Die Schauspieler des Deutschen Theaters hatten die Ehre, dem Publikum das Stück „Scherben“ von Dramaturg Marcel Krohn vorzulesen. An der Premiere seines Drehbuchs nahm der Autor selbst teil.

Eigentlich besuchen sie nur gerade ihre Mutter, weil ihr Vater beerdigt wird. Das unfreiwillige Familientreffen führt die beiden Brüder Thomas und Volker zueinander. Nicht dass der Tod des Vaters erschütternd genug ist.

Die Familienzusammenführung am Tag des Begräbnisses schürt weitere Konflikte, die unter anderem von Thomas Frau Claudia und Volkers Geliebten Natascha befeuert werden. Im Theaterstück „Scherben“ von Marcel Krohn stehen alle Familienmitglieder permanent am Rande des kompletten Zerwürfnisses untereinander. „Scherben“ feierte in Almaty Weltpremiere. Regisseur Marcel Krohn ist Autor der Familientragöde und hat sie zum ersten Mal im Deutschen Theater in Almaty auf die Bühne gebracht. Allerdings hat er eine sehr individuelle, spartanische Form der Inszenierung ausgewählt: Eine Lesung seines Drehbuches.

Skandale innerhalb einer Familie

Dennoch konnten die Schauspieler des Deutschen Theaters Kasachstans dem Text mit ihren Stimmen ein Gesicht geben. In der Rolle der Mutter sprach Marina Djatschenko, und es gelang ihr sehr gut, eine nicht allzu sehr traurige Ehefrau zu spielen. Mit ihrer Stimme ließ sie die Scham ihrer Figur herausklingen. Denn insgeheim freut sich die Mutter, ebenso wie ihre Söhne, über den Tod ihres Mannes.

Auch ihre Kollegen zeigten, dass sie mit ihren Stimmen einen gärenden familiären Konflikte entwickeln konnten. So spielte Larissa Fatejewa ihre Rolle sehr realistisch. Sie gab eine Musicaldarstellerin, Natascha, die Geliebte von Sohn Volker war, der vom Dramaturg Krohn verkörpert wurde. Mit ihren scharfsinnigen und provokanten Bemerkungen entlarvte Natascha den

Familienkonflikt. Ebenso sprachen Ilja Teufel in der Rolle als zynischer Sohn Thomas und Julia Teufel als dessen unzufriedene Frau Claudia.

Der sich immer weiter bis zur Tragödie hochschaukelnde Familienstreit birgt einige Überraschungen für die Zuschauer. Im Gewand eines Familientreffens zur Beerdigung des Vaters stößt das Drama „Scherben“ viele zwischenmenschliche und gesellschaftliche Problem an: Es geht um Pietätlosigkeit, Egoismus, Scheidung, Fremdgehen und sogar um Sterbehilfe.

Stück wurde zum ersten Mal vorgestellt

Zur Weltpremiere waren leider nur wenige Zuschauer anwesend. Dennoch freuten sich die Schauspieler und Regisseur Marcel Krohn über die, wenn auch kleine, Resonanz. „Das Theaterstück soll in Deutschland verlegt und dann dort aufgeführt werden. Sozusagen hatten wir hier in unserem kleinen Kreis nun eine Weltpremiere“, freute sich Krohn.

In Deutschland ist Krohn Intendant der Clingenburg-Festspiele. Sie sind jeden Sommer eine kulturelle Attraktion der fränkischen Stadt. Auf den Ruinen der Clingenburg werden Musicals, Kindertheaterstücke und Schauspiele aufgeführt, die sich jedes Jahr bis zu 40.000 Zuschauer ansehen.

Weitere Premiere im DTK

Nach Almaty hat es den Dramaturgen, Schauspieler und Regisseur über die Bekanntschaft mit Julia Teufel verschlagen. „Ich bin über das DAAD-Programm „Sommer-Uni“ nach Deutschland gekommen“, erzählt sie. „Dort habe ich Kulturveranstaltungen und Theater besucht und auf diese Weise Marcel kennen gelernt. Ich war überrascht, dass er das Deutsche Theater in Almaty kannte – das hat mich sehr gefreut“. Im Herbst ist Krohn zum ersten Mal beim Deutschen Theater in Almaty zu Besuch gewesen und hat vorgeschlagen, gemeinsam das Theaterstück „Ghetto“ von Jehoschuah Sobol zu inszenieren.

Die Premiere fand Anfang März auf der Bühne des Deutschen Theaters statt. Für die Schauspieler des Deutschen Theaters ist die Anwesenheit von Marcel Krohn ein echter Glücksgriff. „Wir versuchen immer wieder, Stücke in deutscher Sprache aufzuführen, aber wir spielen auch einige Aufführungen auf Russisch“, sagt Marina Dujatschenko. Sie wünscht sich, dass das Deutsche Theater wieder mehr Zuschauer bekommt. Daran kann es ja eigentlich nicht mangeln. Sie meint, es gäbe doch neben den Angehörigen der deutschen Minderheit auch zahlreiche Schüler und Studenten in Almaty, die Deutsch lernen: „Wir sind doch eine Insel der deutschen Sprache.“

Von Dominik Vorhölter

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