Eine Delegation von Vertretern bayerischer Wirtschaftsunternehmen stattete Kasachstan in der ersten Märzwoche einen Besuch ab. Geleitet wurde sie von Katja Hessel, Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Station machten die hochrangigen Bajuwaren auch in Schamalgan im Gebiet Almaty, um der Eröffnung eines dort von der bayerischen Plattenhardt und Wirth GmbH errichteten Langzeitkühllagers beizuwohnen.

/Bild: Marlies Ootes. ‚Kazakh Cools Stellvertretender Direktor Wladimir Djerewjanko erklärt im Beisein von Ingolf Mayer (2. v. r.) der bayerischen Staatssekretärin Katja Hessel (1. v. r.) die Stickstoffprozedur./

Dass mit der wenige Kilometer nordwestlich von Almaty gelegenen Ortschaft Schamalgan ausgerechnet der Geburtsort des derzeitigen kasachischen Präsidenten zum Standort eines hochmodernen Langzeitkühllagers für Obst und Gemüse auserkoren wurde, mag Zufall oder eine typisch kasachische Geschichte sein. Nursultan Nasarbajew ist im größten Land Zentralasiens eben allgegenwärtig.

Im „Nichts“ entstanden

An diesem beinahe schon frühlingshaften 6. März jedenfalls geben sich neben einem Großaufgebot kasachischer Medienleute Politiker und Wirtschaftsvertreter Kasachstans und des Freistaates Bayern die Ehre. Unter den im lauen Wind einträchtig flatternden Fahnen Kasachstans und Bayerns äußern sich neben Murat Boranbajew, dem Direktor des Auftraggebers Kazakh Cool und Ingolf Mayer, dem für Osteuropa zuständigen Prokuristen des liefernden Unternehmens Plattenhardt und Wirth auch kasachische Politiker wie Vize-Landwirtschaftsminister Arman Jewnijew und der stellvertretende Akim des Bezirks Karasai, Kajrat Baibaktinow. Es herrscht allgemeine Zufriedenheit über das gelungene kasachisch-deutsche Projekt mit einem Auftragsvolumen von circa 1,5 Millionen Euro, das hier nach den Worten von Ingolf Mayer „auf der grünen Wiese, ohne jegliche Infrastruktur“ verwirklicht werden konnte. Die Finanzierung wurde unter anderem durch die staatliche Leasinggesellschaft „KasAgroFinanz“ sichergestellt.

Das hochautomatisierte Lager, in dem zehn neue Arbeitsplätze entstanden sind, ist Teil eines Komplexes zum Anbau, der Verarbeitung und Lagerung von Obst und Gemüse, in dem auch Technik aus den Niederlanden zum Einsatz kommen wird. Insgesamt sollen in elf Kühlkammern 200.000 Tonnen Obst und Gemüse eingelagert und sortiert werden. Theoretisch können sie anschließend über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr frisch gehalten werden.

Vorerst ohne „Aport“

Um einheimisches Gemüse und Obst wie beispielsweise den für die Region symbolträchtigen Apfel „Aport“ einlagern und verarbeiten zu können, fehlt Kazakh Cool vorerst noch eigenes Land. Bulat Achanow, stellvertretender Direktor für Geschäftsentwicklung, spricht von 60 Hektar, die seine Firma mit Hilfe des Akimats Schamalgan und des Landwirtschaftsministeriums noch in diesem Jahr erwerben zu können hofft. Vorerst sollen Obst und Gemüse aus Tadschikistan, Usbekistan, der Türkei und China in den Kältekammern unter Entzug von Sauerstoff zum „Schlafen“ gebracht und frisch gehalten werden.

Via Internet stehen die bayerischen Spezialisten von Plattenhardt und Wirth den kasachischen Kollegen im Falle von Fragen oder Problemen zur Seite. Ein eigens für den Vor-Ort-Einsatz ausgebildeter kasachischer Techniker wird im April zur weiteren Schulung nach Bayern reisen. Wladimir Djerewjanko, stellvertretender Direktor bei Kazakh Cool, meint in Bezug auf die zu erwartende Abwicklung der Wartung: „Als wir die Anlage gekauft haben, haben wir zugleich einen zuverlässigen Partner bekommen. Ein zuverlässiger Partner wird uns nie im Stich lassen, wenn hier irgendetwas kaputtgeht. Er wird immer auch einen eigenen Techniker schicken.“

Nach dem erfolgreichen Start hoffen Plattenhardt und Wirth Ingolf Mayer zufolge auf den Verkauf eines weiteren Langzeitkühllagers nach Nordkasachstan. Dort gelte es allerdings noch, die Frage der Finanzierung zu klären.

Von Ulrich Steffen Eck

13/03/09