Anna-Lena Hönig, Othmara Glas

Studieren in Deutschland ist attraktiv: In den meisten Bundesländern gibt es keine Studiengebühren und im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern sind die Lebenshaltungskosten relativ gering. Doch nicht nur ein Austauschsemester oder ein komplettes Bachelor- oder Masterstudium im Ausland machen sich gut im Lebenslauf. Wer höhere Ziele hat, denkt über eine Promotion nach. Und warum sollte die nicht auch in Deutschland gelingen?

Ein Informationstag  des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) versuchte Anfang Oktober in Astana, die wichtigsten Fragen rund um das Thema Promovieren in Deutschland zu beantworten. Eins vorab: Auch dort werden mittlerweile viele Dissertationen auf Englisch verfasst. Kenntnisse der deutschen Sprache sind also ein Plus für das Leben und Promovieren in Deutschland, aber bei Weitem kein Muss.

Promovieren in Deutschland
DAAD-Leiter Bartholomäus Minkowski spricht über die Chancen einer Promotion in Deutschland. | Bild: DAAD Kasachstan

Der Leiter des DAAD-Informationszentrums in Almaty, Bartholomäus Minkowski, führte einige Gründe an, wieso man überhaupt in Deutschland promovieren sollte: Erstens ist Promovieren in Deutschland nahezu überall kostenlos. Zweitens sind die Qualität und Quantität der Research Schools und Forschungsinstitute sehr hoch. Ein drittes, nicht zu unterschätzendes Argument ist Deutschlands Lage in Europa und die feste Einbettung in die internationale Forschungslandschaft der westlichen Welt. Damit bestehen nach einer Promotion sowohl die Möglichkeit, nach Kasachstan zurückzukehren und die Forschung im eigenen Land zu fördern oder seine Forscherkarriere international fortzusetzen.

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Wie finde ich einen Betreuer?

Eine der am häufigsten gestellten Fragen bei dem Seminar war, wie man überhaupt einen Betreuer für das eigene Promotionsvorhaben in Deutschland finden könne. Die Empfehlung der eingeladenen Experten war es,  Gastvorträge von ausländischen Professoren zu besuchen und so mit diesen ins Gespräch zu kommen. So hat beispielsweise Bibinur Schupejewa ihren späteren Doktorvater kennen gelernt. Sie hat am Institut für Mathematik der Freien Universität ihre Doktorarbeit geschrieben. Heute ist sie Dozentin an der Nasarbajew-Universität in Astana. Andere Möglichkeiten, die passende Promotionsstelle zu finden, sind Publikationen, Konferenzprogramme oder einschlägige Mailinglisten. Die Kontaktaufnahme zu den Professoren kann dann auch über die wissenschaftlichen Mitarbeiter erfolgen. Promovierende der jeweiligen Professoren beziehungsweise Studenten  im jeweiligen Promotionsprogramm können dabei eine gute Informationsquelle sein.

Richtig zitieren

Hat man einen geeigneten Professor oder ein entsprechendes Programm gefunden, folgt der zweite Schritt: die Bewerbung. Bei dem sogenannten Research Proposal geht es nicht nur darum, sein Forschungsvorhaben zu präsentieren, sondern auch die persönliche Qualifikation für die Promotion zu zeigen. Ein Knackpunkt für ausländische Bewerber ist dabei häufig die Einhaltung wissenschaftlicher Standards, die korrekte Verwendung von Zitaten und Quellenangaben.

Promovieren in Deutschland
Anna-Lena Hönig erklärte, warum Plagiieren keine Lapalie ist. | Foto: DAAD

In ihrem Vortrag gab Doktorandin Anna-Lena Hönig von der Universität Mannheim einen Überblick zum akademischen Schreiben. Sie selbst arbeitet an einem Forschungsprojekt zum Thema Kooperation von Gruppen unter staatlicher Beobachtung in Kasachstan. Am Beispiel von Karl-Theodor zu Guttenberg  zeigte sie auf,  warum Plagiieren keine Lapalie ist. Dem ehemaligen deutschen Wirtschafts- und später Verteidigungsminister wurde im Zuge einer Plagiatsaffäre um seine Dissertation im Februar 2011 der Doktorgrad aberkannt. Wenig später legte er alle seine politischen Ämter nieder. Plagiatsvorwürfe schaden also nicht nur der akademischen Integrität. Laut Hönig könne man zwischen zwei Formen des Plagiierens unterscheiden: das absichtliche und das unabsichtliche. Bei letzterem geht es vor allem um schlampige Zitationen oder die Wiederverwertung von bereits veröffentlichten eigenen Ideen, im Prinzip Selbstzitation. Nicht nur bei umfangreichen Promotionsprojekten sondern auch schon beim Schreiben von Bachelor- und Masterarbeiten können Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi, Mendeley oder EndNote helfen, um den Überblick über die Quellen zu behalten.

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Es zählt mehr das Fach als der Ort

Am Ende sollte ein Research  Proposal sowieso mehrmals überarbeitet werden und durch Feedback von Experten, Kollegen und Freunden fortlaufend verbessert werden. Auch die Präsentation des Forschungsvorhabens  bei  Workshops und auf Konferenzen kann hilfreich sen. Bei der Bewerbung sollte zudem nicht das Renommee einer Institution als Bewerbungsgrund anführen. Vielmehr sollten die Bewerber den begrenzten Rahmen nutzen, um zu erläutern, wie die Institution konkret zu ihrem Promotionsvorhaben passt und wie sie für diese eine Bereicherung sein können. Am Ende ist es gar nicht wichtig, wie bekannt eine Universität ist. Relevant ist vielmehr die fachliche Exzellenz. Auch weniger bekannte Universitäten und Standorte sind oft eine gute Adresse. DAAD-Leiter Bartholomäus Minkowski ergänzte, dass außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das Leibniz-Institut oder das Max-Planck-Institut eine deutsche Besonderheit sind. Diese Institute bieten ebenfalls Möglichkeiten zur Promotion.

Finanzierungsmöglichkeiten

Laut Statistischem Bundesamt wurden im Wintersemester 2014/2015 in Deutschland 196.200 Promovierende betreut. Davon kamen 14 Prozent aus dem Ausland. Der DAAD förderte 2017 insgesamt 20 Doktoranden aus Kasachstan über verschiedene Programme. Diese reichen von Forschungsaufenthalten bis hin zu Vollstipendien.

Letztere ermöglichen eine komplette Finanzierung für die Dauer von maximal vier Jahren. Wer sich direkt nach dem Master für ein Promotionsstipendium bewirbt und das durchaus harte Auswahlverfahren erfolgreich durchläuft, erhält 850 Euro im Monat. Wer bereits ein Promotionsstudium begonnen hat, kann mit 1200 Euro im Monat rechnen. Hinzu kommen Leistungen zur Kranken-, Unfall- und Privathaftpflichtversicherung, eventuelle Reisekostenzuschüsse sowie eine einmalige Forschungsbeihilfe.

Obwohl im Vergleich zu anderen Stipendienprogrammen des DAAD weit weniger Bewerber gibt, heißt dies nicht, dass es einfacher ist, ein Stipendium zu erhalten. „Es zählt die Qualität der Bewerbungen“, betont Minkowski. Wenn diese nicht ausreiche, kann es auch schon mal passieren, dass kein Bewerber für ein Stipendium ausgewählt wird. Einen Überblick über Fördermöglichkeiten des DAAD für Doktoranden und solche, die es werden wollen, gibt die Stipendiendatenbank des DAAD.