Gesellschaftliche Organisationen und die Regierung können bei der Lösung von Problemen nutzbringend zusammenwirken. Eine Gefahr besteht allerdings Experten zufolge darin, dass NROs zu Unternehmen werden, die nach Geld aus Staatsaufträgen schielen.

Nicht-Regierungsorganisationen (NRO) aus ganz Kasachstan nahmen Ende November an der dritten informellen Konferenz „SocialCamp 2012“ teil. Innerhalb von zwei Tagen führten die Vertreter gesellschaftlicher und staatlicher Einrichtungen Diskussionen zu den Fragen der Zusammenarbeit zwischen NROs, dem Staat und der Wirtschaft. Das Ziel dieser Veranstaltung, in der es keine Vorträge vom Rednerpult gab, sondern nur offene Gespräche über aktuelle Probleme in der Arbeit von NROs, war die Förderung des sozialen Sektors.
Nach der Ansicht des Public Policy-Experten Andrej Jemelin, sind die kasachischen NROs bislang nicht stark. Zu den Ursachen hierfür zählt Jemelin die sowjetische Vergangenheit, in der nur die kommunistische Partei das Recht zur Ausarbeitung und Durchführung sozialer Projekte hatte. „Dieser Ansatz passt schon nicht mehr zur heutigen Realität, aber viele Staatsbeamte halten sich noch an das alte System“, sagte Jemelin während eines Seminars zum Thema „Teilnahme von Nichtregierungsorganisationen an Public Policy“. Dabei sei zu berücksichtigen, dass man unter Public Policy das Zusammenwirken zwischen dem Staat und der NRO und keinesfalls ihre Entgegensetzung verstehen müsse.

NROs greifen nach Staatsaufträgen

Von den bedeutenden Schwierigkeiten, die eine aktive Tätigkeit gesellschaftlicher Organisationen behindern, erzählten die Teilnehmer selbst. „Es gibt sehr viel NROs, die nach allen staatlichen Aufträgen greifen. Dann sind sie allerdings nicht mehr NROs, sondern Unternehmen, die ein eigenes Geschäft betreiben. Sie realisieren diese Aufträge, aber dabei haben sie keine Spezialrichtung und machen keine Analyse, was unprofessionell ist“, so Nasira Madijewa, Leiterin des Zentrums für Förderung der Zuwanderer. Ihrer Meinung nach sind Organisationen, die eine enge Ausrichtung haben, öfter erfolgreich. Aber später, nach der Beendigung des Auftrags, stoßen sie auf ein riesiges Problem: Es gibt eine lange Zeit keine weiteren Aufträge für ihren Kompetenzbereich.

Auch Andrej Jemelin vertrat die Ansicht, dass es an Analysen mangele. Ein Beispiel führte der Expert aus eigener Erfahrung an: der „runde Tisch“ als typische Form für die Suche nach optimalen Entscheidungen in der NRO-Arbeit. „Bei uns betrachtet man den runden Tisch häufig als Möglichkeit, sich einfach zu äußern. Nachdem alle Meinungen geäußert worden sind, ist die Arbeit damit beendet. Ob das Problem gelöst oder nicht gelöst wurde, ist unklar.“ Ein verbreitetes Vorgehen ist daneben das Ausarbeiten von zwei oder drei Meinungen, in denen die Ansichten der Teilnehmer übereinstimmen.

Vom Staatsdienst in die NROs?

Das methodische Handbuch des Zentralasiatischen Informationsnetzes (ZAIN) für staatliche Gremien und NROs empfiehlt für die Entwicklung einer effektiven Zusammenarbeit den NRO-Mitarbeitern, zunächst Berufserfahrung in staatlichen Gremien zu sammeln. Sara Schunussowa, Vorsitzende der Unternehmerorganisation Karaganda, sieht diesen Zugang hingegen kritisch: „Die NROs, die von ehemaligen Staatsbeamten geleitet werden, wirken mehr im Namen des Staates, aber nicht im Namen des Volkes.“

Den Umfragen der Bürgerallianz Kasachstans zufolge bezeichneten nur 7,7 Prozent der Befragten im Jahre 2011 den Einflussgrad von NROs auf die Entscheidungsfindung von Staatsorganen als „bedeutend“. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 28,5 Prozent.
Eine wichtige Rolle in der Steigerung von Effektivität bei der Arbeit spielt auch die Erhöhung der Professionalität von NRO-Mitarbeitern. Nach Angaben des Ministeriums für Kultur und Information der RK führte die im Jahre 2005 begonnene Finanzierung von NROs im Rahmen des sozialen Staatsauftrags zur Entstehung junger Organisationen, die keine Erfahrung und notwendige Fertigkeiten hätten.

Die zweitägige Konferenz wurde vom ZAIN und Nationalen Freiwilligennetz veranstaltet und vom Ministerium für Kultur und Information Kasachstans unterstützt. „Zum Abschluss werden Empfehlungen erarbeitet, dann werden sie staatlichen Gremien übergeben“, sagte Moderatorin der Konferenz, Vera Kim. Sie betonte auch, dass die Partnerschaft mit dem Ministerium in der Organisation der Konferenz bereits von einer effektiven Zusammenwirkung zwischen NROs und Staat zeuge.

Von Xenia Sutula

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