Nach einem Stopp in Istanbul fiebere ich meiner Ankunft in Almaty entgegen. Obwohl alle Passagiere Platz genommen haben, bleibt die Boeing 737 erst einmal auf dem Boden. In der Kabine um mich herum wird lebhaft miteinander geplaudert. Die gute Stimmung kippt auch nicht von der Tatsache, dass wir erst nach anderthalb Stunden losfliegen und ein Passagier das Flugzeug wieder verlassen muss.

Neben mir sitzt Christoph, ein Dokumentarfilmer aus der Schweiz. Schnell kommen wir ins Gespräch. Er reist mit seiner Kollegin Mascha, die eine Reihe hinter uns sitzt. Mascha verbrachte ihre Kindheit in Kasachstan. Als sie acht Jahre alt war, zog sie mit ihren Eltern nach Deutschland ins Saarland. Nach ihrem Umzug besuchte sie regelmäßig ihre Großmutter in der Nähe von Astana, seit einigen Jahren begleitet sie sie auch mit der Kamera. Für knapp zwei Wochen sind die beiden im Land unterwegs. Christoph, der noch nie in Kasachstan war, strahlt, als er mir ihren Drehplan eröffnet. Partyszene in Almaty, Besuch eines befreundeten Pferdezüchters in der Steppe, mit dem Zug nach Astana sowie die Besichtigung einer Goldmine sieht er vor. Vielfältig und zugleich stressig klingt der – nach deutscher Manier – eng getaktete Zeitplan. Beim Lesen des Drehplans steigert sich auch bei mir die Vorfreude auf mein baldiges Zuhause.

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Währenddessen macht sich Mascha mit ihrer kasachischen Sitznachbarin Maria bekannt. Es stellt sich heraus, dass die Almatynerin einen Sohn hat, der am nächsten Tag zum Charyn Canyon fahren möchte, so wie Christoph und Mascha es ebenfalls geplant haben. Ein Anruf genügt, der gemeinsame Ausflug wird festgemacht. „So eine Offenheit, das erlebst du in Deutschland oder in der Schweiz nicht!“, meint Christoph begeistert. Durch den Spalt der Sitze rede ich mit Mascha darüber, dass man in Deutschland zumeist schwerlich mit fremden Menschen einfach so redet und dabei immer etwas auf Distanz bleibt.

Trotzdem sind alle froh, als das Flugzeug irgendwann seine Parkposition verlässt und wir endlich abheben. Die mitteleuropäische Reserviertheit scheint beim Abflug ebenso auf dem Boden zu bleiben. Zu viert stoßen wir auf die Reise nach Kasachstan an. Auf einem normalerweise sonst so anonymen Flug entsteht eine herzliche Atmosphäre. Inspirierende Unterhaltungen ersetzen den eigentlich nötigen Schlaf auf der fünfstündigen Reise. Ausgelassen werden Lebensgeschichten erzählt, Vorstellungen und Wünsche für die anbrechende Zeit festgehalten.

Im Landeanflug erstrahlen die schneebedeckten Gipfel Almatys im Morgengrauen. Die Sicht auf die alte Hauptstadt ist klar. Als die Räder aufsetzen, singt Mascha gut gelaunt „Kasachstan, oh Kasachstan!“. Wir rollen vorbei an alten Militärmaschinen, bis der Flughafen erscheint. Nach einer gefühlten Ewigkeit an der Passkontrolle trennen sich unsere Wege.

In der Ankunftshalle erwartet mich ein Taxifahrer, den meine zukünftige Mitbewohnerin organisiert hat. Er hält ein Schild mit meinem Namen hoch und begrüßt mich herzlich: „Willkommen in Kasachstan!“

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