Mit dem Winter Run am 15. Februar 2026, an dem rund 2.500 Teilnehmende aus 22 Ländern starteten, wurde in Almaty offiziell die neue Laufsaison eröffnet. Schon dieses Auftaktereignis machte deutlich, welchen Stellenwert der Laufsport inzwischen in der Stadt einnimmt.

In den vergangenen Jahren hat sich das Laufen von einer eher randständigen Disziplin zu einem festen Bestandteil der urbanen Kultur entwickelt. Joggingrunden, Halbmarathons und der große Stadtmarathon prägen heute das Bild der Metropole und bringen Menschen zusammen, die sich nach Alter und Beruf oft stark voneinander unterscheiden.

Die Anfänge dieses Trends reichen in die Mitte der 2010er Jahre zurück. Zunächst trafen sich kleinere Gruppen zu morgendlichen oder abendlichen Trainings in Parks oder auf Strecken in den Bergen rund um die Stadt. Gelaufen wurde im Park des Ersten Präsidenten, rund um die Eissportanlagen von Medeo oder auf Routen beim Wasserfall von Butakowka und beim Fernsehturm von Kok-Töbe. Was als individuelle Freizeitaktivität begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer organisierten Bewegung.

Der entscheidende Impuls kam wohl mit der Einführung des Almaty-Marathons. Die Veranstaltung wuchs kontinuierlich und zog bald nicht nur Einheimische, sondern auch Teilnehmende aus anderen Regionen Kasachstans sowie aus dem Ausland an. Der Marathon wurde zu einem festen Termin im Jahreskalender, auf den man sich monatelang vorbereitet und der für viele zu einem wichtigen persönlichen Ziel geworden ist.

Almaty als Laufmetropole

Dass gerade Almaty zur Laufmetropole wurde, liegt an mehreren Faktoren. Die geografische Lage am Fuß des Transili-Alatau-Gebirges bietet ideale Bedingungen für abwechslungsreiches Training. Parks, Flussufer, breite Alleen und anspruchsvolle Bergpfade ermöglichen unterschiedliche Trainingsformen und Schwierigkeitsgrade. Gleichzeitig wurde die städtische Infrastruktur zunehmend an die Bedürfnisse von Sporttreibenden angepasst. Gut markierte Wege, beleuchtete Grünanlagen, sichere Routen und frei zugängliche Trainingsräume im Freien erleichtern eine regelmäßige Bewegung und stärken das Bewusstsein für einen aktiven Lebensstil.

Parallel dazu hat sich eine lebendige Laufgemeinschaft gebildet. Viele schätzen die Motivation in der Gruppe, den Austausch von Trainingsplänen und Erfahrungen sowie die gegenseitige Unterstützung vor Wettkämpfen. Diese Veranstaltungen sind dadurch nicht nur sportliche Wettbewerbe, sondern auch soziale Treffpunkte, an denen sich eine urbane Gemeinschaft formiert.

Der Almaty-Marathon selbst trägt wesentlich zu dieser Entwicklung bei. Seine internationale Zertifizierung verleiht ihm Anerkennung über die Landesgrenzen hinaus und macht ihn attraktiv für ambitionierte Läuferinnen und Läufer. Neben der klassischen Distanz von 42,195 Kilometern werden ein Halbmarathon, Strecken zu 10 und 5 Kilometern sowie Kinderläufe angeboten. Diese Vielfalt ermöglicht eine breite Beteiligung und fördert eine inklusive Sportkultur, in der Anfänger ebenso willkommen sind wie erfahrene Athletinnen und Athleten. Hinzu kommt die soziale Dimension: Viele Teilnehmende laufen zugunsten wohltätiger Projekte und verbinden sportliche Leistung mit gesellschaftlichem Engagement.

Der Einfluss der Sozialen Medien

Gesellschaftliche Entwicklungen haben den Trend zusätzlich verstärkt. Während der COVID-19-Pandemie suchten viele Menschen nach unkomplizierten Möglichkeiten, sich im Freien zu bewegen. Laufen erwies sich als besonders niedrigschwellig und flexibel. Gleichzeitig verstärkten soziale Medien die Dynamik. Fotos vom Zieleinlauf, persönliche Bestzeiten oder Trainingsberichte verbreiten sich schnell und motivieren andere, ebenfalls aktiv zu werden. Immer häufiger gehen ganze Familien gemeinsam an den Start, wodurch das Laufen zunehmend als gemeinschaftliche und generationenübergreifende Aktivität wahrgenommen wird.

Vieles spricht dafür, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Der Markt für Sportbekleidung, Laufschuhe und digitale Trainingshilfen wächst stetig. Neue Formate wie Nachtläufe, Wohltätigkeitsläufe oder Trailläufe im Gebirge sprechen zusätzliche Zielgruppen an. Eine stärkere Einbindung von Schulen und Universitäten könnte zudem langfristig die Basis des Breitensports stärken und junge Menschen frühzeitig an einen aktiven Lebensstil heranführen.

Almaty ist heute eine Stadt, die läuft. Der Marathon steht längst nicht mehr nur für sportliche Leistung, sondern für Gemeinschaft, Engagement und die Dynamik einer modernen Metropole. Das Laufen ist zu einem kulturellen Ausdruck geworden, der Menschen verbindet, Identität stiftet und ein neues sportliches Selbstverständnis in Kasachstan prägt.

Ruslan Mussirep

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