Beim Tag der Deutschen Wirtschaft in Almaty wurden neben den großen Chancen für die deutsche Wirtschaft auch Risiken und Probleme für deutsche Investitionen in Kasachstan angesprochen. Auf der Kooperationsbörse sächsischer und baden-württembergischer Unternehmen gab es erste Gespräche mit interessierten kasachischen Firmen.

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Beim Tag der Deutschen Wirtschaft in Almaty wurden neben den großen Chancen für die deutsche Wirtschaft auch Risiken und Probleme für deutsche Investitionen in Kasachstan angesprochen. Auf der Kooperationsbörse sächsischer und baden-württembergischer Unternehmen gab es erste Gespräche mit interessierten kasachischen Firmen.

Der Ballsaal des Hotels „Regent Almaty“ bot am 28. Oktober den Rahmen zur feierlichen Eröffnung des 7. Tages der Deutschen Wirtschaft in Kasachstan. Hochrangige Diplomaten, Vertreter aus der Politik und von Wirtschafsverbänden deutscher und kasachischer Nationalität sprachen über den Stand und das Potenzial der wirtschaftlichen Beziehungen für beide Seiten – aber auch über Chancen und Risiken bei einer wirtschaftlichen Betätigung vor Ort.

Den Reigen der offiziellen Redebeiträge eröffnete Jochen Wildenhain, der Vorsitzende des Deutschen Wirtschaftsklubs. Er sprach über das bemerkenswerte Entwicklungstempo Kasachstans, die positive Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan und ihre Funktion als Stabilitätsfaktor. Für dieses Jahr prognostizierte er ein bilaterales Handelsvolumen von 3,5 Milliarden Euro. Wildenhain thematisierte aber ebenso offen die Zurückhaltung deutscher Investoren in Kasachstan. Gleichzeitig sprach er von immensen Chancen für deutsches Know-How bei der anstehenden Diversifizierung der kasachischen Wirtschaftsstruktur und der regionalen und sektoralen Clusterbildung und Hochtechnologieförderung. „Nur ein Prozent der deutschen Bruttoinvestitionen findet den Weg hierher – derzeit ist sogar eine weiter sinkende Tendenz erkennbar“, so Wildenhain. Einzig die deutsche Kreditwirtschaft habe Kasachstan schon wirklich entdeckt. „Deutsche Banken stehen hier zusammengenommen für Kreditlinien von rund einer Milliarde US-Dollar zu Verfügung. Wir brauchen mehr Knauf, Siemens oder Kazgermunais“, so Wildenhain. Zu Ende seines Redebeitrages stellte er einige offene und anregende Fragen. Etwa, ob über Kasachstan in Deutschland ausreichend und ausgewogen berichtet würde, ob deutsche Unternehmer zu bequem seien, sich dem Markt hier zuzuwenden, oder ob man mit dem aktuellen Stand der deutsch-kasachischen Wirtschaftsbeziehungen wirklich zufrieden sein könne? Wildenhain fragte ebenso in die Runde, wie Kasachstan in Zukunft Russland und China wirtschaftlich Paroli bieten wolle, ob die deutsche Wirtschaft im Foreign Investors Council, in dem sich ausländische Investoren und die kasachische Wirtschaftselite regelmäßig austauschen, nicht unterrepräsentiert sei, warum der Flugverkehr zwischen Deutschland und Kasachstan behindert werde, oder ob Risiken in Kasachstan beherschbar seien.

Sachsen und Baden-Württem-berger mit Delegationen

Die folgenden Redner rückten vor allem die bisherigen Stabilisierungserfolge und attraktive Betätigungsmöglichkeiten für ausländische Investoren in den Vordergrund. Der erste Wirtschaftsminister Iwan Krawtschenko sprach, viele beeindruckende Zahlen ablesend, über das stabile Bankensystem und die positiven makroökomischen Perspektiven der kasachischen Volkswirtschaft. Auch über die Tradition der deutsch-kasachischen Wirtschaftsbeziehungen. „Neue und alte Branchen sind attraktiv für ausländische Investoren. Vor allem der Tourismus, die Transport- und Logistikbranche, aber auch der Bau, die Metallurgie oder die Textilbranche. Hier bietet vor allem Know-How- und Technologietransfer Chancen“, so Krawtschenko. Nach Krawtschenkos euphorischem Redebeitrag forderte Wildenhain das Auditorium zu Fragen auf. „Auch eine Chance, kleine Probleme anzusprechen“, so Wildenhain. Aus dem Publikum kam keine Frage.

Anschließend ergriffen der Staatsseketär der sächsischen Wirtschaftsdelegation, Christoph Habermann, und sein Amtskollege Hans-Dieter Frey aus Baden-Württemberg das Wort. „Die Erfolgstory Kasachstan ist auch in Sachsen angekommen“, sagte Habermann. Er betonte Sachsens besonderes Know-How bei der Transformation von einer Planwirtschaft zu einer Marktwirtschaft. Frey betonte das besondere Engagement der Firmen seines Bundeslandes in Kasachstan. „200 Firmen aus Baden-Württemberg unterhalten wirtschaftliche Kontakte nach Kasachstan und 30 sind hier vor Ort; beispielweise Bosch, DaimlerChrysler, Festo oder Würth. Besondere Chancen für den süddeutschen Mittelstand eröffnet die richtige und notwendige Diversifikationsstrategie“, so Frey. Er betonte außerdem das Interesse seiner Investitionsagentur „Baden-Württemberg International“, in Zukunft enger mit „Kazinvest“ zu kooperieren.

„Der gute Kaufmann hält sein Geld nicht zu Hause, sondern auf dem Markt.“ Mit dieser Übersetzung eines kasachischen kaufmännischen Rates beschloss Kairat Sarybai, Botschafter Kasachstans in Berlin, seine Rede. Zuvor sprach er ausführlich über die liberale Wirtschaftsordnung hier und die Chancen eines Engagements deutscher Firmen in Kasachstan. „Die vielen ehemaligen kasachischen Staatsbürger in Deutschland könnten dabei eine besondere Rolle spielen“, so Sarybai. Er bezeichnete Kasachstan und Deutschland als strategische Partner. Der deutsche Botschafter wartete in seiner eher von Zurückhaltung geprägten Rede mit einem kritischen Statement auf. „Das Umfeld ist kein Spaß hier“, so Gebhardt Weiss.

Die Aussagen der Diplomaten, die angesprochenen immensen Chancen im Wirtschaftsboomland Kasachstan, aber eben auch die thematisierte Zurückhaltung deutscher Firmen ist Ausdruck einer gewissen Zwiespältigkeit. Politik und Verteter der Wirtschaftsverbände, die selber kein wirtschaftliches Risiko tragen, betonten das ungenutze Potenzial der deutsch-kasachischen Wirtschaftsbeziehungen. Sie sprechen über gute Perspektiven. Die Teilnehmer der Wirtschaft an der Delegationsreise sind ebenso fasziniert von den Profitchancen vor Ort – derzeit vor allem in der Bau- und Logistikbranche. Der Wirtschaftsvertreter, der das Investitionsrisiko trägt, ist dennoch eher zurückhaltend. Er tastet sich lieber erst einmal zögerlich an den kasachischen Markt heran. Dies teils auch durch die Beschäftigung von Aussiedlern, um Chancen und Risiken eines längerfristigen Engagements auszuloten. Offizielle Delegationen und Statements allein können eben keine Investitionsströme lenken.

07/10/05

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