Die deutsch-kasachische kulturelle Zusammenarbeit ging Anfang dieser Woche bei einem Kurzfilmfestival neue Wege. Unter dem Motto „Kurz und Gut“ wurde jungen Künstlern beider Länder die Möglichkeit gegeben, ihre Werke zu präsentieren.

Der Mann einer alten Dame hat Geburtstag. Sein sehnlichster Wunsch ist es, zu diesem Anlass wieder einmal echten Bohnenkaffee zu trinken, der 1952 in der DDR einfach nicht zu kriegen ist. So macht sich also seine betagte Gattin auf, ein Päckchen Kaffee über Westberlin nach Leipzig zu schmuggeln, denn ihre Nichte hat ja gesagt: „Die kontrollieren doch nicht im Zug!“

Natürlich kontrolliert man doch im deutschen Kurzfilm von Ingo Rasper, der auf einer wahren Begebenheit beruht und die Absurdität des Eisernen Vorhangs vor Augen führt. Allzuviel Publikum zog es Anfang dieser Woche ja nicht ins Kino „Cäsar“ in der Furmanow-Straße, als beim Kurzfilmfestival „Kurz und Gut“ ausgewählte kasachische und deutsche Filme gezeigt wurden. Das ist schade, denn die Veranstaltung des Goethe-Instituts Almaty konnte mit einigen kleinen Meisterwerken punkten. Geboten wurden jeweils vier Beiträge aus beiden Ländern, darunter auch „Zwei kleine Würstchen“, die deutsch-kasachische Zusammenarbeit, die bei einigen internationalen Festivals im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt hatte. Der Vergleich zwischen Kasachstan und Deutschland fiel jedoch letzten Endes zugunsten der BRD aus. Die deutschen Kurzfilmer glänzten mit Humor, wie in „Meine Eltern“, „Dufte“ und „The Day Winston Ngakambe came to Kiel“, oder auch mit ausgefeilter Technik, die „annaottoanna“ zu einem visuellen Erlebnis machte. In diesem Kunstfilm muss der Protagonist vorwärts durch eine sich rückwärts bewegende Welt, unerbittlich zurück bis zum Morgen, an dem er sich von seiner Partnerin getrennt hat. Die verstörend wirkenden Bilder einer Liebe in der Großstadt fesselten und zogen den Zuschauer in ihren Bann, ohne jedoch eine Lösung anzubieten.

Afrikanische Entwicklungshilfe und kasachische Brautwerbung

Bei den kasachischen Beiträgen stachen „Anti Romantika“, eine eindringliche Beschreibung der Beziehung zwischen einer Hure und ihrem Freier, und „How to steal a bride“ heraus. Letzterer war vor allem für jene Zuseher mit europäischem Hintergrund aufschlussreich, denen die Praktik des „Brautstehlens“ völlig unbekannt ist. Mit einem Augenzwinkern beschreibt der Regisseur die Tücken des Brautwerbens in einem kasachischen Dorf. Die kasachischen Kurzfilme waren handwerklich durchaus gut ausgeführt, leider mangelte es ihnen – im Vergleich zu den deutschen Beiträgen – ein wenig an Ideen. Gerade der mit dem Kurzfilmpreis der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung preisgekrönte Film „Zwei kleine Würstchen“ enttäuschte mit einer zu platten und einfachen Geschichte. Ein interessanter Handlungsaufbau wurde durch die märchenhafte Auflösung am Ende verschenkt und liess den Zuseher daher etwas ratlos zurück. Ganz anders im Gegensatz dazu der deutsche Beitrag „The Day Winston Ngakambe came to Kiel“ von Jasper Ahrens, in dem ein Afrikaner sich aufmacht, die Deutschen zu kolonialisieren. Gerade dieses Werk zeigt, wie viel sich auch mit einfachen Mitteln bewerkstelligen lässt. Es wurden keinerlei Spezialeffekte verwendet, es fand nicht einmal ein Schauplatzwechsel statt. Doch die zugrundeliegende Idee machte diesen Beitrag zu einem Highlight des Festivals, er führte den (europäischen) Zusehern geschickt ihre eigene Vergangenheit als Kolonialmächte vor Augen. Zahlreiche Lacher im Publikum zollten dem Einfallsreichtum des Regisseurs Beifall. Äußerst humorvoll war auch Neele Leana Vollmars Film „Meine Eltern“, der die vermeintliche deutsche Spießigkeit zum Thema hatte. Ein junges deutsches Mädchen schämt sich für seine spießigen Eltern und stellt sie ihrem neuen Freund gegenüber als völlig anders dar: „Meine Eltern kiffen den ganzen Tag wie blöde.“ Um ihrer Tochter einen Gefallen zu tun, versuchen die Eltern sich ein wenig aus ihrem festgefahrenen Alltag aus Backen, Heckenschneiden und getrennten Schlafzimmern zu lösen – mit dem Ergebnis, dass auch nach 22 Jahren Ehe der Partner noch so einige Überraschungen auf Lager hat.

Nicht immer kurz und gut

Im kasachischen „Kus urlai“ geht es um drei Freunde, die Geld für einen im Krankenhaus liegenden Kollegen aufzutreiben versuchen. Leider wurde dieser Beitrag nicht übersetzt, so entging dem nicht russischsprachigen Kinogast die Geschichte völlig. Der Kurzfilm zeigte aber auch so wenig Innovatives, die Odyssee der Freunde geriet zu einer Ansammlung von kleineren und größeren Straftaten, die sich fast 30 Minuten lang hinzogen. Die Story hätte eine Straffung gut vertragen können, auch hat der Regisseur sein Ziel, was er dem Zuschauer mitteilen wollte, wohl unterwegs aus den Augen verloren.

Leider wurde das Publikum am Ende des Festivals von den Kinobetreibern durch den Hintereingang hinausgescheucht, so war leider die Chance auf Diskussionen oder Gespräche vertan, obwohl die gezeigten Beiträge sicher genug Stoff geliefert hätten.

21/10/05

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