Flickenkleider haben viele Mädchen in ihrer Kindheit für ihre Puppen genäht, Vera Scherbakowa hat auch darüber hinaus nie den Faden verloren und sich ganz der Patchwork-Kunst verschrieben. In ihrem Geburtsland Kasachstan stellte die in Moskau lebende Künstlerin erstmals in der Galerie Tengri-Umai in Almaty eine Auswahl ihrer leuchtenden Meisterwerke aus Stoffen, Perlen und Knöpfen vor und empfiehlt das Nachmachen.

/Bild: Christine Karmann. ‚Drei im Gras oder in Liebe zu Picasso’/

Als Vera Scherbakowa ihrem Mann nach Moskau folgte, nähte sie die farbenfrohe Zauberwelt „Legenden der Liebe“. Als ihre Mutter starb, verband sie Baumwolle, Seide, Samt und Perlen zu dem schwarz-weißen Blick aus ihrem Fenster „Schnee, Februar, Alma-Ata“. Nach der Teilnahme an einem Festival, bedankte sich Vera Scherbakowa mit einem Blumenstrauß, fixiert in Stoff. Patchwork-Kunst in allen Lebenslagen! Nach 55 internationalen Ausstellungen, zeigt die Textilkünstlerin erstmal in ihrem Geburtsland Kasachstan, dass Patchwork-Art mehr bedeutet als zusammengenähte Bettdecken.

Patchwork lässt sich bis ins erste vorchristliche Jahrtausend in Ägypten und Zentralasien zurückverfolgen. Die Muster als auch die Farben der Zeltbahnen, Decken oder Kleidungsstücke sollten Unheil abhalten, Fruchtbarkeit bringen und dem Träger Glück und Ansehen verschaffen. In Europa, wohin Patchwork mit den Kreuzrittern gelangte, stand die Resteverwertung im Vordergrund. Wärmende Bettdecken wurden in Patchwork angefertigt. Heute entwirft Textilkünstlerin Vera Scherbakowa ihre Patchworkarbeiten nach gestalterischen Gesichtspunkten „für die Wand“.

Flickenspiele mit Vera Scherbakowa

Vera Scherbakowa hat sich der Patchwork-Kunst verschrieben

Mit ihren Handarbeiten kopiert sie auch die großen Meister. „Drei im Gras oder in Liebe zu Picasso“ präsentiert drei Grazien, die sich auf der Wiese räkeln und dabei viel mit blauen Röschen bedruckte Haut zeigen. Ein weiteres Patchwork-Meisterwerk von Vera Scherbakowa hat es nicht nach Almaty geschafft. Fotos zeigen ihre „Wunderinsel“: eine märchenhafte Komposition, in der Eichhörnchen goldene Nüsse knacken, umgeben von einem Stoffozean mit Flicken-Fischen.

Bei Vera Scherbakowa gibt es nichts, was sich nicht auch als Patchwork zeigen lässt. Die Textilkünstler möchte mit ihrer Ausstellung „Flickenspiele“ zeigen, dass sie mit Stoff und Nähmaschine genau so gut Kunstwerke schaffen kann wie ihre Kollegen mit Pinsel und Bleistift. Interessierte können mit Vera Scherbakowa den Einstieg in die Patchwork-Welt schaffen. In Seminaren und Meisterklassen gibt sie Tipps zu Spiralen im Flickennähen, der Montage schwieriger Formen und führt ein in die Flickentherapie. Was sie darunter versteht? Einen praktischen Nähkurs.

Von Christine Karmann

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