Edgar Seibel

Die Unternehmerin Natalja Kasperskaja (53) ist eine der reichsten Russinnen. Und sie ist ethnische Deutsche. Die Ex-Frau des Computerviren-Experten Jewgeni Kaspersky und Mitbegründerin von Kaspersky Lab heißt mit Mädchennamen Stuzer, und entstammt einer deutschen Familie, die im späten 18. Jahrhundert nach Russland emigriert war.

Den Namen Kaspersky kennt man vor allem durch das gleichnamige Antivirenprogramm. Im Jahr 1997 riefen Natalja und ihr damaliger Mann das IT-Sicherheitsunternehmen Kaspersky Lab ins Leben. Seit Oktober 2007 ist sie Geschäftsführerin der Unternehmensgruppe InfoWatch. Sie gilt mittlerweile nicht nur als eine der reichsten Frauen der Russischen Föderation, sondern auch als eine der einflussreichsten Personen in der russischen IT-Branche. Im Jahr 2013 schätzte das Wirtschaftsmagazin Forbes ihr Vermögen auf rund 220 Millionen US-Dollar; im Jahr 2015 wurden 270 Millionen Dollar genannt. Sie steht auf Platz 1 der „Top 20 Women in Business in Northern Europe“ (Nordic Business Report) und ist zudem auf Platz 4 der Top 10 der erfolgreichsten Unternehmerinnen Russlands gelandet.

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Von April 2008 bis März 2012 war Natalja Vorstandsmitglied der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) und gehörte damit zu den beiden ersten Vertretern von russischen Unternehmen im Vorstand der AHK. In einem 2017 veröffentlichten Interview der Frauenzeitschrift „marie claire“ sagte sie: „Die Liebe zum Risiko und Geld sind die Grundqualitäten eines Unternehmers.“

Am 05. Februar 1966 in Moskau geboren, studierte Natalja Stuzer von 1984 bis 1989 am Moskauer Institut für Elektronik und Mathematik. Ihre Karriere im IT-Bereich begann im Alter von 28. Stuzer wurde Verkäuferin von Software in einem Shop des wissenschaftlich-technischen Zentrums KAMI. Im September 1994 übernahm sie als Managerin die Verbreitung des Virenschutzprogrammes AVP (AntiViral Toolkit Pro), später in Kaspersky Anti-Virus umbenannt. Bereits seit 1991 arbeitete Jewgeni Kaspersky an dem Programm. Natalja gelang die erfolgreiche und die Grenzen Russlands überschreitende Verbreitung.
Aus Nataljas erster Ehe mit Jewgeni Kaspersky, mit dem sie von 1987 bis 1998 zusammen war, gingen zwei Söhne hervor; aus zweiter mit Ehemann Igor Aschmanow drei Töchter. Beruflich ist Aschmanow ebenfalls auf Informationstechnologie und Softwareentwicklung sowie auf künstliche Intelligenz spezialisiert.

Im Frühjahr 2011 ereignete sich für Kasperskaja eine wahre Tragödie: Ihr Sohn, der damals 20-jährige Iwan, wurde auf dem Weg zur Arbeit im Moskauer Bezirk Strogino gekidnappt. Die Entführer verlangten von den Eltern ein Lösegeld in Höhe von drei Millionen Euro. Die Sache ging gut aus: Nach fünf Tagen wurde Iwan durch den russischen Geheimdienst befreit. Die insgesamt fünf Entführer konnten festgenommen werden.

Die deutsche Herkunft

Die Geschichte Nataljas deutscher Vorfahren in Russland beginnt mit einem Kaufmann namens Jakob Stutzer (ursprünglich noch mit «tz» geschrieben; gestorben um 1708), der aus der Stadt Ehrlich im damaligen Preußen (Regierungsbezirk Breslau) ins Russische Reich ausgewandert waren. Nataljas Ur-Ur-Großvater Iwan (1852-1900), Sohn von Johann und Augusta Stuzer, war Professor an der Lomonossow-Universität von Moskau und Verfasser eines Erdkundebuchs. Natalja Kasperskajas Vater, Iwan Stuzer, Sohn des Mikrobiologen Michail Stuzer und der Chemikerin Natalja Fiedler, war als Laborleiter tätig. Die Mutter Jewgenia arbeitete als Ingenieurin.

Ihre Freizeit verbringt Kasperskaja nach eigenen Angaben nicht immer am Computer, sondern mit Skilaufen, Snowboarden oder dem Sammeln von Briefmarken und alten Münzen. Neben ihrer Muttersprache Russisch spricht Natalja Englisch und – wie könnte es anders sein – auch Deutsch.

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