Servicebewusstsein an kasachischen Hochschulen muss wachsen

Wie kann das Servicebewusstsein in Kasachstan wachsen?
Teilnehmer des Seminars. | Foto: Autorin

Internationalisierung spielt eine immer größere Rolle im Hochschulbereich. Um die Universitäten für diese Aufgabe fit zu machen, veranstaltete der DAAD in Almaty eine Fortbildung für die Mitarbeiter der International Offices.

Globalisierung und Internationalisierung sind Schlagwörter, die derzeit nicht nur Wirtschaft und Politik bestimmen. Auch im Bildungsbereich gewinnen sie immer mehr an Bedeutung. Studierende, die ein Auslandssemester absolvieren, haben nachgewiesenermaßen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Der Ruf einer Hochschule wird heutzutage maßgeblich davon beeinflusst, ob ihre Lehrkräfte in international einschlägigen Fachblättern publizieren und an internationalen Konferenzen teilnehmen.

Aus deutscher Sicht liegt Kasachstan in der akademischen Peripherie. Nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) wurden im Jahr 2016 gerade einmal 68 Personen gefördert, um in dem zentralasiatischen Land zu studieren, zu forschen oder zu lehren. Andersherum kamen 659 Kasachstaner nach Deutschland.

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Servicebewusstsein Kasachstan
Die Speaker des Seminars (v.r.n.l.): Aigerim Kaumenowa, Jens Weber, Aigul Iskakowa und Marscha Tadschijewa. | Foto: Autorin

Dass es an der Internationalisierung der Hochschulen in Kasachstan bisher mangelt, liegt weniger am fehlenden Willen als an bestimmten postsowjetischen Strukturen und Fehlvorstellungen, wie Bildungskooperation erfolgreich umgesetzt werden kann. Aus diesem Grund organisierte der DAAD am vergangenen Dienstag eine Schulung zum Thema „Internationalisierung und Service an den Hochschulen“.

Der Leiter des DAAD-Informationszentrums in Almaty, Bartholomäus Minkowski, sieht die Probleme vor allem in „einem unterschiedlichen Verständnis von Hierarchien und Kommunikationsabläufen sowie einer teils nur moderat ausgeprägten Service-Kultur“. Die Folgen seien weitreichend: „Projekte kommen spät oder überhaupt nicht zustande, Kooperationsvereinbarungen existieren nur auf dem Papier, Möglichkeiten über akademischen Austausch oder Stipendien werden nicht wahrgenommen.“

Am Ende wenden sich beide Seiten enttäuscht voneinander ab. Die Lösung liege in einem Mentalitätswandel, meint Minkowski, „bei dem Universitätsangehörige und die Universität per se als offenes, transparentes und leistungsorientiertes Gebilde angesehen werden“.

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13 Vertreter von vier Almatyner Hochschulen waren zu der Fortbildung erschienen. In verschiedenen Vorträgen erfuhren sie, welche Dos und Don’ts es in der Hochschulzusammenarbeit gibt, was der Terminus Service bedeutet und wie man im Team zu gemeinsamen Lösungen kommen kann. So sprach Aigerim Kaumenowa von der Almaty Management Universität über die grundsätzlichen Regeln bei der Internationalisierung von Hochschulen. Eine einfache Handlungsweise ist zum Beispiel das Einhalten von Stichtagen, wenn es um die Einreichung von Anträgen oder Bewerbungen geht.

Jens Weber, Generaldirektor einer großen Restaurant- und Hotelkette in Almaty, gab anhand von anschaulichen Anekdoten Einblick in die aus deutscher Sicht fehlende Servicementalität in Kasachstan. Sei es ein Einkauf im Supermarkt oder ein Essen im Restaurant: „Kasachstan ist kein Land für Dienstleistungen“, sagte er. In Restaurants geschehe es nicht allzu selten, dass Kellner sich nicht für bestimmte Gäste zuständig fühlen, erst gar nicht reagieren oder die Teller schon abräumen, wenn der Gast noch kaut. „Der Service am Gast endet beim Verlassen des Restaurants, nicht nach dem Servieren des Hauptgangs“, so Weber.

Teilnehmerin Zumrat Sanakulowa. | Foto: Autorin

Dabei ist guter Service das beste Aushängeschild für ein Restaurant, in das Gäste gerne wiederkommen wollen. Dieses Bewusstsein für Marketing muss auch an den Hochschulen ankommen. Wie wichtig ein guter Ruf ist, merken auch die Mitarbeiter der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU) in ihrer täglichen Arbeit. Zumrat Sanakulowa erzählt, wie die DKU derzeit versuche, neue Partneruniversitäten in Deutschland zu finden. „Viele Universitäten wollen nicht mit uns zusammenarbeiten, weil sie uns nicht kennen und wir nur eine kleine Universität sind.“ Dabei merken sie auch, wie wichtig persönliche Kontakte auf der fachlichen Ebene seien. „Wenn ein Professor schon einmal an der DKU war und uns kennt, ist es leichter, den Kontakt mit seiner Universität in Deutschland herzustellen“, so Sanakulowa.

Im letzten Seminar des Tages ging es vor allem um praktische Übungen. Zusammen mit den beiden Dozentinnen Aigul Iskakowa und Marscha Tadschijewa von der Pädagogischen Abai-Universität erarbeiteten die Teilnehmer in Gruppen Strategien für eine erfolgreiche Internationalisierung. Warum das Ganze wichtig ist? „Um Kontakte zu knüpfen, das eigene Universitätsranking zu verbessern und den Wissensaustausch zu fördern“, fassten es die Gruppen abschließend zusammen.