Vor mehreren Jahren wurde in Kasachstan das sogenannte chilenische Modell der Rentenversorgung eingeführt und als großer Schritt zur Stabilisierung der Rentensicherung gefeiert. Nach diesem Modell sind 10 Prozent des Brutto-Einkommens auf ein individuelles Konto bei einer der im Moment 16 Pensionskassen abzuführen. Diese legen diese Beiträge in Wertpapieren an und vermehren die eingezahlten Beiträge entsprechend bis zum Beginn des Rentenalters. Die zentrale Bedingung für ein wirksames Funktionieren dieses Systems ist jedoch bis heute nicht gegeben: Es fehlt nach wie vor ein ausreichend großer Wertpapiermarkt.
Die Pensionskassen haben also große Mühe, das Geld ihrer mehr als sechs Millionen Mitglieder auch anzulegen. Staatsanleihen sind fast das einzig verfügbare Anlageinstrument, aber weder in Menge noch in Verzinsungsqualität sind sie ausreichend. Die hohe Inflation tut ihr Übriges und hat in den letzten beiden Jahren bewirkt, dass die Zuwächse der Guthaben in Kaufkraft gemessen negativ waren. Für die vom Staat zwangsweise zur Teilnahme an diesem Rentensysten Verdonnerten ist das also ein Minusgeschäft mit hohem Risiko im Rentenalter, und für den Staat entsteht längerfristig das Problem großflächiger Altersarmut und der Bedrohung der sozialen Stabilität. Geredet wird darüber allerdings genug. Es gab bisher auch genügend Versprechen und Pläne zur Aktivierung des Wertpapiermarktes. Nur reale Fortschritte gibt es kaum. Diese sind auch nicht ganz einfach zu bewerkstelligen. Der Staatshaushalt weist infolge der hohen Steuereinnahmen aus den Ölgeschäften nur ein geringes Defizit aus, so dass die Notwendigkeit der Emission von Staatsanleihen gering ist. Unternehmen finanzieren sich noch sehr zurückhaltend über die Emission eigener Unternehmensanleihen oder über den Aktienmarkt. Die Geldschwemme durch die hohen Zuflüsse aus den Petrodollars verhindert zudem eine nennenswerte Nachfrage nach den freien Mitteln der Pensionskassen für die Finanzierung von Investitionsprojekten. Die Lage ist also mindestens verzwickt. Wahrscheinlich bleibt kein anderer Ausweg, als das an und für sich richtige Projekt zu korrigieren. Vielleicht muss der Staat doch aus Haushaltsmitteln eine Grundversorgung im Rentenalter sichern und die Mittel aus den Pensionsfonds garantieren eher ein normales Lebensniveau. Einige südamerikanische Staaten haben ihre vergleichbaren Systeme schon in dieser Hinsicht korrigiert.

02/12/05

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