Zur Eröffnung des neuen Goethe-Instituts kamen Besucher von nah und fern nach Almaty. Das Ereignis inspirierte zahlreiche Begegnungen – darunter bayerische Hackbrettmusik mit traditionellen kasachischen Klängen.

Es ist gedrängt voll in der fünften Etage des Geschäftszentrums „Premium“ in der Naurysbai-Batyr-Straße 31. Fast die komplette deutsche Gemeinschaft Almatys ist anwesend, viele Deutschlerner und Interessierte sind gekommen. Nachdem eine Gruppe von Schülern des Goethe-Preisträgers Bolat Atabajew ein Ständchen gesungen hat, schreiten der deutsche Botschafter Guido Herz, Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts sowie Igor Mussalimow als Vertreter des kasachischen Außenministeriums in Almaty zur Tat. Gemeinsam durchschneiden sie ein grünes Band, und das neue Goethe-Institut in Almaty ist endlich auch offiziell eröffnet.

Kurse fanden in dem neuen, erdbebensicheren Gebäude freilich schon seit einigen Monaten statt – nach Auskunft von Institutsleiterin Barbara Fraenkel-Thonet mit beinahe so vielen Schülern wie am alten Standort. Und vor der offiziellen Einweihung hatte die interessierte Öffentlichkeit sich bereits einen ganzen Tag lang mit dem neuen Gebäude vertraut machen können. Geboten wurde den Besuchern ein buntes Programm aus Workshops, Projektpräsentationen und Führungen durch Bibliothek und Sprachlernzentrum.

Ein alter Bekannter

Aus Deutschland angereist war neben Johannes Ebert vom Goethe-Institut auch der Generalsekretär des Stuttgarter Instituts für Auslandsbeziehungen (Ifa) Ronald Grätz, der in eine von seinem Haus gestellte Auswahl zeitgenössischer Gemälde aus Deutschland einführte. Den Weg nach Almaty hatte auch ein alter Bekannter gefunden: Richard Künzel hatte sechs Jahre lang das Goethe-Institut in Almaty geleitet, bevor es ihn für weitere sechs Jahre nach Manila auf den Philippinen zog.

Künzel stellte ein von ihm initiiertes Projekt vor: die „Kasachisch-deutsche Lyrik“, in deren Rahmen erstmals Gedichte aus dem Kasachischen ins Deutsche und umgekehrt ohne den Umweg über die russische Sprache übersetzt wurden. Mit Künzel anwesend war der kasachische Dichter Iran-Gayip, der die Werke seines deutschen Kollegen Gert Heidenreich auf Kasachisch nachgedichtet hatte. Um es zu genießen, dem Poeten Iran-Gayip zuzuhören, musste man kein Kasachisch verstehen. Er hat das, was man Charisma nennt: Obwohl er seiner Übersetzerin und auch dem Gesprächsleiter immer wieder ins Wort fiel, wirkte er nicht unsympathisch. Im Gegenteil: als er dann seine eigenen Gedichte vortrug, die er nicht vom Blatt ablesen musste, riss er die Zuhörer mit der Leidenschaft in seiner Stimme mit.

Während sich bei Iran-Gayip im Klassenraum „Weimar“ vor allem erwachsenes Publikum versammelt hat, sind es im Veranstaltungssaal des Goethe-Instituts Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 16 Jahren, die der Autorin Ute Krause lauschen. „Stellt euch einen ganz gefährlichen Drachen vor“, fordert Krause ihr Publikum auf. „Und jetzt stellt ihn euch viermal so gefährlich vor.“ Die Geschichte „Oskar und der sehr hungrige Drache“ handelt von einem kleinen Jungen, der versucht, sich durch seine Kochkünste davor zu retten, von einem Drachen gefressen zu werden. Mit ihrer lebhaften Erzählweise gelang es Krause, auch die älteren unter ihren Zuhörern zu fesseln und zum Lachen zu bringen.

Karikaturen und Erinnerungskultur

Weitere Höhepunkte des Tags der offenen Tür beim neuen Goethe-Institut waren ein Karikaturenworkshop mit dem französischen Comiczeichner Nicolas Journoud, der bereits seit einigen Jahren in Almaty lebt, und Workshops des Dichters Timo Brunke für Deutschlehrer und –lerner. Goethe-Sprachassistentin Tanja Walow führte ein Seminar zum Einsatz von Werbespots in Deutsch als Fremdsprache-Unterricht durch. Um Erinnerungskultur ging es bei einem Seminar ihres Kollegen Maxim Menschenin aus Karaganda.

Der lange Eröffnungstag im Goethe-Institut endete mit einer Aufführung des Theaters ArtiSchok. Dabei musste insbesondere das männliche Publikum im Saal es hinnehmen, dass viele Lacher bei den Sketchen der drei Schauspielerinnen auch auf seine Kosten gingen. Die Feierlichkeiten zur Eröffnung des Goethe-Instituts waren damit jedoch nicht abgeschlossen. Am Folgetag kam Ifa-Generalsekretär Ronald Grätz, mit einigen Studenten der Deutsch-Kasachischen-Universität (DKU) zu einem runden Tisch zusammen. Dort wurde angeregt über den Begriff der Kultur sowie über die Aufgaben von Kulturpolitik aus deutscher und kasachischer Sicht diskutiert.

Den krönenden Abschluss der Feierlichkeiten bildete jedoch das Konzert des bayerischen Ensembles Zapf & Zapf’nstreich im Kurmangasy-Konservatorium. Auf Hackbrett, Gitarre, Kontrabass und Saxophon führten die vier Musiker um Namensgeber Rudi Zapf durch ein buntes Programm der Weltmusik und konnten dabei doch immer wieder Bezüge zu heimatlichen bayerischen Rhythmen herstellen. Gemeinsam mit Musikern des Konservatoriums spielten sie auch zwei Stücke des kasachischen Nationaldichters Abai, dessen Name in Zapfs bayerischem Dialekt wie „Abbai“ klang.

Für die musikalischen Einflüsse aus aller Herren Länder brauchte es für Rudi Zapf nicht erst die Konzertreisen, die ihn seit Jahrzehnten in alle Welt führen: bereits in seiner Heimatstadt München, der „Weltstadt mit Herz“ fand er all die Klänge vor, die seine Musik prägen sollten. Die Liebe zum bayerischen Hackbrett führt er dagegen auf frühe Erfahrungen im Mutterleib zurück, als seine Mutter das Instrument während der Schwangerschaft erlernte. Mit seiner Symbiose aus Volks- und Weltmusik erntete der Musiker in Almaty stehende Ovationen, die er schmunzelnd mit „in Deutschland bleiben die Zuschauer gewöhnlich sitzen“ kommentierte.

Von Emilie Caissier und Robert Kalimullin

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