Junge Arbeitnehmer haben in Deutschland die Führungskultur beeinflusst. Sie fordern nicht nur flexible Arbeitszeiten, sondern auch Mitbestimmung. Sie suchen nach Sinn in ihrer Tätigkeit und nicht nach Beförderung. So schrieb es der Spiegel, als er vor einigen Monaten fragte, wie die Generation Y die Arbeitswelt verändert habe. Generation Y: Das sind die zwischen 1980 und 2000 Geborenen, die nach und nach auf den Arbeitsmarkt strömen.

Von Start-ups lernen

Zwei Vertreter dieser Generation sind Anna Stania und Nils Schnell von MOWOMIND. Als Experten für modernes Arbeiten reisen die beiden gerade um die Welt. „Modernes Arbeiten bedeutet, dass man individuell und kontextuell auf Situationen schaut, und nicht alles nach demselben Muster macht“, erklärt Schnell. Das heißt, dass der Mensch wieder mehr in den Fokus rückt und nicht nur als Ressource gesehen wird, dessen Arbeitskraft man ausbeuten kann. „Vor allem junge Menschen wollen autonom arbeiten, aber dennoch etwas mitgestalten, sich einbringen. Sie suchen nach einer sinnstiftenden Arbeit“, meint er. Stania ergänzt, dass es auch ums Lernen gehe. „Die Mitarbeiter wollen sich weiterentwickeln.“

In Hamburg führen Stania und Schnell ein kleines Unternehmen, das sowohl mit innovativen als auch mit großen klassischen Firmen zusammenarbeitet. „Es geht darum, gewisse Strukturen im Unternehmen auf- und abzubauen. Start-ups wachsen und plötzlich werden aus den Gründern Chefs“, so Stania. In großen Firmen gebe es hingegen oft zu viele Strukturen und ausgeprägte Hierarchien, sagt Schnell. Genau dort setzen die beiden an: Mit ihrem Wissen, das sie aus traditionellen Unternehmen haben, begleiten sie Start-ups bei deren Wachstum. Mit ihren Erfahrungen aus der Start-up-Szene helfen sie größeren Unternehmen, flexibler zu werden.

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Eine moderne Walz

Mit ihrer Expertise sind die beiden Ende Mai auf Tour gegangen. Von München aus führte sie die Reise über den Balkan weiter nach Georgien und im August schließlich nach Zentralasien. Sie wollen nicht nur die klassischen Start-up-Standorte besuchen. „Wir hatten vom Balkan gehört, dass sich dort viel tut. Entwickler wandern nicht mehr ab, sondern bleiben im Land und wollen etwas aufbauen“, sagt Schnell.

Zwar sehen sich die beiden öfter dem Vorwurf ausgesetzt, dass sie nur kommen, um Fachkräfte abzuwerben, doch dem widersprechen sie entschieden. „Wir sind nicht auf Talentsuche, sondern wollen vor Ort unterstützen“, so Stania. Bereits auf dem Balkan haben sie gemerkt, dass in den postsozialistischen Staaten Titel und Hierarchien viel ausgeprägter sind als in Deutschland. Auch deshalb bleiben Konflikte während der Coachings nicht aus. „Wir fordern diesen Führungsstil heraus, stellen auch mal ungemütliche Fragen und arbeiten mit den Konflikten, die es in Unternehmen gibt“, sagt die Expertin. „Aber wir können auch die persönliche Entwicklung voranbringen.“

Ihre Kunden finden die beiden auf der Tour über verschiedene Wege: von Kaltakquise über persönliche Kontakte bis hin zu den deutschen Außenhandelskammern. Die Firmen, insbesondere Start-ups, sind offen für die Tipps der Experten. Dabei wird von den ausländischen Unternehmen auch verstärkt gefragt, wie sie für den deutschen Markt attraktiver werden können. „Mittlerweile haben wir schon eine Art Business-Knigge entwickelt“, sagt Stania lachend.

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Modernes Arbeiten
Zu Besuch im Start-up-Hub Almaty. | Foto: MOWOMIND

Besuch im „SmArt.Point“

Bisher sind die beiden mit dem Verlauf der Tour sehr zufrieden. „Wir können viel bewegen, erste Impulse setzen“, sagt Schnell. Zwar erlaube es die Tour nicht, länger als ein paar Wochen an einem Ort zu bleiben, doch halten die beiden auch hinterher mit den Unternehmen Kontakt und beraten sie sozusagen aus der Ferne. Ein gutes Jahr planen Stania und Schnell unterwegs zu sein. Nach Kasachstan und Kirgisistan wollen sie weiter durch Asien reisen und anschließend nach Neuseeland und Australien. Ob es von dort aus weiter Richtung Lateinamerika oder Afrika geht, haben sie noch nicht entschieden.

Nachverfolgen und kontaktieren können Sie Anna Stania und Nils Schnell von MOWOMIND über Instagram oder über www.mowomind.com, wo sie fast tagtäglich über ihre Erfahrungen berichten.