Heimatmuseum der Bessarabiendeutschen begrüßt Besucher aus Kasachstan

V.l.n.r.: David Aippersbach, Ortwin Steinwand, Renate Kersting, Dr. Albert Rau, I.R. Isert.
V.l.n.r.: David Aippersbach, Ortwin Steinwand, Renate Kersting, Dr. Albert Rau, I.R. Isert. | Foto: Renate Kersting

Albert Rau ist der Vorsitzende des neugegründeten Gesellschaftsfonds der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“. Im Oktober wurde er einstimmig von den Delegierten auf dem Kongress der Deutschen Minderheit gewählt. Rau hat langwierige Erfahrung auf der politischen Bühne Kasachstans, aber auch international. Bei der Bundestagswahl im September war er als Wahlbeobachter in Stuttgart und besuchte das Heimatmuseum der Bessarabiendeutschen.

Nach Wahlen in den Ländern Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion hört man oft die kritischen Einschätzungen der Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Viele von ihnen kommen aus dem „Westen“, doch auch andere Staaten der OSZE, wie Kasachstan, schicken Beobachter zu Wahlen. So war Albert Rau aus Kasachstan als Wahlbeobachter bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag in der Region Stuttgart. Die Wahlen am 24. September 2017 wurden als frei und demokratisch eingestuft.

Rau nutzte seinen Aufenthalt in Deutschland, um den Auswanderungsort Hanweiler und das dortige Heimatmuseum der Bessarabiendeutschen aufzusuchen. Der Gast aus Kasachstan kam in Begleitung von Danijar Iskakow, 2. Sekretär der Botschaft der Republik Kasachstan in Berlin, in das Museum. Die beiden erhielten eine Führung auf Deutsch, denn sowohl Rau als auch Iskakow beherrschen die Sprache ohne Probleme. Für Rau, der aus der deutschen Minderheit in Kasachstan stammt, ist es eigentlich sogar die Muttersprache.

Albert Rau wurde 1960 in Kasachstan geboren. Seine Vorfahren stammen aus dem Kaukasus, dem Wolga-Gebiet und aus Bessarabien. Seine bessarabischen Vorfahren hat der Bessarabiendeutsche Verein auf Bitte Raus hin schon vor Jahren ermittelt. Die Linie Schäfer lässt sich zum Beispiel bis ins 18. Jahrhundert nach Hanweiler bei Winnenden in Württemberg zurückverfolgen. Als Dank für die Ergebnisse schenkte Rau der Bessarabien-Bibliothek 2016 seine veröffentlichte Familienchronik.

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Rau studierte in Kasachstan. Ab 1994 war er für mehr als zehn Jahre Bürgermeister der Stadt Lissakowsk, dann Gouverneur des Gebietes Akmola. Seit 2010 war er Vizeminister für Industrie und Technologie in Kasachstan. Seit März dieses Jahres ist er Mitglied des Parlaments, der Madschilis, und sitzt im Ausschuss für Finanzen und Haushalt. Im Februar 2016 wurde ihm das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Während eines Besuchs in der kasachischen Hauptstadt Astana nahm selbst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Gelegenheit wahr, sich mit Albert Rau zu treffen.

Während seines Besuchs im Museum war Rau besonders an der Geschichte der deutschen Einwanderer nach Bessarabien und dann der 1940 erfolgten Deportation interessiert und fragte immer wieder nach Details. Die Lebensverhältnisse in Bessarabien, die Kleidung, die Gerätschaften waren ihm aus Kasachstan vertraut und wiesen manche Gemeinsamkeiten auf. Nach der Führung bedankte er sich herzlich und hinterließ dem Museum eine großzügige Spende.

Quelle: www.bessarabien.de