Welche Folgen hat der Klimawandel für Zentralasien? Dieser Frage ging am Montag eine Konferenz anlässlich der Eröffnung des „Central Asia Sustainable Innovation Bureau“ (CASIB) in Almaty nach. Gekommen waren Stakeholder aus der Region und aus Deutschland, die die Probleme, aber auch Lösungsansätze aufzeigten.

Katharina Jendny, Karina Turan

Das Projektbüro wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eröffnet. BMBF-Vertreterin Anett Schwarz unterstrich die Wichtigkeit, gemeinsam gegen den Klimawandel vorzugehen, da dieser sich auf Ökosysteme und Menschen auswirke und nicht nur zu Dürre, sondern auch zum Verlust der Biodiversität führe. Die Fördermaßnahme Client II habe mehr als 100 Millionen Euro für Forschung zu nachhaltiger Entwicklung zur Verfügung gestellt. Derzeit seien in der Region bereits zehn Projekte in Höhe von 13 Millionen Euro gefördert und weitere 19 Projektvorschläge eingereicht worden. Mit dem Projektbüro in Almaty gebe es nun eine dauerhafte Vertretung in der Region. „Zentralasien ist eine junge wachsende Region”, so Schwarz. Almaty sei angesichts seiner starken Wissenschaftskultur und der blühenden Start-Up-Szene der ideale Standpunkt dafür.

“Die Landdegradierung ist ein Opfer des Klimawandels, aber auch ihr Treiber”

Niels Thevs. Foto: Galciers2Aral

Ein wichtiges Diskussionsthema der Konferenz war die nachhaltige Landwirtschaft in Zeiten des globalen Wandels. Bevölkerungswachstum, Ernährungssicherheit, Klimawandel, Biodiversität und die Konkurrenz um natürliche Ressourcen seien als die großen Herausforderungen unserer Zeit anzusehen, sagte . Er betonte die Notwendigkeit der „länderspezifischen Landbewirtschaftung”. Denn: „Unterschiedliche Länder, haben unterschiedliche Probleme und benötigen unterschiedliche Lösungsansätze“, so Guggenberger.

Saranges Machmudowa, nationale Koordinatorin des Sekretariats für Agrarreformen des Landwirtschaftsministeriums Tadschikistan, bemängelte vor allem die veralteten Geräte und Technologien in Tadschikistan, die zu geringen Erträgen der Landwirtschaft führten. Sie lobte aus diesem Grund die starke internationale Partnerschaft und hob die Relevanz der Reformprogramme hervor, die bis 2020 umgesetzt werden sollen. Ziele seien die Verbesserung der Bodenqualität durch den Anbau von Zwischenfrüchten, die Diversifikation von Landwirtschaft, die Verbesserung der Agrarwirtschaft des Landes sowie die Wiederherstellung der Viehweiden, die auf Grund der Wüstenbildung sterben.

Der Vertreter des World Agroforestry Centre (ICRAF) Kirgisistan, Niels Thevs, beleuchtete das Problem der Versalzung der Böden und schlussfolgerte: „Die Landdegradierung ist ein Opfer des Klimawandels, aber auch ihr Treiber.” Durch die Gletscherschmelze komme es zu einer Verringerung der Wasserflüsse, die folglich zu massiven Problemen in der Landwirtschaft führten.

Saltanat Rachimbekowa von der Koalition für Grüne Wirtschaft in Kasachstan berichtete vom Projekt „Grüne Brücke”. Es ist bisher das einzige Projekt zu diesem Thema hierzulande und wurde von zwölf Staaten unterstützt. Für 2020 sind neue Projekte geplant. Im Fokus sollen dabei Energieeinsparung, nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft und die Verbesserung der Sortierung und Entsorgung der Haushaltsabfälle stehen. Notwendig hierfür sind die Beteiligung der Bevölkerung, Technologien mit geringem Kohlenstoffdioxidverbrauch sowie umweltschonender Ackerbau.

Assiya Kulmagambetowa, Vertreterin des Science Funds Kasachstan, erklärte, dass auch kleine Projekte bei ihnen eine Chance hätten, gefördert zu werden. Dabei käme es vor allem auf die Anwendbarkeit der Projekte an. Zu beachten sei, dass ein Projekt gesetzlich nicht länger als drei Jahre dauern und nicht von mehr als sieben Personen durchgeführt werden dürfe. Zudem solle die Projektsumme nicht 300 Millionen Tenge übersteigen. Hauptthemen sollten grüne Energie und Energieeinsparungen sein.

Klimaanpassung, Land- und Ressourcenmanagement

Tobias Meinel, Leiter der Firma „Amazone“ in Nur-Sultan, erklärte, dass das Siegel „Made in Germany” in der Vergangenheit ausgereicht hätte, sich dies jedoch verändert habe: Produkte müssten sich heutzutage an die Bedürfnisse der Käufer anpassen. Seit 2006 arbeiten sie am Projekt “Rekks” in Sibirien und Kasachstan. Das Projekt visiert eine passgenaue Nährstoffplatzierung an, indem selektiver Pflanzenschutz sowie flüssige Düngemittel herangezogen werden.

Georg Guggenberger. Foto: Institut für Bodenkunde der Leibniz-Universität-Hannover

Darüber hinaus, ergänzte Guggenberger, befasse sich „Rekks” mit der Thematik des Trockenfeldanbaus. Steppenböden sollen durch das Projekt fruchtbar gemacht werden, wobei die Zusammenarbeit mit Landwirten essentiell ist. Wichtig sei auch die Etablierung neuer Technologien und Umweltanalytik. Zu diesem Zweck soll in zwei Monaten ein gemeinsames Labor in Kasachstan eröffnet werden, das als Anlaufstelle für Farmer dienen sowie Kurse, Seminare und Sommerschulen für Studenten und Dozenten anbieten soll.

Maxim Skrynnik von „KazHemp Kasachstan“ stellte ein Projekt zur Textil- und Zellulosegewinnung aus Hanf vor. Dies sei günstiger als herkömmliche Methoden der Textilproduktion. Forschungsinstitute in Deutschland haben herausgefunden, dass bis 2035 ein Mangel an Naturfasern in Höhe von fünf Milliarden Tonnen vorherrschen werde. Hanf sei eine Möglichkeit, diesen Bedarf zu kompensieren, so Skrynnik. Das Projekt wird gemeinsam mit dem Kooperationspartner „Sachsenleinen” durchgeführt, dessen Ziel die Förderung des Wachstums und die Verarbeitung von Naturfasern ist.

Magdalena Lauermann, Vertreterin des Lehrstuhls für Angewandte Physische Geographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt stellte das Projekt „ÖkoFlussPlan”, vor. Es startet am 1. August und umfasst ein 250.000 km² großes Gebiet, mit einer Länge von 700 km in Kirgisistan. Auf Grund einer geplanten Staudammkaskade wird sich die Natur in diesem Gebiet stark verändern. Das Projekt wird sich mit den Fragen: „Wie funktioniert das Ökosystem”, „Wie ist die Biodiversität vor Ort?” und „Wie ist die Nutzung der Auwälder?” befassen. Des Weiteren wolle man herausfinden, wie man Energie nutzen könne, ohne das Ökosystem aus dem Gleichgewicht zu bringen, und wie zerstörte Gebiete wiederhergestellt werden könnten, erklärte Lauermann.

„Energie muss bezahlbar sein”

Thomas Helm, der Leiter des Länderbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kasachstan hielt eine Präsentation zum Stand der erneuerbaren Energien in Deutschland und Kasachstan. Bis 2035 sollen in Deutschland 60 Prozent des elektrischen Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen werden; in Kasachstan soll dieser Wert bis 2050 bei 50 Prozent liegen. Derzeit stamme der Strom aus deutschen Steckdosen zu 29 Prozent aus erneuerbaren Energien, vor allem aus Windenergie und Biomasse. In Kasachstan seien hingegen 2018 allein in der Region Pawlodar 94 Millionen Tonnen Steinkohle verbrannt worden.

Entscheidend sei es, Energiesicherheit in Kasachstan zu ermöglichen und diese sowohl umweltschonend als auch bezahlbar zu machen, so Helm. Das Land habe im Süden ein großes Potenzial für Solarenergie, Ähnliches gelte für die Windenergie. Der Leiter des KAS-Länderbüros bemängelte ferner die Heizkostensituation in Kasachstan, wo sich der Preis pro Quadratmeter berechne. Dies sei „eine Einladung zur Verschwendung”, so Helm. Es müsse ein realistisches Marktmodell mit lenkungswirkendem Effekt entwickelt werden, um in Zukunft ressourcenfreundlich heizen zu können.

Zentralasien steht vor großen Herausforderungen, denen sich die einzelnen Länder gemeinsam stellen müssen. Nicht nur die Biodiversität steht auf dem Spiel, sondern auch das Wohl der Bevölkerung, die mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen hat. Die Eröffnung des BMBF-Projektbüros „CASIB“ in Almaty ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

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