Im Juli findet in Almaty zum ersten Mal das in Russland schon traditionelle Rockfestival „Naschestwije“ („Invasion“) statt. Einige der bekanntesten russischsprachigen Rockgruppen werden erwartet. So auch „Krematori“ („Krematorium“), die seit 20 Jahren bestehen. Die DAZ sprach mit Bandleader Armen Grigorjan über die Erwartungen, die er an das Rockfestival knüpft, und über die Band selbst.

DAZ: Armen, „Krematori“ nimmt auch am Festival „Naschestwije“ teil. Was erwarten Sie sich von Ihrem Auftritt in Almaty?

Armen Grigorjan: Ich bin sicher, dass es gut wird. Ich war vor zwei Jahren schon einmal in Kasachstan. Zuerst in Pawlodar, da hat es mir überhaupt nicht gefallen. Die Musiker waren betrunken, und die Organisation des Konzerts war schrecklich. Später habe ich Semipalatinsk besucht. Wir haben zwei Stunden in einem Sportstadion gespielt. Es regnete, aber trotzdem blieben die Zuschauer. Alle waren zufrieden. Und jetzt bin ich wieder in Kasachstan, und mir gefällt es hier. Almaty ist jetzt eine moderne Stadt. Grenzen zwischen Menschen existieren immer, aber die Musik kennt keine Grenzen. Musik baut Grenzen ab und vereint die Leute.

DAZ: Können Sie sich daran erinnern, warum Sie der Gruppe diesen Namen gegeben haben?

Grigorjan: Zuerst hatten wir gar keinen Namen. Ein ehemaliges Bandmitglied interessierte sich für die Erzählungen des Schriftstellers Edgar Alan Poe. Unseren Namen haben wir dieser Begeisterung zu verdanken. Aber ehrlich gesagt, ist es ziemlich unwichtig, wer „Krematori“ erdacht hat. Wichtig ist, dass wir leben und dass unsere Lieder geliebt werden!

DAZ: Denken Sie, dass Ihre Vorstellungen von der Entwicklung der Band in Erfüllung gegangen sind?

Grigorjan: Ja und nein. Ich freue mich, dass ich gut leben kann, ich darf mich über nichts beklagen. Ich habe fast alles, was ich möchte. Aber unser Leben ist unvorhersehbar wie eine Reise, und sicher erwartet uns in der Zukunft noch einiges Interessante. Jeder Mensch ist wie Kolumbus. Keiner von uns weiß, wohin das Boot wirklich führt.

DAZ: Wann schreiben Sie Ihre Lieder?

Grigorjan: 90 Prozent meiner Lieder habe ich frühmorgens geschrieben. Ich bin meinen Träumen dankbar. Den Inhalt meiner Träume hören Sie in meinen Liedern.

DAZ: Sie sind einer der dienstältesten Rocksänger in Russland. Wie sehen Sie die Musik des Nachwuchses in der Musikszene?

Grigorjan: Heute gibt es sehr wenig wirklich starke neue Musiker.

DAZ: Besonders, wenn Frauen Musik machen?

Grigorjan: Nein! Ich liebe alle Frauen und habe nichts dagegen. Ich meine, wenn in Russland etwas heilig ist, dann sind es die Frauen!

DAZ: Und was die Kritik anbetrifft…

Grigorjan: Kritik muss man sehr differenziert betrachten. Es gibt die, die uns hilft. Aber viele Journalisten schreiben Rezensionen über Alben, ohne etwas darüber zu wissen, ohne ein einziges Lied gehört zu haben. Oder sie machen eine Reportage über ein Rockkonzert, das sie nicht besucht haben. So zeigen sie lediglich, dass sie nicht professionell arbeiten. Und das ärgert mich!

DAZ: Was ärgert Sie noch an anderen Menschen?

Grigorjan: Dass viele Sänger auf Konzerten nur noch Playback singen. Das ist schrecklich! Ich respektiere anständige Menschen. Ich weiss, wie man einen Menschen kennenlernt. Man muss mit ihm trinken. Betrunkene zeigen sich.

DAZ: Sind Sie mit anderen Rocksängern befreundet?

Grigorjan: Ich würde nicht von Freunden sprechen. Sie sind meine Kollegen. Ich sage nie etwas Schlechtes über sie. Sie machen ihre Arbeit so, wie sie wollen. Und ich achte andere Musiker.

DAZ: Gefällt Ihnen moderne Rockmusik?

Grigorjan: Wir haben noch viel zu tun, bis unsere Musik weltbekannt wird. Wir lieben italienische oder französische Musik, aber wir verstehen diese Sprachen gar nicht, wir verstehen nicht, worüber dort gesungen wird. Und ich will, dass unsere Musik auch anderen gefällt, die die russische Sprache nicht verstehen!

DAZ: Vielen Dank für das Gespräch!

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