Vor allem in der krisengeplagten Einzelhandelsbranche und im Baugewerbe verringert sich die Anzahl der Unternehmen, die gewissenhaft ihre Schulden zahlen. Danijar Tenelow, Geschäftsführer des ersten korporativen Schuldeneintreibers in Kasachstan, der Firma „USB Collector Kasachstan“, kennt alternative Methoden für säumige Schuldner, die sich weder durch Gerichtsurteile noch Banditen zum Zahlen bewegen lassen. Auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Wirtschaftsclubs in Kasachstan sprach er Mitte März im Grand Hotel Tien Shan in Almaty über „Zahlungsmoral in den Zeiten der Krise und Forderungsmanagement in Kasachstan.“

/Bild: Christine Karmann. ‚Danijar Tenelow, Geschäftsführer der Firma „USB Collector Kasachstan“/

In verschiedenen Gesellschaftsschichten gelten andere Idealmaße. Auf dem kasachischen Schuldenmarkt galt lange Zeit die Regel „10-80-10“ als Inbegriff aller Schuldner. „10 Prozent der Unternehmen zahlten ihre Schulden immer, 80 Prozent der Unternehmen schwankten aus verschiedenen Gründen zwischen Rückzahlung der Schulden und Nichtbegleichung der Forderungen und 10 Prozent der Unternehmen bezahlten ihre Schulden nicht, auch wenn es die wirtschaftliche Leistungskraft des Unternehmens zugelassen hätte“, sagt Danijar Tenelow, Geschäftsführer der Firma „USB Collector Kasachstan“.

Diese Regel galt in Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs, in denen die Unternehmen hohe Gewinne machten und es keine größeren Probleme bei der Schuldenbegleichung in Kasachstan gab. In Zeiten der Krise hat sich die Zahlungsmoral der Unternehmen verändert. Laut Tenelow gibt es in den Branchen, in denen ein bedeutender Rückgang der Umsätze und der Rentabilität zu beobachten ist, wie z.B. im Einzelhandel oder im Baugewerbe, immer weniger gewissenhafte Schuldenzahler. Gleichzeitig erhöht sich die Dauer und Größe des Verzuges.

„Für viele verschuldete Unternehmen spielt die Reputation keine Rolle. Außerdem verfügen sie über Instrumente, die ihnen erlauben, ihre Schulden nicht zu bezahlen“, sagt Danijar Tenelow. „Man könnte die Situation fast so beschreiben, dass nur Feiglinge ihre Schulden gewissenhaft zurückzahlen.“

Das Schuldenproblem

In Kasachstan belaufen sich laut Einschätzung des russischen Marktforschungsunternehmens „ÑredInform“ die korporativen Schulden in diesem Jahr auf eine Milliarde Dollar, davon betragen die Anteile der Schulden von Banken 60 bis 70 Prozent. „Schulden zu vermeiden, ist nicht schwer, aber viele messen der Vorbeugung keine große Bedeutung bei“, so Danijar Tenelow.

Er empfiehlt vier Wege, um Schuldenberge erst gar nicht entstehen zu lassen. An erster Stelle steht die Einstufung der Geschäftspartner nach Risiken: hoch, mittel und niedrig. Auf dieser Grundlage kann man die Bedingungen der Zusammenarbeit festlegen.

Zweitens, hilft eine Datenbank, nicht den Überblick über ausgestellte Rechnungen und beglichene Forderungen zu verlieren. „Deutsche Unternehmen stellen immer pünktlich ihre Rechnungen“, sagt Danijar Tenelow, der zum Thema „Forderungsmanagement in Kasachstan“ zweitägige Seminare anbietet und nur die wichtigsten Punkte den Mitgliedern des Deutschen Wirtschaftsclubs auf iher Mitgliederversammlung präsentierte.

Ein regelmäßiges Monitoring der Geschäftspartner, die potentielle Schuldner sein könnten, kann auch helfen, Schuldenberge zu vermeiden. „Negative Nachrichten sind ein wichtiges Warnsignal, dass eine Schuld entstehen könnte. Zu den Alarmzeichen gehören Informationen über den Geschäftspartner, dass er in ein kleineres Büro umzieht, Personal entlässt, einen Auflösungsvertrag mit einem größerem Auftraggeber eingeht oder dass wichtige Mitarbeiter die Firma verlassen“, sagt Tenelow.

Eine weitere unkomplizierte Maßnahme des Forderungsmanagements besteht darin, Prioritäten in Bezug auf die Schulden zu setzen und eine zuständige Person festzustellen. „Oft gibt es in einem Unternehmen verschiedene Ressorts wie die Rechtsabteilung, das Marketing oder die Finanzsparte, die sich mit korporativen Schulden beschäftigen und oftmals ohne Abstimmung handeln. Eine Person mit breiten Vollmachen zu identifizieren, hilft einem da schon mal weiter“, sagt Tenelow.

Diese Schritte halten das Risiko niedrig, auf seinen Schulden sitzen zu bleiben. Auch wenn der Schuldenberg sich schon vor einem aufgetürmt hat, muss man nicht verzweifeln. Selbst wenn der Rechtsweg ausgeschlossen scheint, gibt es noch legale Methoden, an sein Geld zu kommen.

Alternative Schuldeneintreibung

Tenelow empfiehlt, mit einer Situationsanalyse zu beginnen und die Beziehungen des Schuldners zu Gesellschaftern, faktischen Eigentümern, Geschäftspartnern, Lieferanten, Kunden, Fachverbänden, internationalen und staatlichen Organen und in Kasachstan auch bedeutend zu Verwandten zu betrachten, um eine erweiterte Vorstellung des Problems zu bekommen.

„Will man selbst in Verhandlungen mit seinen säumigen Schuldnern treten, ist es ganz wichtig, alles schriftlich auszuformulieren. Wird einem mündlich ein Garantiebrief zugesichert, ist es schon zu 100 Prozent sicher, dass nicht gezahlt werden soll“, so Tenelows Erfahrung.

Die Modellierung des Verhaltens des Schuldners und der mit ihm verbundenen Personen hilft, ein Programm der Schuldeneintreibung zusammenzustellen. „Mit einem unserer Kunden, der schon fast alles probiert hatte, seine Schulden einzutreiben, haben wir eine Pressekonferenz geplant. Hatte der Gerichtsvollzieher nur Geschäftsausrüstung im Wert von einem Prozent der Schuld beschlagnahmt, so bewog die Androhung an die Öffentlichkeit zu gehen, den Geschäftspartner zum Einlenken. Bis heute hat unser Kunde 50 Prozent seiner Forderungen eingetrieben und ist damit sehr zufrieden“, sagt Tenelow.

Von Christine Karmann

19/03/10

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