Exporte steigen weil, der Europreis in ausländischer Währung gesunken ist. Derzeit ist der Eurokurs so tief wie nach seiner Einführung nicht mehr. Doch das ist nach Meinung von Prof. Dr. Bodo Lochmann kein Grund zur Beunruhigung.

Der Wechselkurs des Euro zum Dollar bewegt sich nach einigen Monaten ständigen Rückgangs wieder in der Nähe des Niveaus, mit dem der Euro 1999 seine Weltkarriere gestartet hatte. Nur noch 1,18 Dollar muss man für einen Euro bezahlen, noch vor nicht allzu langer Zeit waren dafür etwa 1,40 Dollar fällig. Das beunruhigt – zum Großteil jedoch eher aus Prestigegründen – manche europäische Politiker und auch manche Notenbanker, die deutsche Wirtschaft aber jubelt.

Schließlich bewirkt der schwache, sprich in ausländischer Währung billige Euro, einen Schub für die Nachfrage nach deutschen Exportwaren. Diese werden in den Hauptexportgebieten der deutschen Produzenten in den jeweiligen nationalen Währungen billiger, wodurch die Nachfrage steigt. Die sogenannte preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exportwaren verbessert sich, wobei die deutschen Exporteure schon in den letzten Jahren trotz relativ schwacher Entwicklung der Weltwirtschaft nicht klagen konnten. Die nichtpreisliche Wettbewerbs-fähigkeit, also das technische, das qualitative und das serviceseitige Niveau der Hauptexportwaren der deutschen Industrie, war so schon hoch genug, um Absatzrekorde am laufenden Band zu erzeugen. Die Wechselkursveränderung zu Lasten des Euro ist somit eher noch ein Zusatzfaktor, der sicher nicht entscheidend ist, aber dennoch gern gesehene zusätzliche Nachfrageeffekte bewirkt. Das wird natürlich nicht immer so bleiben, aber auf absehbare Zeit dürfte sich die Situation kaum ändern. Exporte werden also in den jeweiligen Landeswährungen billiger, Importe nach Deutschland entsprechend teurer. Auch das ist ein eher gern gesehener Effekt, schließlich wechselt so ein Teil der Kunden von Importwaren auf heimische Produkte, was auch im Inland die Nachfrage steigen lässt.

Der billige Euro ist eigentlich eine über mehrere Jahre von den sogenannten Südländern der EU an die Europäische Zentralbank (EZB) gestellte politische Forderung. Viele Unternehmen dieser Länder haben Erzeugnisse mit nicht ausreichend hohem Niveau der nichtpreislichen Wettbewerbsfähigkeit. Das wollten sie durch niedrigere Preise auf ihren Exportmärkten kompensieren.

Nun ist die EZB politisch unabhängig, das heißt die Regierungen haben nicht das Recht, der gemeinsamen Zentralbank der mittlerweile 19 Mitgliedsländer der Eurozone Vorgaben zu machen oder sich in ihre Arbeit einzumischen. Zudem ist die EZB „nur“ der Preiswertstabilität, also der Inflations– oder Deflationsbekämpfung verpflichtet. Sie hat also nicht die Aufgabe, die wirtschaftliche Konjunktur zu beeinflussen. Dennoch schaut die EZB natürlich auf die Konjunkturdaten, aber eher zum Zwecke der Geldmengen– und damit der Inflationssteuerung.

Nun haben die Südländer also den gewünschten schwachen Euro bekommen, aber nicht durch eine entsprechende Wechselkurspolitik der EZB, sondern durch die allernatürlichsten Prozesse auf den Devisenmärkten. Die Nachfrage nach dem Dollar steigt ganz einfach, die Nachfrage nach Euro sinkt im Moment.

Ursache dafür sind die momentan unterschiedlichen Entwicklungsszenarien der US-Volkswirtschaft und der gemeinsamen Volkswirtschaft der EU– und darin der Euroländer. Die amerikanischen Unternehmen haben zu alter Stärke zurückgefunden, die US-Wirtschaft boomt regelrecht. Im Ergebnis wird in absehbarer Zeit die Inflation in den USA von einem heute sehr niedrigen Niveau steigen und damit auch die Zinsen. Geldanlagen in Dollar werden also – voraussichtlich – attraktiver als Geldanlagen in Euro. Vor allem institutionelle Investoren schichten ihre Anlagen in Dollar um, da lässt sich halt mehr verdienen. Der starke Dollar wiederum gefällt naturgemäß der Exportindustrie der USA nicht, weil dadurch die Auslandsnachfrage nach amerikanischen Waren fällt, die (in den nationalen Währungen der Länder, die US-Waren importieren) teurer werden.

Des einen Freud ist also des anderen Leid. Aus Sicht der gesamten Weltwirtschaft sind die Wechselkursveränderungen sowieso ein Nullsummenspiel: Vorteile für den Einen, sind zeitgleich Nachteile für den Anderen. Die Frage ist jedoch, wer sich im Moment auf welcher Seite der Wechselkursbilanz befindet. Auf lange Sicht gesehen, gleichen sich die Effekte aus. Die Grundlage jedoch bleibt: entscheidend ist die nichtpreisliche Wettbewerbsfähigkeit, die heute im Wesentlichen von Innovationen abhängt.

Bodo Lochmann

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