Am 4. Juli dieses Jahres hat das dreimonatige Stipendienprogramm „Journalisten International“ an der Freien Universität Berlin angefangen. Das Programm wird für Journalisten aus ehemaligen Ländern der Sowjetunion organisiert. Auch dieses Mal nehmen am Programm junge Journalisten aus Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan, Armenien, Russland und der Ukraine teil.

„Nach dem ersten Seminartag habe ich sofort verstanden, dass alle meine Erwartungen vom Projekt erfüllt werden können. Denn obwohl ich schon viel über die Nachkriegszeit in Deutschland weiß, half mir die erste Vorlesung „Deutsche Geschichte bis 1990: BRD und DDR“ eine genauere und systematischere Vorstellung über deutsche Politik zu erhalten“, sagt die russische Teilnehmerin Viktoria Mokritsowa beim Projekt „Journalisten International“. „Für mich war besonders der Teil über die Zusammenarbeit zwischen der EU und der Bundesregierung interessant. Außerdem hatte ich bisher keine Ahnung, wie kompliziert der politische Prozess in Deutschland mit den verschiedenen Ebenen und Parteien ist.“
Das Projekt wurde von Prof. Dr. Günther von Lojewski, dem ehemaligen Leiter des rbb (Rundfunk Berlin-Brandenburg), im September 1999 initiiert. Am Anfang nahmen am Programm nur Journalisten aus Russland teil und es hieß passend dazu „Journalisten aus Russland“. Seit 2002 besuchen nicht nur Teilnehmer aus Russland, sondern auch aus den anderen postsowjetischen Staaten das Programm, deshalb heißt es seitdem entsprechend „Journalisten International“.

In diesem Jahr beteiligen sich am Programm insgesamt 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Der hohe Anteil des weiblichen Geschlechts zeigt, dass mehr und mehr Frauen in zentralasiatischen Medien arbeiten. Insgesamt konnten nur zwei Männer aus Usbekistan die Auswahlrunde bestehen. Eine der jüngsten Journalistinnen, Sitora Sodatkulowa aus Tadschikistan, berichtet von ihren ersten Eindrücken: „Wir haben den Begrüßungsabend mit einer kleinen Vorstellungsrunde angefangen. Mir fiel besonders ins Auge, dass ich dort nur Mädels sah. Einerseits hat mich das ein bisschen überrascht, andererseits sind wir aus meinem Land drei Journalistinnen. Der erste Tag war sehr weiblich und unvergesslich“.
Journalisten sollen erst an sechswöchigen Vorlesungen teilnehmen. Der akademische Teil Programms beinhaltet Geschichte, Politik, Bildungssystem und die Medienlandschaft Deutschlands. Außerdem gibt es „Jours fixes“, zu denen Experten aus Politik und Zivilgesellschaft eingeladen werden. Dazu äußert sich Viktoria folgendermaßen: „Die Vorlesungen und Exkursionen sind sehr angemessen ausgesucht. Außerdem ist es für mich sehr interessant und spannend, mit Journalisten des Programms über Themen zu diskutieren, da ich früher nicht mit Journalisten aus anderen GUS-Ländern in Kontakt war. Zudem lerne ich Kolleginnen sowie die Medienlandschaft dieser Länder kennen.“

Besonders hervorragend in diesem Programm ist, dass es den Teilnehmern die Möglichkeit bietet, bei einer Berliner oder Brandenburger Zeitung sechs Wochen lang journalistische Erfahrung zu sammeln. Dieses Praktikum ist für die spätere professionelle journalistische Tätigkeit der Teilnehmer von hoher Bedeutung. Dem stimmt auch Aisulu Alibekowa aus Usbekistan zu: „Ich war Stipendiatin von JIL im Jahr 2014. Bei diesem dreimonatigen Programm lernt man vieles. Ich habe mir wichtige Kenntnisse im Bereich Journalismus, und zwar freier Journalismus, Medienberichterstattung und weitere erworben und während meiner Praktikumszeit bei der MOZ (lokale Zeitung in Frankfurt/Oder) habe ich viel darüber gelernt, wie regionale Zeitungen arbeiten und nebenbei Artikel und Reportagen für sie geschrieben. Es gab noch ein Projekt, das wir zusammen mit der Axel-Springer-Akademie durchgeführt haben. Dank all dieser Veranstaltungen habe ich ein objektives und kritisches Denken entwickelt und mich weitergebildet.“

Turonbek Kozokov

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