Die Studenten der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU) sind von ihren zwei neuen Dozenten Claudia Winkler und Ulf Seegers von der Fachhochschule Mittweida begeistert. Mit viel Freude bringen sie ihnen Deutschland als Land und Medienstandort näher. Als weitere Aufgabe möchten sie einen Wirtschaftsführer vollenden, der deutschen Unternehmern den Standort Kasachstan vorstellen soll.

An der Deutsch-Kasachischen-Universität in Almaty dozieren in diesem Wintersemester zwei angehende Medienmanager aus dem sächsischen Mittweida. Im Rahmen einer Kooperation zwischen der deutschen Fachhochschule und der DKU geben Claudia Winkler und Ulf Seegers seit Anfang Februar sechs Mal pro Woche Deutsch- und Spezialkurse zum Thema Mediensysteme. „Es ist auffallend, wie jung die Studenten hier sind. Da bekommt man oft eher das Gefühl, an einer Schule zu sein“, verrät der groß gewachsene, dunkelblonde Norddeutsche. „Aber vor allem in den jüngeren Semestern sind die Studenten besonders motiviert und heiß auf Muttersprachler“, fügt die 25-jährige hinzu. Für das Dozentenduo ist Almaty der erste richtig große Auslandsaufenthalt während des eigenen Studiums.

Milchwirtschaft und Aeronautik

„Wir müssen beide keine Prüfungen mehr ablegen und wollten vor unserer Diplomarbeit gern noch einmal ins Ausland, und da wir uns eher für den Ostblock interessieren, war Kasachstan genau richtig“, verrät Ulf Seegers. Eigentlich, so gesteht der gebürtige Rostocker, wäre man doch lieber nach Russland gegangen, aber die angebotenen Kooperationen waren nicht das Passende für die zukünftigen Medien-Wirtschaftsexperten. „Aus DDR-Zeiten bestand noch ein Austausch für Molkereitechnik nach Rostow und einer für Aeronautik nach Moskau, doch das ist ja nicht exakt unser Spezialgebiet“, scherzt Claudia Winkler. „Als wir aber das Angebot aus Almaty bekamen und ich von der Möglichkeit hörte, auch selbst Kurse zu geben, war ich sofort Feuer und Flamme“, schwärmt sie noch heute mit strahlenden Augen. Bereits während ihres Studiums in Mittweida habe sie als wissenschaftliche Hilfskraft Seminare gehalten. „Dabei habe ich Blut geleckt an der Lehrtätigkeit. Umso mehr freute ich mich über das Angebot aus Kasachstan“, so die dunkelhaarige Studentin.

Deutschen Unternehmen helfen, Kasachstan zu entdecken

Nach Kasachstan haben Ulf und Claudia, die auch privat ein Paar sind, neben der Lust auf Abenteuer in einer fremden Kultur und der Herausforderung, als Dozent zu unterrichten, auch das Angebot, ein bereits begonnenes Projekt eines Wirtschaftsführers Kasachstan der FH Mittweida zu vollenden. „Dieser soll später einmal deutschen Firmen helfen, Kasachstan für sich zu entdecken. Ein solcher Leitfaden existiert in dieser Form bis heute noch nicht“, verrät Ulf. Der maßgebliche Initiator dieses Werkes war Professor Otto Hammer vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FH in Mittweida. Bereits im Herbst des letzten Jahres sammelten zwei Studenten der sächsischen Hochschule mit Fragebögen Basisdaten. Deren Abschlussarbeiten dienen nun maßgeblich als Grundlage für den Wirtschaftsführer. „Wir sammeln aber auch noch eigenes Material durch Interviews mit Unternehmern und Experten“, betont Ulf Seegers. Zum nächsten Unternehmertag in Almaty Mitte September soll das fertige Werk präsentiert werden. „Für dieses Projekt bekommen wir noch Hilfe von zwei einheimischen DKU-Studenten. Ich denke, dass ist eine Kooperation, wie man sie sich sowohl in Mittweida als auch in Almaty vorstellt“, sagt Claudia Winkler. Vom Wirtschaftsführer erhoffen sich die beiden 25-jährigen deutschen Studenten vor allem interessante Kontakte und ein wenig Inspiration für die noch ausstehenden eigenen Diplomarbeiten.

Viele Völker und fehlende Verkehrsregeln

Neben der Arbeit als Dozenten zeigen sich Claudia und Ulf vom friedlichen- Miteinander der verschiedenen Ethnien in Kasachstan fasziniert. „In diesem Land leben so viele Kulturen und Religionen friedlich zusammen. Wir erleben es fast täglich in unserem Unterricht, wie Kasachen mit islamischem Glauben neben christlichen Russen lernen, und keiner hat damit ein Problem. Alle sprechen eine Sprache“, erzählen die Deutschen beeindruckt. An das alltägliche Verkehrschaos der Millionenstadt jedoch müssen sich die beiden noch gewöhnen. „Mich faszinieren vor allem die Verkehrsregeln, die es anscheinend nicht gibt“, witzelt Ulf und Claudia beschwert sich: „Ich finde, es ist keine gute Kinderstube, wenn ich mich mit schweren Einkaufstüten an Autos vorbeidrängen muss, die einfach zu weit in den Kreuzungsbereich fahren, aber das gehört anscheinend zur Kultur.“

Ende Juni heißt es für die beiden Studenten des Medienmanagements, Abschied zu nehmen von der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans, um in der sächsischen Kleinstadt Mittweida die Arbeiten am Wirtschaftsführer zu beenden. Für beide steht aber schon heute fest: „Diese Region ist sehr interessant und sicher auch für uns ein attraktives Ziel für die Zukunft.“

Von Mathias Fritsche

24/03/06

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