Ich habe aus Jux und Tollerei immer mal wieder die Jägerei und die Jägersprache gestreift. Doch nun, da ich mich einem Falkner an die Fersen hefte, wird es ernst. Wenn ich in das Geschäft einsteigen und mich mit meinem Falkner verständigen will, muss ich Vokabeln pauken. Mir ist daran gelegen, möglichst respektvoll mit der Zeit, den Ratschlägen und dem Jagdgut umzugehen. Darum möchte ich die Ratschläge genau befolgen. Nach unserer ersten Falkenjagd sollte ich das Häschen einen Tag „im Balg“ hängen lassen.

Alles klar! fand ich. Doch darin waren schon zwei Fehler und ein Missverständnis begründet, wie mir der Falkner nahe brachte. Erstens ist es kein Falke, sondern ein Habicht, und ganz genau genommen ein Habichtfräulein (den Fachbegriff für einen weiblichen Habicht muss ich noch recherchieren). Zweitens ist es kein Häschen, sondern ein Kaninchen. Und drittens ist ein Balg kein Schuppen, sondern das Fell des Kaninchens. Korrekt ausgedrückt hängt demnach das vom Habichtfräulein erlegte Kaninchen im Fell.

Nächste Lektion. Der Falkner lud mich ein, nach der Beizjagd noch mit zu „sitzen“. Da fragte ich mich, ob das ein Ritual ist, um die Jagd gebührend ausklingen zu lassen und dabei den wohlverdienten Schnaps zu trinken. Es stellte sich heraus, dass es beim Sitzen um eine eigene Jagdvariante geht. Jagen im Sitzen klingt für mich erst mal nach Warten, Frieren, Eindösen. Mein Vermieter, der auch Jäger ist, half beim Konkretisieren: „Sitzt er auf Sau?“ – was natürlich nicht das heißt, wonach es klingt. Sondern man sitzt so lange im Hochsitz, bis sich ein Wildschwein zeigt. Das sei anstrengend und harte Arbeit. Dabei müsse man mucksmäuschenstill sein. Wenn die Sau dann erwischt wird, ist man die ganze Nacht damit beschäftigt, das erlegte Tier zu verwalten; irgendwo anzuzeigen und untersuchen zu lassen und so was alles.

Nee, da mache ich mich lieber erst mal im Jagdbuch kundig, bevor ich mich aus Versehen auf etwas einlasse, das richtig Arbeit macht. Um Missverständnisse zu vermeiden, lerne ich Vokabeln. Wenn man sagt: „Müller jagt“, dann will man damit ausdrücken, dass „der Müller ein Jäger ist“. Scheint ganz einfach. Wenn man sagt: „Ich jage auf den Rehbock“, bedeutet das dass ich einen Rehbock jage. In der Jägerei hat alles seinen Sinn und kein Wörtchen ist überflüssig. Nicht, dass ich durch das Weglassen des einsilbigen „auf“ einen mehrschüssigen Jagdunfall provoziere. Die Antwort bleibt mir das Buch schuldig.

Im nächsten Kapitel erfahre ich: „Teckel schlieft aus einem Fuchsbau“. Ich kann ermitteln, dass Teckel ein Dackel ist, verstehe aber nicht, warum der Jäger den Dackel partout nicht Dackel, sondern Teckel nennen will. Und überhaupt will ich mich nicht bei, in oder mit den Dackeln verzetteln und blättere zielstrebig weiter zu meinem eigentlichen Interessensgebiet – der Falknerei. Hier fühle ich mich gleich wie zu Hause. Dass „Frettieren“ für den Einsatz von Frettchen steht, um Häschen in ihrem Bau aufzuspüren, weiß ich schon. Aber beim nächsten Abschnitt bleibe ich hängen. „Jagd mit dem hohen Flug (Ente, Krähen)“. Kann man mit einer Ente jagen? Oder korrekterweise: Auf was jagt man mit ihr? Mir schwant, dass Enten und Krähen eher die Jagdopfer sein sollen als die Jagdwaffen. Aber warum sollte man Krähen erjagen? Seltsam.

Ich ändere die Lernstrategie, klappe das Buch zu und bediene mich der Waffen der Frauen. Mache auf naives unschuldiges Mädchen, das mit großen Kulleraugen viele Fragen stellt und begleite den Falkner lieber öfter, als in der Stube Vokabeln zu pauken. So komme ich der Falknerei und meinem Falken äh Habicht bestimmt schneller näher. Waidmannsheil!

Julia Siebert

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