theater hat dieses Jahr seine 35. Spielzeit eröffnet. Auf seiner Tour durch Kasachstan stand Karaganda zuerst an der Reihe. Nachstehend ein persönlicher Kommentar einer jungen Einwohnerin dieser Stadt.

Im September hat das Deutsche Theater Kasachstan wieder Karaganda besucht und seine Stücke den Zuschauern der Stadt dargeboten. Bei uns hat das Theater seine Jubiläumssaison eröffnet. Im Frühling gab es bereits eine Aufführung in Karaganda; diesmal kamen vier Tage lang unterschiedliche Stücke auf die Bühne. Besonders erfreulich für das Publikum war, dass die Stücke zweisprachig präsentiert wurden. Zuschauer, die sich am Anfang nicht vorstellen konnten, Theater auf Deutsch zu verstehen, waren vollends begeistert von den Stücken in zwei Sprachen. Für die meisten Zuschauer war es sehr faszinierend und ungewöhnlich zu sehen, wie man Sprachen auf der Bühne verbinden kann.

Ethnisches Theater

Für die Menschen, die Deutsch kennen und lernen, ist es mittlerweile ungewöhnlich Deutsch auf einer kasachstanischen Bühne zu hören. Man hat sich zwar bereits daran gewöhnt, Filme und Fernsehsendungen in Fremdsprachen zu sehen, Theater ist jedoch etwas anderes, dort kann man in verschiedene Situationen zusammen mit den Schauspielern eintauchen.

Ethnisches Theater ist außergewöhnlich. Es ist bereichernd, dass in Kasachstan solche Theaterformen existieren, die die Kulturen anderer Völker aufzeigen und die Zuschauer etwas Neues kennenlernen und für sich persönlich entdecken können. Das Deutsche Theater in Almaty hat die große Besonderheit, dass es deutsche Kultur nicht nur der deutschen Minderheit, sondern auch allen Interessenten anbietet. Nach jedem Stück haben viele aus dem Publikum auf Nachfrage erwidert, durch die Nähe zu den Schauspielern nahezu vergessen zu haben, dass etwas in einer anderen Sprache vorgetragen wurde. Man habe mitgefühlt, sagten einige der Zuschauer. Die Aufführungen „Szenen aus dem Faust” und „Der Jasager” waren besonders tiefgehend und versetzten so manchen ins Grübeln. Die beiden Aufführungen waren so emotional, dass danach Stille im Zuschauerraum herrschte. Jeder wollte, in sich gekehrt, ruhig überlegen, da die Stücke viele Gedanken im Kopf kreisen ließen, weil darin sehr aktuelle Probleme unserer Gesellschaft widergespiegelt wurden.

Die Menschen in Karaganda sind nun auf weitere Aufführungen des Deutschen Theater Kasachstan in ihrer Heimatstadt gespannt.

Jelena Borissewitsch

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