Stereotype über Deutsche: Schnitzel, Lederhosen, Bier

Stereotype
Deutsche Tracht in Kasachstan: Jugendliche vor dem Deutschen Haus in Almaty. | Foto: DAZ

Deutsche sind immer pünktlich, lieben ihr Schnitzel und tragen Lederhosen und Dirndl zum Oktoberfest. In vielen Vorurteilen steckt ein Fünkchen Wahrheit, doch entsprechen sie oft nicht der Realität. Ein kleines ABC von Stereotypen über Deutsche und was es mit ihnen auf sich hat.

Deutsche Automarken erfreuen sich im Ausland großer Beliebtheit. | Foto: flickr/Allen Watkin

Autos – Deutsche Autos seien die besten, heißt es oft.  Diesem Bild konnte vielerorts auch der Dieselskandal nichts anhaben.  Doch während viele Städte unter der Feinstaubbelastung leiden, in Deutschland gar Fahrverbote verhängt werden, stockt die Entwicklung von emissionsarmen Elektrofahrzeugen. In diesem Bereich liegen Japaner und Chinesen bereits vor den Deutschen.

Bargeld – Kartenzahlung im Supermarkt oder Restaurant? Fehlanzeige. Die Deutschen hängen an Münzen und Scheinen. Nervig für jeden, der gerade aus dem Ausland kommt und es einfach noch nicht zum Bankautomaten geschafft hat, denn vielerorts ist bargeldloses Zahlen gar nicht möglich. Laut Bundesbank wurden 2017 drei von vier Einkäufen an der Kasse bar bezahlt, obwohl die Nutzung von Giro- und EC-Karten zunimmt. (s. Digitalisierung)

Bier – Der Gerstensaft gehört in Deutschland zum Kulturgut. Mehr als 5.500 verschiedene Biermarken gibt es hierzulande. Doch längst nicht alle Deutschen trinken Bier. Zudem sinkt der Bierkonsum in Deutschland seit Jahren; zuletzt lag er bei 106 Litern pro Kopf. Da sind uns die Tschechen mit 138 Litern weit voraus.

Digitalisierung – Per Smartphone bezahlen, sich online ummelden, Wifi in der U-Bahn? Was in anderen Ländern einfach geht, liegt in Deutschland oft noch in weiter Ferne. Das Misstrauen gegen alles Moderne scheint groß zu sein. Ganz unbegründet ist es ja nicht, wenn man an all die Datenskandale und Hackerangriffe der vergangenen Jahre denkt. Trotzdem: In fast jedem anderen europäischen und asiatischen Land ist es einfacher, als Gast ins Internet zu kommen, als in Deutschland.

Dirndl und Lederhosen – Von Bayern und dem Oktoberfest beeinflusst, meinen viele Ausländer, Deutsche lieben ihr Dirndl. Dabei trachten die wenigsten Deutschen nach Bayern und Trachten. Und überhaupt bestehen Trachten nicht nur aus Dirndl und Lederhosen. In allen Regionen Deutschlands findet sich traditionelle Kleidung: vom Bollenhut aus dem Schwarzwald bis hin zur Spreewaldtracht in Brandenburg.

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Ehrlichkeit – Gerade im postsowjetischen Raum werden Deutsche als ehrlich und zuverlässig angesehen. Vielleicht kommt dieses Vorurteil daher, dass Deutsche allgemein auch als sehr direkt gelten. Ob sie nun tatsächlich ehrlicher sind als andere Völker, kann wohl niemand beantworten. Studien, die dieser Frage auf den Grund gehen wollten, kommen hier zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Englisch – Deutsche sprechen angeblich schlechtes Englisch. Tatsächlich landete Deutschland im jährlich durchgeführten „Englisch Proficiency Index“  2017 auf Rang 9 von 80 untersuchten Ländern. Die Niederlande, die skandinavischen Länder, Singapur, Luxemburg und Südafrika schneiden besser ab. So schlecht ist des Deutschen Englisch also gar nicht, allerdings wird man den Meisten aufgrund ihres Akzents stets anhören, woher sie eigentlich kommen. 

Fleiß – „Das Heiligste, das der Deutsche hat, ist die Arbeit“, das meinte schon der Satiriker Kurt Tucholsky. Dabei wackelt das Bild vom emsigen Deutschen: Laut OECD lag die geleistete Arbeitszeit pro Arbeitnehmer bei 1356 Stunden im Jahr – und somit weit unter dem OECD-Durchschnitt von 1759 Stunden.

Frauen – Im Gegensatz zu den Männern kommen deutsche Frauen im Ausland gar nicht mal so gut an. Sie gelten zwar ebenso als groß und blond, allerdings werden sie auch als unterkühlt und spießig angesehen – und besonders gut stylen können sie sich anscheinend auch nicht. (s. Kleidung)

Geiz – Deutsche leben sparsam. Selbst im Urlaub wird am Frühstücksbuffet noch etwas Brot für später eingepackt. Ein großer deutscher Elektromarkt warb lange Zeit mit dem Spruch „Geiz ist geil“. Es ist zwar nützlich, für schlechte Zeiten etwas beiseite zu legen. In Zeiten, in denen die Inflationsrate höher als die der Zinsen ist, macht Sparen allerdings wenig Sinn. Da könnte der sparsame Deutsche sich ruhig mal etwas generöser zeigen und wenn das nächste Mal im Restaurant die Rechnung kommt, das umständliche Kalkulieren, wer was zahlt, sich einfach sparen.

Humor – Deutsche haben keinen Humor, heißt es. Nun ist es ja Ansichtssache, was jemand witzig findet. Und von Ostfriesenwitzen oder Kalauern abgesehen, gibt es ganz großartige Komiker in Deutschland. Da gibt es zum Beispiel die freche und provozierende Carolin Kebekus oder Martina Hill, die wie Hape Kerkeling ganz großartig Angela Merkel parodieren kann. Und dann gibt es den Klassiker des deutschen Humors schlechthin: Loriot, über den schon unsere Großeltern lachen konnten.

Deutsche Modesünde: Weiße Socken und Birkenstocksandalen. | Foto: flickr/sandalenfan1

Kleidung – Im Gegensatz zu Osteuropäerinnen gelten deutsche Frauen als eher schlecht gekleidet. Bequemlichkeit ist uns nun mal wichtiger als Eleganz. Aber auch deutsche Männer gelten nicht unbedingt als stilsicher: Das Klischee von Sandalen und weißen Socken kommt nicht von ungefähr.

Männer – Im Süden und Osten Europas gelten deutsche Männer als familienorientiert und treu. Hinzu kommt das Bild des großen, blonden Germanen. Nun ja, der lässt sich wohl eher in Skandinavien finden. Verschiedene Studien scheinen jedoch das Bild des treuen Deutschen zu bestätigen – zumindest im Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn wie Frankreich oder Italien.

Mülltrennung – Eine grüne Tonne, eine gelbe, eine blaue, eine braune. In Deutschen Hinterhöfen wird fein säuberlich getrennt – sollte man meinen. Für viele Ausländer ein kompliziert anmutendes System: Zwar gibt es Mülltrennung auch in anderen Ländern, aber anscheinend weitaus weniger akkurat. Doch auch nicht alle Deutschen machen bei diesem Volkssport mit. Auf jeden Fall ist er eine Ausprägung der deutschen Ordnungsliebe.

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Oktoberfest Viele Ausländer denken bei Deutschland zunächst ans Münchner Oktoberfest. Tatsächlich werden Oktoberfeste weltweit gefeiert. Zu den größten zählen das Oktoberfest in Qingdao (China) mit jährlich rund drei Millionen Besuchern und das Oktoberfest in Kitchener in Kanada mit rund 700.000 Besuchern.  Das zweitgrößte Oktoberfest in Deutschland findet jedes Jahr in Hannover statt.

Für fast jeden Müll gibt es in Deutschland eine eigene Tonne. | Foto: flickr/Marco Verch

Ordnungsliebend – „Ordnung muss sein“, heißt es im Volksmund. Nicht umsonst gibt es für alles eine Ordnung: die Hausordnung, die Bahnhofsordnung, die Badeordnung oder die Seeschifffahrtsstraßenordnung. Doch, oh Wunder, es gibt Wohnungen, die aussehen, als hätte dort eine Bombe eingeschlagen und Schreibtische, auf denen das Chaos herrscht. Denn schließlich heißt es auch: „Chaos fördert die Kreativität“. Und davon könnten wir Deutsche getrost ein bisschen mehr gebrauchen.

Reisen – Man kann ihnen einfach nicht entkommen. Deutsche sind überall. Selbst im abgelegensten kirgisischen Dorf trifft man auf sie. Lange galten die Deutschen als Reiseweltmeister.  Kein Wunder: Ein relativer Wohlstand, offene Grenzen in Europa, immer günstig werdendere Flüge und ein Pass, mit dem sich 188 Länder visumsfrei bereisen lassen, tragen zur Reiselust der Deutschen bei.

Pornos – Auf Russisch heißen sie „Nemezkije Filmy“. 1973 wurde in der Bundesrepublik Pornografie legalisiert. Anschließend fanden die Sexfilmchen Einzug in ganz normale Kinos. Gefilmt und raubkopiert fanden sie auch ihren Weg in die Sowjetunion. Dort waren die Filme aus dem Westen der Renner. Vielleicht gelten Deutsche deshalb nicht nur im postsowjetischen Raum, sondern auch in den USA, noch heute als besonders freizügig  – mit einer besonderen Vorliebe für Fetische.

Pünktlichkeit – Deutsche sind immer pünktlich. Kein Stereotyp könnte wohl fahlscher sein. Bestes Beispiel: die Deutsche Bahn. Im ersten Halbjahr 2018 waren gerade einmal 77,5 Prozent aller Fernverkehrszüge pünktlich unterwegs.

Regeln – Wer Ordnung liebt, braucht Regeln, um diese aufrecht zu erhalten. Und daran wird sich dann auch gehalten. Verwundert stellen Ausländer immer wieder fest, dass Deutsche an einer roten Ampel tatsächlich stehen bleiben, selbst wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist. Doch wie immer gilt auch der Spruch: „Die Ausnahmen bestätigen die Regel.“

Wurst – Die Deutschen lieben ihre Wurst, ihr Schnitzel und überhaupt alles mit Fleisch. Dabei hat das Land mit den höchsten Anteil an vegetarisch und vegan lebenden Menschen weltweit. Der Vegetarierbund Deutschland geht von acht Millionen Vegetariern aus, rund zehn Prozent der Bevölkerung.