Worte sind mächtig. Sie können viel anrichten oder gar zerstören. Und manchmal brennen sie sich tief ins Gedächtnis ein. Was man ausgesprochen hat, lässt sich nicht zurückholen. Darüber ist schon mancher Politiker gestolpert. Nach etlichen Jahren erfolgreicher und anerkannter Amtszeit – ein falsches Wort und Peng! Aus die Maus mit der Karriere! Und wenn dann noch verschiedene Kulturen aufeinanderprallen, die Worte unterschiedlich deuten, dann Gute Nacht!

Ich bin zwar keine Politikerin aber in diesem Falle bin ich trotzdem gestolpert, und zwar über das Wort plump. Dies geschah in einer Auseinandersetzung mit meiner Schwägerin, die zwar auch Deutsche ist, von der mich aber trotzdem mehr trennt, als mich mit ihr verbinden würde. Seit nunmehr acht ganzen Jahren grollt sie, weil ich ihr damals gesagt habe, sie sei plump und unsensibel. Zugegeben, das war nicht nett von mir, aber die Vorgeschichte war auch nicht besonders nett. Darauf will ich hier aber nicht näher eingehen. Jedenfalls ist da nichts zu retten. Trotzdem habe ich zuletzt noch mal den Versuch unternommen, mich anzunähern. Ich habe meinen Bruder um Rat gefragt, was ich denn tun müsse, um mir ihre Gunst zurückzuerobern, wenn ich denn über meinen Schatten springen wollte. Ich müsse mich entschuldigen, wiederholte mein Bruder zum x-ten Mal. Das könne ich nicht, wiederholte ich zum x-ten Mal, weil ich sie damals eben als plump und unsensibel erlebt habe. Deshalb sei das für mich vielmehr eine Tatsache als eine Beleidigung. Sie, meine Schwägerin, gehe nun davon aus, dass ich sie aufgrund dieser Ansprache Scheiße finde und deswegen wolle sie auch keinen Kontakt. Hier hatten wir also schon das erste Missverständnis. Wenn jemand unsensibel und plump ist, finde ich ihn noch lange nicht Scheiße. In meinem Freundeskreis hat so mancher diese Eigenschaften, das macht ja nichts. Jedenfalls finde ich es für meinen Teil nicht schlimm, wenn man plump ist. Meine Schwägerin schon. Sie findet es sogar sehr, sehr schlimm. So schlimm, dass ich ein rotes Tuch für sie bin und sie mir nicht begegnen will. Tja, was nun? Was tun? Mir war nicht klar, dass ich sie mit diesem einsilbigen Wort in den Tiefen ihrer Seele getroffen habe. Vielleicht trägt sie ein Trauma aus der Kindheit mit sich herum? Wer weiß, wer sie schon mal als plump bezeichnet hat. Vielleicht durfte sie nicht mitspielen, wurde gehänselt oder gar von ihrem ersten Freund verlassen, mit der Begründung, sie sei plump. Man weiß es nicht. Aber ein wenig tragisch ist es schon. Jetzt könnte ich natürlich schon über meinen Schatten springen. Fragt sich nur, über welchen. Denn einerseits will ich andere Menschen nicht beleidigen oder verletzen. Andererseits zählt es zu meinen eisernen Geboten, der Wahrheit und dem was ich denke und fühle, treu zu bleiben. Und so leid es mir tut, ich finde sie nun mal plump, alles andere wäre gelogen. Hinzu kommt, ganz ehrlich gesagt, dass ich es auch ein wenig albern finde. Fragt mich jemand, warum meine Schwägerin acht Jahre lang sauer auf mich ist, und ich sage „Ich habe ihr damals gesagt, dass sie plump sei“, dann wird einem auf einmal klar, woher der ganze Unfrieden dieser Welt kommt. Genau von so was! Einfach plump!

Julia Siebert

06/03/09