Auf eine interessante und nunmehr lange Vergangenheit blickt sie zurück, die deutsche Schriftstellerin Christa Wolf. Als junges Mädchen erlebte sei den Zweiten Weltkrieg, aber ihre Bücher sind vor allem von den Erfahrungen ihres Lebens in der DDR geprägt. Am 18. März feiert sie ihren 80. Geburtstag.

/Bild: wikimedia commons. ‚Christa Wolf während einer Buchlesung in Berlin-Mitte, März 2007.’/

Schreiben, bekannte Christa Wolf einmal, sei für sie das Interessanteste am Leben. Den Beweis ist sie uns in ihrem langen Schriftstellerleben nicht schuldig geblieben. Ihre Bücher haben die deutsche Literatur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachhaltig mitgestaltet.

Frühzeitig verarbeitete sie in ihren Werken die politischen, sozialen und auch moralischen Konflikte des geteilten Deutschlands (1963: „Der geteilte Himmel“; 1968: „Nachdenken über Christa T.“). Doch auch außerhalb ihrer Bücher meldete sie sich immer wieder in den politischen Debatten des Alltags zu Wort. Als einzige Teilnehmerin stimmte sie 1965 auf einem Plenum des Zentralkomitees – zu dieser Zeit noch als dessen Kandidatin – gegen die restriktive Kultur- und Kunstpolitik der damaligen Parteiführung. 1976 gehörte sie zu den Unterzeichnern eines Protestbriefes gegen die Ausbürgerung des systemkritischen Liedsängers Wolf Biermann aus der DDR, und 1990 stand ihr Name auf der Rednerlis-te einer von 500.000 Menschen besuchten Protestveranstaltung in Berlin.

Abgetrennt und fremd gestellt?

„Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd“, schrieb Christa Wolf in „Kindheitsmuster“.Auch einiges aus Ihrer eigenen Vergangenheit mag ihr heute fremd vorkommen. Anfang März diesen Jahres äußerte sie sich über ihre nach dem Ende der DDR publik gewordene IM-Akte, die sie selbst als „einen Schock“ erlebt habe. Von 1959 bis 1962 hatte die Stasi zu Wolf einen „IM-Vorgang Margarete“, insgesamt aber auch eine mehr als 40-bändige Opferakte geführt. In der 3sat-Sendung „Gero von Böhm begegnet“ sagte sie über die im Rahmen der inoffiziellen Mitarbeit von ihr zu führenden Berichterstattung über das Privatleben anderer Menschen: „Das habe ich nie gewollt, das habe ich denen auch gleich gesagt, dass ich das nicht machen würde. Für mich war es von Anfang an eine Belastung, ich wollte es nicht und wusste zunächst nur nicht, wie ich mich da rausziehen kann.“

Obwohl diese Affäre, wie sie selbst sagt, bestimmt kein Ruhmesblatt in ihrem Leben gewesen ist, hat sie sich mit ihren Büchern beharrlich für einen besseren, einen demokratischen Sozialismus fernab der allein herrschenden Partei eingesetzt.

Auf die Frage, was sie in 80 Jahren über den Menschen gelernt habe, antwortete Wolf in dem Interview mit Von Böhm: „Dass er nicht zu verändern ist. Das war ja wohl unsere größte Illusion, der neue Mensch würde sich entwickeln, wenn die günstigen Umstände es erlauben.“

Staatsbürgerin und Schriftstellerin

Mit dieser Stimme gehörte sie in den Osten Deutschlands. Nur hier konnte nach ihrer Überzeugung ihr Werk so entstehen, wie es heute vor uns liegt. Schreiben und Politik – so kann man die Leit- und Ordnungslinien ihres Lebens als Schriftstellerin und Staatsbürgerin umfassen – Linien, auf denen diejenigen Bücher entstanden sind, die Christa Wolf zu einer der bekanntesten deutschen Prosaautorin gemacht haben.

Christa Wolf wurde 1929 in Landsberg, dem heutigen Gorzów, an der Warthe geboren. Nach dem Krieg studierte sie in Leipzig und Jena Germanistik. Damals lernte sie ihren Mann, den Schriftsteller Gerhard Wolf kennen. Gemeinsam haben sie zwei Töchter. Sie wurde mit mehreren Preisen geehrt, so 1961 dem Kunstpreis der Stadt Halle, 1964 dem Nationalpreis dritter Klasse der DDR, 1972 dem Theodor-Fontane-Preis und 2005 dem Hermann-Sinsheimer-Preis. Zuletzt – 2008 – erschienen ist mit „Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht: Projektionsraum Romantik“ ein Gemeinschaftswerk von Christa und Gerhard Wolf.

Von Stefan Woitsch

13/03/09

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