Ein Kulturereignis der besonderen Art fand am 20. Februar in der Cinema Music Bar in Almaty statt. Das Goethe-Institut zeichnete den kasachstanischen Theaterregisseur Bolat Atabajew mit der Goethe-Medaille aus. In einer vorangegangenen Pressekonferenz nahm der Regisseur und Künstler offiziell die Auszeichnung an und bedankte sich für die Ehrung bei der Leiterin des Goethe-Instituts Almaty, Barbara Fraenkel-Thonet.

Jedes Jahr bestimmt das Goethe-Institut herausragende Persönlichkeiten, die sich in der Förderung und Entwicklung der deutschen Sprache sowie im internationalen Kulturaustausch hervorgetan haben.

Der offizielle Orden der Bundesrepublik Deutschland wird Atabajew für seine Verdienste in der Entwicklung der Theaterbeziehungen Deutschlands und Kasachstans verliehen. Die Entscheidung zur Preisvergabe wurde vor allem damit begründet, dass Bolat Atabajew mit seinen unkonventionellen Arbeitsmethoden und seinem freien künstlerischen Stil etwas Innovatives in seinen Werken geschaffen hat.

Atabajew, der bereits seit mehr als 30 Jahren in der Theater- und Kunstszene Kasachstans präsent ist, war einer der ersten Regisseure des Deutschen Theaters in Kasachstan. Er zählt zu den Mitbegründern des Theaters im Jahre 1980 in Temirtau und war dort lange Jahre als künstlerischer Leiter tätig.

Atabajew hatte schon immer eine große Affinität zu Deutschland und fühlte sich vor allem der deutschen Sprache eng verbunden. Auf seinen zahlreichen Reisen nach Deutschland fand er oft neue Inspiration und Anreize für sein weiteres künstlerisches Schaffen. Bis heute unterhält er Kontakte zu deutschen Dramaturgen, wie Volker Schlöndorff, Volker Schmidt u.v.a.

In seinem deutschsprachigen Werk „Lady Milford aus Almaty“ beschreibt Bolat Atabajew das Schicksal einer deutschstämmigen Schauspielerin aus Kasachstan, die nach Deutschland auswanderte. Das Theaterstück, welches in beiden Ländern aufgeführt wurde, ist zu einem verbindenden Element zwischen Deutschland und Kasachstan geworden.

Die Goethe-Medaille wird bereits seit 1954 vom Goethe-Institut an herausragende Persönlichkeiten vergeben. Die Reihe der bekannten Preisträger ist lang: vor Atabajew wurden unter anderem Künstler wie Daniel Barenboim, George Tabori und viele andere mit der Goethe-Medaille geehrt.

Ein absolutes Novum hierbei ist, dass Bolat Atabajew als erster kasachstanischer Preisträger die Goethe-Medaille erhält.

Aus diesem Anlass widmete das Goethe-Institut Almaty dem Künstler eine Ehrenveranstaltung in der Cinema Music Bar. Kulturellen Hochgenuss versprachen nicht nur kasachische Theateraufführungen, sondern auch die Schauspieler des Deutschen Theaters. In ihrer sehr gelungenen Darbietung zeigten sie ihre Hochachtung vor Atabajew, der in einer Operation von „schädlichen“ Charaktereigenschaften befreit werden sollte.

Aber auch die jungen Schauspieler des Privattheaters „Aksarai“ ehrten den Regisseur mit einer Hommage an Goethes „Wanderers Nachtlied“ in drei Sprachen.

Die feierliche Verleihung der Auszeichnung findet traditionell am Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes, am 28. August 2012, in Weimar statt. Der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann wird dann in einer offiziellen Zeremonie Bolat Atabajew die Goethe-Medaille überreichen.

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Im gespräch mit Bolat Atabajew:

Was bedeutet die Auszeichnung mit der Goethe-Medaille für Sie persönlich und Ihre zukünftige Arbeit?

Natürlich ist die Auszeichnung für mich etwas Besonderes und ich freue mich. Aber ich habe ja nicht gearbeitet, um diesen Preis zu bekommen, wie Schüler vielleicht nach guten Noten streben. Ich bin relativ gelassen und ruhig. Ich breche nun nicht in Begeisterungsstürme aus, sondern arbeite einfach weiter!

Man sagt, dass Sie selbst in Zeiten großer Veränderungen und Schwierigkeiten niemals Ihren Glauben an die Macht der Kunst verloren haben. Worin besteht für Sie die Macht der Kunst und woher nehmen Sie Ihren starken Glauben an sie?

Kunst bedeutet vor allem nicht „Künstlichkeit“, das ist mir wichtig.

Leider ist einiges von dem, was ich hier in Kasachstan gelehrt bekam, oft nur künstlich gewesen. Bedauerlicherweise habe ich erst sehr spät die Kraft der Kunst verstanden. Was bedeutet für mich Kunst – Kunst ist für mich das Leben selbst. Das alltägliche Leben gibt mir die Kraft und den Glauben. Kunst ist für mich eine Art des Dienens, sie ist meine ästhetische Beziehung zur Wirklichkeit.

Mir kommt es auf das Menschliche an. Ich kannte einmal einen Regisseur, von dem alle sagten, er sei ein schlechter Mensch, eine Art „Luzifer“. Später, nachdem ich ihn dann persönlich kennengelernt hatte, verstand ich, dass er einfach ein genialer Mensch war. Ein Mensch, der freiwillig die Rolle des Bösewichts übernahm und stets die Wahrheit aussprach.
Ich möchte lieber diesen Weg gehen und die Wahrheit sagen, unabhängig davon, was andere Leute dazu meinen.

Das Leben ist oft hart, und die Kraft dafür ziehe ich aus der Kunst, aus dem Glauben an sie.

Welche künstlerischen Projekte planen Sie in diesem Jahr – wovon träumen Sie noch?

In Kasachstan können Sie nichts planen… Was mich momentan bewegt, ist das Alltägliche, das sind meine Schauspieler, die heute Abend in der „Cinema Music Bar“ spielen werden und mein Enkelkind. Ich habe drei Enkel, das dritte wurde gerade vor einer Woche geboren. Das ist jetzt mein wichtigstes Projekt! (Pressekonferenz, 20.02.2012)

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Bolat Atabajew wurde 1952 bei Taldykorgan, Kasachstan, geboren. Er studierte Germanistik an der Weltsprachenuniversität Alma-Ata, an der er nach dem Studium zwei Jahre als Deutschlehrer tätig war. Er ist außerdem Absolvent der theaterwissenschaftlichen Fakultät der Kasachischen Kunstakademie „Zhurgenow“. Er gehörte zu den Mitbegründern des Deutschen Theaters im Jahre 1980 in Temirtau und war daselbst von 1982 bis 1991 künstlerischer Leiter, bevor das Deutsche Theater 1990 nach Almaty umzog. In den Jahren 1991- 2000 arbeitete er als Regisseur im Kasachischen Akademischen Schauspielhaus „Auesow“ und leitet seit 2000 sein privates Theaters „Aksarai“. Darüber hinaus hat sich Bolat Atabajew auch als Theaterkritiker einen Namen gemacht. Er unterrichtet außerdem an der Kasachischen Akademie der Künste „Zhurgenow“.

Von Malina Weindl