Fünf Staaten, sieben Flüsse, zwei Seen

Die Teilnehmer des III. Kasachischen Wasserforums in Almaty. | Foto: Denis Chernov

„Wasser ist Leben, Wasser ist die Seele, Wasser gibt Leben, und alles ist von Wasser abhängig“, so besagt es ein afrikanisches Gedicht, das vor Augen hält, wie wichtig die Ressource für das Überleben auf der Erde ist. Ohne Wasser gäbe es kein Leben – nicht selten der Anlass für Konflikte in der Welt, beispielsweise am Euphrat, Tigris, Nil oder Jordan. So weit ist es in Zentralasien noch nicht gekommen – Grund dafür sind unter anderem die zahlreichen Konferenzen, die auf nationaler sowie internationaler Ebene gehalten werden, um Kommunikation und Kooperation zu stärken.

„Wasser ist das Thema Nummer eins in Zentralasien“, erklärt György Szabó in der Eröffnungsrede des III. Kasachischen Wasserforums „Wissensbasierte Wasser-Governance“, das am 28. November von der Deutsch-Kasachischen Universität mit Unterstützung des Außenministeriums der Republik Kasachstan, OSZE-Büros in Astana und der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kasachstan organisiert wird.

Szabó leitet das OSZE-Programmbüro in Astana seit Februar 2016. Die Abkürzung OSZE steht für „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“, es ist die weltweit größte sicherheitsorientierte zwischenstaatliche Organisation. Szabó wirft die Frage in den gut gefüllten Konferenzraum des Dostyk Hotels: „Was hat Wasser mit Sicherheit zu tun?“ Nach wenigen Sekunden antwortet er kurz und knapp: „Sehr viel!“ Ihm hören aufmerksam Vertreter des Ministeriums von Kasachstan, des deutschen Parlaments, der lokalen und internationalen Universitäten, des Wassersektors der kasachischen Industrie sowie internationaler Organisationen zu.

Wasserprobleme in Zentralasien ziehen schon seit Jahrzehnten internationale Aufmerksamkeit auf sich: Zu Recht, so Beate Eschment in ihrer Studie „Wasserverteilung in Zentralasien – Ein unlösbares Problem?“, die sie für die Friedrich-Ebert-Stiftung 2011 verfasste. Eschment nennt die ökologische Katastrophe am Aralsee und weist auf die ungelösten Nutzungskonflikte um die durch den Zerfall der Sowjetunion international gewordenen großen Flüsse Zentralasiens hin. Letzteres stelle ein viel drängenderes Sicherheitsrisiko dar. In der Studie heißt es, die fünf sowjetischen Nachfolgerepubliken haben in den letzten zwanzig Jahren keinen Weg gefunden, die Verteilung des Wassers der grenzüberschreitenden Flüsse und die damit verbundene Lieferung von Energie untereinander vertraglich zu regeln. Das bedrohe vor allem die regionale Sicherheit. Die weltweiten Initiativen, auch von EU und Deutschland, hätten bisher keinen wirklichen Erfolg erzielt, kritisiert Eschment.

Lesen Sie dazu auch: „Wasser kann schnell zu einem Spielball von Konflikten werden“

Wasser und Sicherheit

Yasmin Sidiqqi von der Asian Development Bank stellt sich den Fragen der Teilnehmer. | Foto: Denis Chernov
Yasmin Sidiqqi von der Asian Development Bank (ADB) stellt sich den Fragen bei der Podiumsdiskussion. Foto: Anne Grundig

Wasser sei die Grundlage der inneren – sozialen und politischen – Stabilität der zentralasiatischen Staaten. Damit werde Wasser zu Politik, erklärt Szabó. Frank Heinrich, Mitglied des deutschen Bundestages und Sachverständiger für Wasserfragen im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, weist darauf hin, es sei einfach, über Wasser zu reden, aber umso wichtiger zu handeln. Der Theologe und Sozialpädagoge engagiert sich vor allem für Menschenrechte in Afrika und erhofft sich, dass die Länder Zentralasiens und Afrikas in Zukunft ihre Erfahrungen bezüglich Wasserfragen austauschen.

Markus Kaiser, Präsident der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU), begrüße ebenfalls eine engere Kooperation der internationalen Organisationen. Es sei wichtig, regionales sowie globales Wissen zu verbinden. Die Projekte werden komplexer, da immer mehr Faktoren eine Rolle spielen. Hierfür brauche man neue Konzepte, erklärt Kaiser und nennt den Masterstudiengang „Integrated Water Ressources Management“ als Beispiel. Auch der deutsche Botschafter, Rolf Mafael, sieht den Masterstudiengang als einen wichtigen Schritt, um Erfahrungen auszutauschen und zukünftige Experten auszubilden. Ziel Deutschlands sei es, existierende Organisationen zu unterstützen und das Netzwerk zu vergrößern.

Lesen Sie dazu auchZusammenarbeit im Umweltbereich

Thomas Helm: „Es ist nicht einfach, Wasser zu sparen.“

Deutschland sei ein „World Champion“ in nachhaltiger Nutzung von Wasser, so Thomas Helm, Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kasachstan. Aber auch den Deutschen gelinge es nicht immer, sparsam mit Wasser umzugehen. „Ich habe etwas verstanden: Erstens wir müssen Wasser sparen. Zweitens es ist nicht einfach, Wasser zu sparen“, bringt es Helm auf den Punkt. Wasser gehöre zu den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. „Bald leben acht Milliarden Menschen auf der Erde, dann neun und dann zehn Milliarden. Was geschieht, wenn wir bis dahin nicht fähig sind, Wasser effektiv und nachhaltig zu nutzen?“ Eine berechtigte Frage, so rechnet die UNO mit 9,7 Milliarden Menschen bis 2050.

Umso wichtiger erscheinen die Investitionen der Asian Development Bank (ADB), die Projekte u.a. in den Bereichen Energie, Bildung, Umwelt und Wasser im asiatischen Raum unterstützt. In den Jahren von 2011-2015 habe die ADB keine Investitionen im Bereich Wasser in den Ländern Kasachstan, Kirgisistan und Turkmenistan getätigt, erklärt Yasmin Sidiqqi, Wasserspezialistin bei der ADB. Allerdings erhielten Usbekistan, Tadschikistan und Afghanistan finanzielle Unterstützung im Wassersektor. Sidiqqi verkündet, dass sich die ADB in Zukunft auch in Kasachstan engagieren wolle. Die ADB habe in den Jahren von 1968-2016 ingesamt 46 Milliarden Dollar investiert, davon flossen 7,3 Milliarden Dollar nach Zentral-Westasien. „Der wirtschaftliche Fortschritt kann die Wasserfrage nicht allein lösen. Wasserschutz muss auch fest auf der politischen Ebene verankert sein“, schlussfolgert Sidiqqi in ihrer Rede.

Lesen Sie auch: „Wasser kennt keine Staatsgrenzen“ 

Auch André Niemann bekräftigt, dass Technologie allein nicht die Schlüsselfunktion in der Wasserproblematik sei. Die Herausforderung läge darin, dass Experten aus den verschiedensten Disziplinen zusammenarbeiten: Ingenieure, Biologen, Chemiker, Geografen, Soziologen, Ökonomen etc. Niemann selbst ist Ingenieur und leitet seit 2010 das Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Erster UNESCO-Lehrstuhl für Wasser-Management in Zentralasien

Solche Spezialisten bilde nach Ansicht von Andrej Chevelev der Masterstudiengang „Integrated Water Resources Management (IWRM)“ an der DKU aus. Er leitet das UNESCO Büro in Almaty und begrüßt, dass am Tag des III. Kasachischen Wasserforums auch der UNESCO-Lehrstuhl für Wasser-Management in Zentralasien an der DKU eröffnet wird.
Dies ist nicht nur der erste UNESCO-Lehrstuhl im Bereich Wasser in Kasachstan, sondern in ganz Zentralasien. Akmaral Orasiman, Repräsentantin der Nationalen Kommission der UNESCO und ISESCO in der Republik Kasachstan, freut sich ebenfalls über die Eröffnung des Lehrstuhls. Es warte viel Arbeit auf alle Beteiligten bezüglich der Wasserfrage, die keine internationalen Grenzen kenne, sondern alle Länder Zentralasiens betreffe.