Der Ehrenprofessor der Kasachisch-Britischen Universität in Almaty, Sergej Serebrjanskij, der seit über 25 Jahren in Deutschland lebt, hat eine einzigartige Bildungsbrücke zwischen Kasachstan und Deutschland geschaffen. Absolventen des Staatlichen Elektromechanischen College in Almaty erhalten Doppelabschlüsse nach deutschen Standards, vertiefen ihre Deutschkenntnisse und absolvieren Praktika in Deutschland – mit direktem Zugang zu Jobs in Europas größten Konzernen.

Seit 2004 betreibt Serebrjanskij den Technologietransfer zwischen Deutschland und Kasachstan und gründete 2015 Janser Consult, mit Niederlassungen in Zentralasien und der Ukraine, um Fachkräften den Weg in die europäische Industrie zu ebnen.

Herr Serebrjanskij, mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich in Ihrer Arbeit konfrontiert?

Zunächst möchte ich sagen: Unsere professionelle Mission besteht darin, das Problem des Mangels an qualifizierten Fachkräften auf dem deutschen Arbeitsmarkt effektiv zu lösen und nachhaltige Verbindungen zwischen deutschen Arbeitgebern und Kandidaten aus Zentralasien und Osteuropa zu schaffen. Wir wollen nicht nur Stellen besetzen, sondern ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse der Unternehmen und der Kandidaten entwickeln und eine hochwertige Betreuung in allen Phasen der Zusammenarbeit gewährleisten. Dabei sehen wir aber auch ernsthafte Herausforderungen. Die alternde Bevölkerung und der Rückgang der Arbeitskräfte schaffen eine langfristige Nachfrage nach Spezialisten. Besonders bei regulierten Berufen ist es schwierig, ausländische Diplome und Fachabschlüsse anerkennen zu lassen. Zudem haben viele Kandidaten Schwierigkeiten mit der Sprache und der Anpassung an die deutsche Unternehmenskultur. Trotzdem schaffen wir eine transparente und systematische Rekrutierungsumgebung, in der sich die Interessen der Unternehmen und die Ambitionen der Kandidaten für nachhaltiges Wachstum treffen.

Wie unterstützt Janser Consult deutsche Unternehmen dabei, Talente in Kasachstan zu finden?

Wir bieten deutschen Unternehmen umfassende Unterstützung im internationalen Recruiting, vom ersten Kontakt bis zur Integration des jeweiligen Spezialisten in Deutschland. Unser Ansatz umfasst die Suche, Anwerbung und Auswahl von qualifizierten Fachkräften, Praktikanten und Studierenden in Zentralasien, einschließlich Kasachstan. Wir bereiten die Kandidaten mit einer Berufsorientierung vor, aber auch mit Deutschkursen und Ausbildung nach deutschen beruflichen Standards in Zusammenarbeit mit Partnern wie TÜV Rheinland. Außerdem leisten wir juristische Begleitung, helfen bei Visa, Anerkennung von Qualifikationen, Übersetzungen und Zertifizierungen. Wir unterstützen die Integration, etwa bei Umzug, Wohnungssuche und sozialer sowie beruflicher Eingliederung. Gleichzeitig bieten wir deutschen Unternehmen Zugang zu einer Datenbank von Kandidaten mit passenden Fähigkeiten und guten Deutschkenntnissen. So schaffen wir eine effektive Brücke zwischen deutschen Arbeitgebern und Fachkräften aus Kasachstan und wir reduzieren Risiken sowie administrative Belastungen für die Unternehmen.

Welche Fähigkeiten und Kompetenzen sind von deutschen Arbeitgebern am meisten gefragt?

Der deutsche Arbeitsmarkt durchlebt eine paradoxe Phase: Trotz lokal steigender Arbeitslosigkeit gibt es weiterhin einen großen Fachkräftebedarf in Schlüsselbranchen. Besonders gefragt sind technische und ingenieurwissenschaftliche Berufe wie Maschinenbau, Automatisierung und Bauwesen, Spezialisten im Bereich erneuerbarer Energien, Handwerksberufe wie Tischler, Zimmerer, Schweißer oder Industriemechaniker, IT- und digitale Fähigkeiten wie Programmierung, IT-System- und Datenanalyse sowie Cybersicherheit, KI-Spezialisten, medizinische und soziale Berufe, etwa Pflegekräfte und Gesundheitsspezialisten, sowie Logistik- und Fachkräfte in Transport und Lagerwesen. Diese breite Nachfrage zeigt die Vielfalt der Bereiche, in denen gut ausgebildete Fachkräfte gebraucht werden.

Wie haben sich die Anforderungen an Kandidaten in den letzten Jahren verändert?

Es gibt einen starken Anstieg der Bedeutung technologischer und digitaler Kompetenzen, insbesondere im Umgang mit IT-Systemen und in der Automatisierung. Gefragt sind Flexibilität und multidisziplinäre Fähigkeiten, die Anpassungsfähigkeit an neue Wirtschaftsbedingungen, Deutschkenntnisse, die weiterhin ein kritischer Faktor für eine erfolgreiche Arbeitsaufnahme sind, obwohl in einigen IT-Bereichen auch Englisch akzeptiert wird, sowie soziale Kompetenzen, darunter Kommunikationsfähigkeit, Eigenständigkeit und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen.

Welche Ratschläge geben Sie kasachstanischen Spezialisten, die in Deutschland arbeiten möchten?

Ich empfehle, die Sprachkenntnisse zu verbessern, da ein höheres Niveau die Chancen erheblich steigert. Es ist wichtig, dass sich die Bewerber ihre Qualifikationen anerkennen lassen, insbesondere bei regulierten Berufen wie Medizin oder Ingenieurwesen. Digitale und technische Fähigkeiten sollten kontinuierlich ausgebaut werden, da sie die Erfolgsaussichten stark erhöhen. Außerdem ist die Bereitschaft zur kulturellen Anpassung entscheidend, insbesondere das Verständnis für die deutsche Arbeitskultur mit Struktur, Genauigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Netzwerke und Plattformen wie „Make-it-in-Germany“, Stepstone oder LinkedIn bieten verlässliche Informationen über Arbeitgeber und Stellenangebote. Vorsicht ist vor unseriösen Vermittlern geboten, die oft Gebühren verlangen, aber keine verbindlichen Ergebnisse liefern.

Wie sehen Sie die Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und Deutschland in der Zukunft?

Unzweifelhaft gibt es große Perspektiven, insbesondere dank der wachsenden Migration qualifizierter Spezialisten, der demografischen Herausforderungen und des Bedarfs der deutschen Wirtschaft an jungen, technisch ausgebildeten Fachkräften, der Gewinnung beruflicher Erfahrung durch kasachische Spezialisten in Deutschland mit späterer Umsetzung dieser Erfahrung in Kasachstan sowie der Entwicklung internationaler Ausbildungs- und Austauschprogramme, die es ermöglichen, Fachkräfte bereits vor der Ausreise nach Deutschland vorzubereiten. Das Partnerschaftsprojekt mit dem Almaty State Electromechanical College ist ein lebendiges Beispiel für die Schaffung eines Fachkräfte-Reservoirs der Zukunft, inklusive praktischer Erfahrungen in führenden deutschen Unternehmen und direkter Verbindungen zu potenziellen Arbeitgebern.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Marina Angaldt.

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