Schmelzende Schneemänner und wuselnde Ameisen: Zwölf Videokünstler aus Zentralasien drehten, im Rahmen eines vom Goethe-Institut initiierten Projektes, Videos rund ums Thema Umwelt. Ihre Ergebnisse zeigten sie bereits in Bischkek, Taschkent und Duschanbe. Die Tengri-Umai Gallerie in Almaty ist die letzte Station, in der die Videos bis Mitte Mai unter dem Motto „Kunst und Klima“ zu sehen waren.

/Bild: Tengri-Umai. ‚Eröffnung: Die Leiterin des Goethe-Instituts, Frau Barbara Fraenkel-Thonet und die ersten Besucher der Ausstellung.’/

Emsig tragen die kleinen Ameisen Äste, Stroh und Holzstückchen in ihren Bau. Es ist ein ganzes Ameisenvolk, das so friedlich und ruhig vor sich hinarbeitet. Dann verschwinden die scharfen Umrisse der Ameisen langsam, und ein anderes Bild geschäftig herum wuselnder Gestalten, nimmt allmählich feste Konturen an. Die eben noch unscharfen Gestalten werden zu Menschen. Menschen, die eifrig Obst, Gemüse und Blumen zu Ihren Ständen tragen. Langsam verliert auch dieses Bild wieder an Klarheit, und das Ameisenvolk taucht erneut auf. Für einen kurzen Moment überschneiden sich beide Bilder, bevor das der Menschen endgültig entschwindet.

Die Entfremdung vom Menschen und seiner Umwelt

„Globaler Menschenhaufen“ lautet der Titel des Videos von Bermet Borubajewa und Diana Uchina aus Kirgisistan. Strukturen moderner Gesellschaften verschmelzen mit denen anderer, auf den ersten Blick grundverschieden wirkender Spezies beinahe übergangslos. Der Mensch steht seiner Umwelt und allen Lebewesen darin näher, als er denkt, und dennoch kommt er ihr nicht näher, sondern entfernt sich immer weiter von ihr. Dieses Paradox charakterisiert das Wesen der meisten gezeigten Videos. Und wird so zum Leitmotiv der Ausstellung.

Die Gründe einer solchen Entfremdung sind vielfältig und ebenso komplex. Das Motiv des Schneemanns diente einer der Künstlerinnen zur Konkretisierung eines möglichen Grundes: Der Schneemann fungiert dabei zum einen als ein Idealbild aus Kindheitstagen, das Geborgenheit und Stabilität wiederspiegelt sowie als Symbol der Vergänglichkeit andererseits. In der von ihr nun entworfenen Szenerie steht ein solcher Schneemann inmitten eines Parks und wird von den vorbeigehenden Menschen nicht wahrgenommen. Auch als er langsam zu schmelzen beginnt, ein Hund ihm den Kopf abbeißt und zu guter Letzt ein Kind mit seinen Überresten spielt, wird er von den Passanten nicht beachtet.

Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge

Die Umwelt unterliegt mehr und mehr einem Zerstörungsprozess; den aufzuhalten bedarf es einer Abkehr von der allgegenwärtigen Gleichgültigkeit und Überheblichkeit, mit der die Menschen ihr nicht selten begegnen. So kann eine konkrete Botschaft lauten, die die Teilnehmer mit ihren Filmen zum Ausdruck bringen wollten.

Nun ist das Thema Umwelt ein sehr weiter Begriff. Aus diesem Grund wurde der Schwerpunkt der Ausstellung auf das Thema Klimawandel gesetzt. Nicht zuletzt auch deswegen, „weil die Region hier vom Klimawandel stark betroffen sein wird“, so André Augustin, Projektkoordinator beim Goethe-Institut Kasachstan. Entstanden sind die Videos dann im Rahmen eines Workshops in Taschkent unter der Leitung der renommierten Video Art-Künstler Jan Verbeek und Aki Nakazawa. Auch wenn nun in manchen Videos der Bezug zum Thema Klima nicht unbedingt ersichtlich ist, wurde ein Punkt trotzdem ziemlich deutlich: Der Mensch ist eben nicht das Maß aller Dinge.

Von Anja Greiner